Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt
Die Verfügbarkeit von Fachkräften ist ein wichtiger Standortfaktor und grundlegend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Ostbrandenburg. Sinkende Geburtenraten und der Renteneinstieg der Baby-Boomer stellt die Region zunehmend vor Herausforderungen. Die Bevölkerungsprognose für Ostbrandenburg bis 2040 ist stagnierend und sogar leicht negativ (-0,2 %, Basisjahr 2024, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2026, eigene Berechnungen). Daher ist es wichtig, die aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu verfolgen und auch über die mögliche zukünftige Entwicklung nachzudenken, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.
Unternehmen haben weniger Personalbedarf
Die angespannte konjunkturelle Lage wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Der Bedarf an Personal ist in allen Branchen reduziert. Das zeigt die IHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026.
Regelmäßig werden die Unternehmen in unserer Konjunkturumfrage gefragt, ob sie ihren Personalstand halten wollen oder ob sie planen, Beschäftigte neu einzustellen bzw. zu entlassen. Der Saldo aus ab- und zunehmenden Personalplänen liegt in allen Branchen weit im negativen Bereich, d. h. mehr Unternehmen planen Personalabbau statt Personalaufbau. Branchenweit ist die Mehrheit der Unternehmen (63 %) abwartend und hat gleichbleibende Pläne. Nur 6 Prozent wollen neu einstellen, 31 Prozent rechnen mit Entlassungen. Seit dem Vorjahr haben sich die Entlassungspläne deutlich erhöht. Das ist besonders im Verkehr- und Logistikbereich zu beobachten. Auch die zuvor stabile Dienstleistungsbranche zeigt aktuell vermehrt Reduzierungsvorhaben.
Der Fachkräftemangel tritt durch den geringeren Personalbedarf als Risiko in den Hintergrund
Einmal im Jahr befragen wir die Unternehmen zum Thema Personal. Im Zeitverlauf zeigt sich, dass der Rückgang in den Personalplänen vor allem an einer abnehmenden Nachfrage liegt und nicht an einer geringen Personalverfügbarkeit. Zuletzt, im Herbst 2025, gab die Mehrheit der Unternehmen in Ostbrandenburg an, dass sie derzeit keinen Personalbedarf haben (54 %). Dennoch hat ein nicht zu unterschätzender Anteil Probleme, offene Stellen längerfristig zu besetzen (31 %) - nur 15 Prozent haben keine Schwierigkeiten. In Brandenburg insgesamt sieht das ähnlich aus, wie in der untenstehenden Grafik abgebildet. Demnach bleibt der Fachkräftemangel ein Thema, aber er tritt angesichts der geringeren Nachfrage in den Hintergrund.
In der Vergangenheit war der Fachkräftemangel für viele Unternehmen ein Wirtschaftsrisiko laut unseren Umfragen. Aktuell geben dies nur noch 36 Prozent an. Viel mehr belasten die Energie- und Rohstoffpreise (79 %) und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (73 %) die Unternehmen. Auch die hohen Arbeitskosten (59 %), insbesondere nach der Mindestlohnerhöhung, und die schwache Binnennachfrage (48 %) bereiten vielen Unternehmen Sorgen.
Die Bundesagentur für Arbeit bietet verschiedene Arbeitsmarktkennwerte auf Kreisebene und regionaler Ebene (z. B. Kammerbezirk Ostbrandenburg) zum Thema Arbeitsmarkt an von 2005 bis 2024: Arbeitsmarktmonitor.
Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Brandenburg bis 2035?
Auch wenn sich der Arbeitsmarkt nicht exakt vorhersagen lässt, ist es für die Wirtschaft, die Kammern, Wirtschaftsförderer, Politik hilfreich abschätzen zu können, wie sich der Arbeitsmarkt in Zukunft entwickeln wird. Somit können frühzeitig Engpässe oder Überangebote an Arbeitskräften erkannt werden, entsprechende Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden und Forderungen an Politik und Verwaltung untermauert werden. Das ist wichtig zur Risikovermeidung insbesondere in Regionen, die von einzelnen Großkonzernen abhängig oder von einer bestimmten Branche geprägt sind.
Idealerweise können Unternehmen zum Beispiel Maßnahmen ergreifen, um ihre wirtschaftliche Entwicklung abzusichern, wenn Knappheit an bestimmten Berufen entsteht, indem sie selbst ausbilden oder weiterbilden und ihre Mitarbeiter binden. Auch die Kammern und die Wirtschaftsförderung können Handlungsmaßnahmen ableiten und Forderungen an die Politik stellen, um die Verfügbarkeit von Arbeitskräften in einem bestimmten Bereich zu intensivieren, z. B. durch Ausbildung. Ebenso könnte man für Personen mit Berufen, die zukünftig seltener nachgefragt werden, frühzeitig Umschulungen anbieten, um eine erhöhte Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
Auf Bundeslandebene veröffentlich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zweimal im Jahr Regionale Arbeitsmarktprognosen für das aktuelle Jahr. Um Prognosen mit regionaler Tiefe unterhalb der Bundeslandebene zur Verfügung zu stellen, hat die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg eine Arbeitsmarktprojektion für Brandenburg bis zum Jahr 2025 entwickelt. Die Ergebnisse geben Einblicke in den gesamten Arbeitsmarkt von Brandenburg sowie in die drei Kammerbezirke (Ostbrandenburg, Cottbus, Potsdam). Ebenso werden Berufsgruppen und Qualifikationsniveaus differenziert.
Die Projektion des Angebots (Wie viele Arbeitskräfte sind zukünftig verfügbar?) und der Nachfrage (Wie viele Arbeitskräfte werden zukünftig benötigt?) wird auf Grundlage bisheriger Entwicklungen in der Vergangenheit geschätzt. Dabei werden aktuelle Bevölkerungsvorausberechnungen für Brandenburg und alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquoten miteinander verknüpft und ein differenziertes Bild der verfügbaren Arbeitskräfte für die Zukunft generiert. Die grundlegende Annahme dabei ist, dass sich die Dynamiken der letzten Jahre fortsetzen. So bleiben die Ergebnisse nachvollziehbar.
Bei der Arbeit mit Prognosen muss man sich dennoch dessen bewusst sein, dass Vorhersagen ungenau sind und keine absoluten Ergebnisse widerspiegeln, insbesondere bei langfristigen Prognosen. Daher sollen die Ergebnisse der vorliegenden Prognose als Anhaltspunkt und Diskussionsbasis verstanden werden. Aktuelle Ereignisse und gesellschaftliche Veränderungen, wie geopolitische Unsicherheiten, Digitalisierung, Transformation usw., können die Entwicklungen beeinflussen. Die Ergebnisse wurden mit Fachexperten hinsichtlich der Plausibilität geprüft und diskutiert. Dahingehend wurden die Ergebnisse mit Hinweisen ergänzt, wenn es Auffälligkeiten gab.
