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Glühende Ketten und geröstete Nüsse
In einem unauffälligen, weiß-roten Gebäude in einem Gewerbegebiet im Berliner Speckgürtel arbeitet eine der hundert innovativsten Firmen Deutschlands: die Steremat Induktion GmbH. Im Juni ist der Betrieb aus Schöneiche ausgezeichnet worden.
Wie schafft es ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern unter die Top 100 der innovativen Unternehmen in diesem Land? Wer dem Marketingchef von Steremat, Benjamin Kunze, diese Frage stellt, der erntet ein verschmitztes Lächeln: „Kreativ sein ist bei uns Alltag“, sagt er. Steremat fertigt Anlagen, mit denen Industriebetriebe unterschiedliche Materialien härten, löten, miteinander verbinden oder schmelzen können. Es sind sogenannte Induktionserwärmungsanlagen. Sie funktionieren nach demselben physikalischen Prinzip wie der Induktionsherd in der Küche. Unter dessen Kochfeld liegen Kupferspulen. Diese erzeugen ein elektromagnetisches Feld. Das wiederum wird vom Boden eines Kochtopfes aufgenommen und in Wärme umgewandelt.
Steremat wurde als innovatives Unternehmen geehrt. Das Bild zeigt das Herzstück der Anlagen von Steremat - Induktoren. Foto: Steremat
Was Zahnkränze am Fahrrad hart macht
Die Industrieanlagen von Steremat nutzen dieses Prinzip – nur für viel höhere Leistungen, Temperaturen und ganz andere Anwendungen. Im Showroom des Unternehmens mit Konferenztisch und Vitrinen voller Kupferspulen zeigt Benjamin Kunze, was die Induktionsanlagen können. Da hängt zum Beispiel ein Foto an der Wand, das eine glühende Metallkette zeigt, die durch eine Kupferspule geführt wird. Das Magnetfeld der Spule erhitzt die Kettenglieder. Durch das Erwärmen und anschließende Abkühlen wird die Oberfläche der Kette gehärtet, erläutert Kunze.
Härten ist einer der häufigsten Anwendungsfälle für Anlagen von Steremat. Damit werden unter anderem die Oberflächen von Zahnrädern für Maschinen oder Zahnkränze für die Schaltung von Fahrrädern vor Verschleiß geschützt. Induktionsanlagen können aber auch löten oder Werkstücke erhitzen und zusammenfügen. Auch fürs Recycling werden sie eingesetzt. Damit können beispielsweise magnetische Bauteile von Elektromotoren entmagnetisiert werden, damit sie anschließend einfacher weiterverarbeitet oder recycelt werden können. Mit Induktion lässt sich Wärme berührungslos schnell und gezielt in bestimmte Bereiche von Werkstücken bringen. Temperatur und erwärmter Bereich lassen sich je nach Werkstück und Prozess sehr gezielt einstellen. Das kann Energie sparen, weil die Wärme dort eingebracht wird, wo benötigt wird. Das Material wird an der Oberfläche widerstandsfähiger, bleibt aber in der Tiefe flexibel. Die Investition in solche Anlagen lohnt vor allem bei höheren Stückzahlen und wenn es auf Präzision ankommt. Eingesetzt werden sie im Werkzeugbau, der Medizintechnik, der Recyclingbranche, der Automobilindustrie.
Herzstück Kupferspule
Herzstück der Anlagen von Steremat sind Kupferspulen, die sogenannten Induktoren. Im Showroom des Betriebs ist eine ganze Kollektion kupferroter Spulen ausgestellt. Da gibt es Spulen mit vielen Windungen, Exemplare, die Schlüsseln oder Kleeblättern ähneln. Hergestellt werden sie in Handarbeit. Das setzt viel Erfahrung voraus und hat den Vorteil, dass die Kupferspulen so sehr präzise und schnell für den jeweiligen Einsatzzweck gefertigt werden können.
Jede Anlage wird individuell für einen bestimmten Kunden gebaut. Wer bei Steremat arbeitet, muss deshalb Freude am Tüfteln haben, an kreativer Arbeit. Ein Kunde, erzählt Benjamin Kunze, wollte zum Beispiel eine Anlage zum Löten kaufen. Die Steremat-Mitarbeiter entwickelten dafür eine Kupferspule in Form eines Kleeblatts. Damit lassen sich statt eines Werkstückes nun vier Werkstücke zugleich bearbeiten, was deutlich effizienter ist. „Wir verkaufen Lösungen, die genau für die Prozesse unserer Kunden passen“, sagt Kunze. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“ Damit will sich das Unternehmen von Anbietern abheben, die stärker auf standardisierte Anlagenlösungen setzen.
Steremat wurde als Top 100 innovatives Unternehmen in Deutschland geehrt. Steremat bietet unter anderem Lohnhärterei an. Foto: Steremat
Der Kleber hat wunderbar funktioniert
Außerdem arbeitet das Schöneicher Unternehmen seit vielen Jahren immer wieder in Forschungsprojekten mit. Aktuell forscht Steremat gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz an einem 3D-Druckverfahren für Metall. Dabei wird ein Draht durch Induktion berührungslos erhitzt, so dass das Metall weich wird und damit gedruckt werden kann. Das Projekt wird durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert.
Steremat hat auch schon einen Kleber mitentwickelt, mit dem sich Beschläge auf Möbeloberflächen kleben lassen, statt sie zu schrauben. „Das hat wunderbar funktioniert, aber der Markt wollte den Kleber nicht“, bedauert Kunze. Auch Nüsse wurden schon per Induktion energiesparend geröstet. Weil Lebensmittelhersteller ihre Rezepturen aber nicht so gerne preisgeben, konnte am Ende doch kein produktionsreifes Verfahren für diese Branche angeboten werden.
Selbst wenn sich eine Idee einmal nicht verkaufen lässt, ist die Forschung für Steremat wertvoll. „Das ist auch ein Gewinn. Wir entwickeln uns weiter“, betont Kunze. Das Nüsserösten jedenfalls habe gut funktioniert. Und vielleicht ist es irgendwann ja doch für einen Kunden interessant.
Selbst wenn sich eine Idee einmal nicht verkaufen lässt, ist die Forschung für Steremat wertvoll. „Das ist auch ein Gewinn. Wir entwickeln uns weiter“, betont Kunze. Das Nüsserösten jedenfalls habe gut funktioniert. Und vielleicht ist es irgendwann ja doch für einen Kunden interessant.
Breiter aufstellen
Anwendungsreife Ideen in petto zu haben, kann nicht schaden. Denn Steremat will sich breiter aufstellen. Die Aufträge aus der Automobilindustrie, einst wichtigster Abnehmer, gehen zurück. Das Schöneicher Unternehmen hat sein Marketing auf digitalen Kanälen deutlich ausgebaut.
Die Würdigung als eines der hundert innovativsten Unternehmen bringt dem Betrieb mehr Aufmerksamkeit. Es ist nicht die erste Auszeichnung, mit der sich das Unternehmen schmücken darf. Steremat gehört unter anderem zu den Gewinnern des Brandenburger Zukunftspreises. Solche Ehrungen sind ein Aushängeschild fürs Unternehmen, meint Kunze. „Wir zeigen, dass wir da sind, dass wir uns weiterentwickeln, auch wenn der Markt derzeit schwierig ist.“ FORUM/Ina Matthes
Kontakt
Frank Bohm
Referent Unternehmensbetreuung
Regionalcenter Berliner Umland
