FORUM - Das Wirtschaftsmagazin
Nr. 7140450
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Die zehn Gewinner-Start-ups
Fokus Region

Zehn junge Firmen bringen frische Ideen nach Schwedt

Holzleim aus Getreideresten, Wärmespeicher aus Pflanzenöl und Luftpolster aus Papier: Das sind Erfindungen von Start-ups, die sich an der zweiten Schwedter Startup Challenge beteiligt haben.
Zehn von 19 Bewerbern haben es geschafft: Sie erhalten jeweils 20 000 Euro für eine Weiterentwicklung ihrer Ideen gemeinsam mit Schwedter Industriepartnern. Die Teams sollen zeigen, wie ihre Technologie dazu beitragen kann, den industriellen Wandel in Schwedt zu gestalten oder neue Wertschöpfungen zu begründen.

Von 100 Gramm auf 50 Kilo

Im Juni gab die Jury des Wettbewerbs in den Uckermärkischen Bühnen in Schwedt die Gewinner bekannt. Die ausgewählten Start-ups kommen aus ganz Deutschland und Polen. Ligaro aus Hannover beispielsweise entwickelt Klebstoffe aus Bio-Proteinen. Sie können unter anderem aus Getreideresten gewonnen werden, wie sie bei der Biokraftstoffproduktion anfallen. Das Start-up will in Schwedt den nächsten Schritt vom Labor zur Produktion schaffen: Statt 100 Gramm Klebstoff wie bisher sollen dann 50 Kilogramm hergestellt werden, erläutert Tim Gatz von Ligaro.
Das Berliner Start-up Nanolope hingegen entwickelt zwei Zentimeter dünne Paneele aus einem biobasierten Verbundmaterial. Sie können für die energetische Sanierung von Wohnhäusern eingesetzt werden.
Die Paneele enthalten pflanzliche Öle, die tagsüber Wärme speichern und in den kühlen Nachtstunden abgeben. Sie funktionieren wie eine passive Klimaanlage. „Wir können bis zur Hälfte der Heiz- und Kühlkosten damit sparen“, sagt Technologiechef (CTO) Eric Matthes. Der Wettbewerb ist für die Berliner Gründer interessant, weil Industriepartner Infrastruktur bereitstellen. Das spare Entwicklungszeit und wirke sich auch positiv auf die Bewertung eines Start-ups durch Investoren aus.
Bereits auf dem Markt sind die Luftpolster von Papair aus Niedersachsen. Sie ersetzen die Plastikfolie, die üblicherweise in Briefen und Päckchen zum Polstern verwendet wird. Papair will seine Luftpolster in Schwedt weiterentwickeln.

Bis zu 300 000 Euro für Pilotprojekt

Mit ihren Konzepten bewerben sich die zehn Gewinner um weiteres Fördergeld. In einer nächsten Stufe des Wettbewerbs erhalten drei von ihnen bis zu 300 000 Euro für eine Pilotanwendung in Schwedt. Unterstützt werden sie von den Industriepartnern des Wettbewerbs - der PCK-Raffinerie, dem Papierhersteller LEIPA, dem Biokraftstoffproduzenten Verbio und dem Energieunternehmen Enertrag. Die Industrie ist Mentorin für die jungen Firmen und stellt Infrastruktur bereit wie Energieanschluss, Druckluft, Anlagen oder Fläche auf dem Betriebsgelände. Das bietet für die Start-ups auch den Vorteil, dass bestimmte Genehmigungsverfahren entfallen, die sie sonst für ein Pilotprojekt durchlaufen müssten.
Die Industrie in Schwedt verspricht sich Impulse für ihre eigene Weiterentwicklung. „Manchmal brauchen wir Euch, um über den Tellerrand zu blicken“, sagt LEIPA-Chef Robin Huesmann bei der Bekanntgabe der Gewinner im Juni. Für ihn ist wertvoll, dass die jungen Leute etablierte Prozesse in den Betrieben hinterfragen.
Für die Stadt selbst bringt der Wettbewerb deutschlandweite Aufmerksamkeit. Aus Sicht von Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe (SPD) sind nicht in erster Linie neue Ansiedlungen das Ziel. „Man darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben“, sagt sie. „Wichtig ist, dass wir für Start-ups interessant sind.“ Junge Unternehmen, etablierte Industrien und Wissenschaft sollen gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen für den Wandel in Schwedt arbeiten und den Industriestandort voranbringen.

Direkte Bahnanbindung wichtig

Wenn Schwedt junge Gründer aus ganz Deutschland anlocken will, dann muss die Stadt aber auch gut erreichbar sein. Da kommt es gar nicht gut an, dass die direkte Bahnverbindung zwischen Berlin und Schwedt im Dezember gekappt werden soll, wie Hoppe deutlich macht. Schwedter Bürger haben eine Petition zum Erhalt der Verbindung gestartet. Eric Matthes vom Berliner Start-up Nanolope will unbedingt unterschreiben. „Die Direktverbindung muss erhalten bleiben.“ Für ihn sind die zweieinhalb Stunden durchgängige Bahnfahrt Arbeitszeit. Und auch für Investoren, die sich die Projekte in Schwedt anschauen wollen, sei eine schnelle Bahnanreise wichtig.
FORUM/Ina Matthes
Start-up Challenge:
Die erste Start-up Challenge wurde 2025 gestartet. Dabei ging es um Technologien, die industrielle Prozesse energie- und ressourceneffizienter machen. Fünf Start-ups erhielten bis zu 300 000 Euro für eine Pilotanwendung. In der Neuauflage 2026 sind nachhaltige Materialien das Thema. Organisiert wird der Wettbewerb vom Start-up Labor Schwedt, einem Projekt der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), der LEIPA Group GmbH und der PCK Raffinerie GmbH. Gefördert wird es durch das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und das Land Brandenburg.
Wie sich Schwedt verändert:
Der Transformationsprozess wird auch im Stadtbild sichtbar. In Schwedt entsteht ein Innovationscampus, der mehrere Einrichtungen umfasst. Dazu zählt ein Transformations- und Service-Gebäude, das als Gründungszentrum, offener Ort für Veranstaltungen, Workshops sowie Makerspace dient. Auch das schon bestehende Reallabor für Forschung und Erprobung, ein Demo-Hub für Innovationen in der grünen Chemie ein neues Lehrtechnikum sowie ein Boardinghaus als Unterkunft für Schüler und Azubis gehören dazu. Gefördert wird der Campus aus dem Just Transition Funds für die Raffinerieregion Schwedt/Oder.
Jörn Klitzing
Leiter
Regionalcenter Barnim Uckermark