EU-Bericht zur digitalen Dekade
Im Juni hat die Kommission ihren vierten Bericht zum Stand der Digitalen Dekade veröffentlicht und damit eine aktualisierte Bewertung der digitalen Transformation in der EU vorgelegt. Das Programm misst die Fortschritte in zentralen Bereichen wie Infrastruktur, Unternehmensdigitalisierung, Kompetenzen und öffentliche Dienste im Hinblick auf die Ziele für 2030. Zugleich soll der Bericht die Ausrichtung der künftigen EU-Finanzmittel unterstützen und die Mitgliedstaaten dazu anhalten, ihre nationalen Fahrpläne weiterzuentwickeln. Das Paket umfasst unter anderem einen Länderbericht für Deutschland, in dem die Kommission auch auf einige DIHK-Umfragen und Berichte Bezug nimmt.
Die Kommission betont die zentrale Rolle der Digitalisierung für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und strategische Autonomie. Insgesamt wurden EU-weit 1934 Maßnahmen mit einem Volumen von 289,3 Milliarden Euro auf den Weg gebracht, davon 205,9 Milliarden Euro aus öffentlichen Haushalten. Zudem wurden 64 Prozent der länderspezifischen Empfehlungen für 2025 bereits umgesetzt, und neue Kooperationsformate stärken die Zusammenarbeit. Gleichzeitig sehen 79 Prozent der Europäer Digitalpolitik als Priorität, 85 Prozent befürworten Investitionen in europäische Infrastruktur und 82 Prozent eine geringere Abhängigkeit von Drittanbietern.
Der Bericht macht jedoch deutlich, dass Tempo, Umfang und Koordinierung weiter gesteigert werden müssen. Während die 5G-Grundversorgung nahezu flächendeckend ist, besteht beim Ausbau leistungsfähiger Glasfasernetze weiterhin Nachholbedarf. Auch bei der technologischen Souveränität bestehen Defizite: Der Anteil der EU am globalen Halbleitermarkt liegt mit 9 Prozent klar unter dem Zielwert von 20 Prozent. In der Wirtschaft nutzen 46,7 Prozent der Unternehmen Cloud-Anwendungen (DE: 46 Prozent), 39,9 Prozent Datenanalysen (DE: 37,7 Prozent) und knapp 20 Prozent KI (DE: 26 Prozent). Hemmnisse bestehen insbesondere für KMU bei Kompetenzen, Infrastruktur und Ressourcen.
Auch bei Fachkräften und Kompetenzen zeigen sich strukturelle Herausforderungen. Zwar verfügen über 60 Prozent der EU-Bevölkerung über grundlegende digitale Fähigkeiten (DE: 59,6 Prozent), doch liegt der Anteil der IKT-Fachkräfte mit 5 Prozent (DE: 5,5 Prozent) nur bei der Hälfte des 2030 Zielwerts. Hinzu kommt, dass breite Mehrheiten Risiken durch Desinformation, KI-generierte Inhalte und unzureichenden Schutz im digitalen Raum sehen und entsprechende Regulierung fordern.
Für Deutschland ergibt sich ein gemischtes Bild: Während das Land in Hightech-Branchen wie Halbleitern und Quantentechnologie eine führende Position einnimmt, bremsen Defizite bei Konnektivität und digitalen öffentlichen Diensten das Gesamtpotenzial. Der nationale Fahrplan umfasst 50 Maßnahmen im Umfang von 102,1 Milliarden Euro, davon 46,8 Milliarden öffentlich finanziert. Auch hier ist die gesellschaftliche Unterstützung von Digitalpolitik hoch.
Die Kommission fordert eine gezielte Nachschärfung der nationalen Strategien, eine engere Verzahnung mit zukünftigen Finanzierungsinstrumenten und eine Beschleunigung bestehender Initiativen. Für 2027 ist zudem eine Überarbeitung der Ziele geplant, um den Rahmen anzupassen und über 2030 hinaus fortzuführen.
Zum Bericht
Quelle: DIHK
Stand: 17. Juni 2026
Stand: 17. Juni 2026
