Wirtschaft am Bayerischen Untermain
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Regionalwerke am Untermain

Energie aus der Region für die Region

Die Energiewende ist ein Marathon – kein Sprint. Gerade im Bereich der Erneuerbaren Energien liegen zwischen Flächensicherung, Projektentwicklung, Genehmigung und schließlich dem Bau mehrere Jahre. Umso wichtiger ist es, langfristig und strategisch zu handeln. Genau diesen Weg gehen das Energiewerk Landkreis Aschaffenburg (ELA) und das Regionale Energiewerk Untermain (REW) seit ihrer Gründung gemeinsam mit Kommunen, regionalen Energieversorgern und weiteren Partnern.
Inzwischen beginnt die Arbeit der Regionalwerke Früchte zu tragen. Erste große Projekte befinden sich in der Umsetzung und weitere Vorhaben werden bereits auf den Weg gebracht. Damit entstehen nicht nur neue Anlagen zur klimafreundlichen Stromerzeugung, sondern auch neue Möglichkeiten für regionale Wertschöpfung, kommunale Einnahmen und wirtschaftliche Entwicklung am Bayerischen Untermain.
Während das ELA derzeit insbesondere den Ausbau der Photovoltaik vorantreibt, liegt der Schwerpunkt des REW weiterhin im Bereich Windenergie. Beide Ansätze verfolgen ein gemeinsames Ziel: Energie aus der Region für die Region.

ELA bringt erste große Photovoltaikprojekte in Umsetzung

Ein sichtbares Ergebnis für die Arbeit des Energiewerks Landkreis Aschaffenburg ist die neue Freiflächen-Photovoltaikanlage in Goldbach. Auf rund 3,5 Hektar entsteht dort eine Anlage mit einer Leistung von 4,8 MWp, die jährlich etwa 4.750 MWh erzeugen soll – rechnerisch genug, um etwa 1.000 Familien mit regional erzeugtem Strom zu versorgen.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie kommunale Zusammenarbeit beim Ausbau der Erneuerbaren Energien funktionieren kann. Die Fläche befindet sich vollständig im Eigentum der Marktgemeinde Goldbach. Gemeinsam mit dem Elektrizitätswerk Goldbach-Hösbach (EWG), der AHS-Solar GmbH & Co. KG und dem ELA wird dort ein Projekt realisiert, das regionale Interessen mit moderner Energieinfrastruktur verbindet. Besonders hervorzuheben ist dabei die Kombination aus Photovoltaikanlage und Batteriegroßspeicher. Dadurch kann ein Teil des erzeugten Stroms gezielt in die Stunden mit hoher Nachfrage verschoben und somit netzdienlich eingespeist werden.
Für das ELA ist der Solarpark in Goldbach weit mehr als nur ein einzelnes Infrastruktur-projekt. Er markiert den Beginn einer Reihe regionaler Photovoltaikvorhaben, die in den kommenden Jahren folgen sollen.

REW sichert regionale Teilhabe bei Windenergieprojekten

Auch beim Regionalen Energiewerk Untermain zeigen sich vermehrt konkrete Fortschritte. Deutlich wird das unter anderem beim Windvorranggebiet „Am Dachsberg“ in Bürgstadt und Eichenbühl.
Dort wurde gemeinsam mit den beteiligten Kommunen ein geeigneter Projektierer gesucht. Nach einem strukturierten Auswahlprozess erhielt schließlich das Unternehmen Qair Deutschland GmbH den Zuschlag für die Umsetzung des Projekts. Vorgesehen sind derzeit fünf Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 34 Megawatt. Die prognostizierte Jahresstromproduktion liegt bei über 50 Millionen Kilowattstunden.
Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein die Stromerzeugung. Von Anfang an stand für das REW im Mittelpunkt, dass die Interessen der Region angemessen berücksichtigt werden müssen und die Wertschöpfung möglichst vor Ort bleibt. Deshalb wurden im Zuge der Projektvergabe zentrale Punkte zur regionalen Teilhabe vertraglich abgesichert.
Hierzu gehört unter anderem die Möglichkeit einer Beteiligung regionaler Akteure an der späteren Betreibergesellschaft. Bis zu 49 Prozent der Gesellschaftsanteile können dabei regional gehalten werden. Darüber hinaus sind finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger vorgesehen. Gleichzeitig profitieren die Kommunen über Pachteinnahmen, Beteiligungen an den Stromerlösen sowie Gewerbesteuereinnahmen. Gerade das Zusammenspiel dieser Aspekte unterscheidet die Arbeit der beiden Regionalwerke von vielen klassischen Projektentwicklungen.
Neben dem Projekt „Am Dachsberg“ sind inzwischen auch einige weitere Vorranggebiete in Bearbeitung und die nächsten Projektvergaben sind bereits absehbar.

Regionale Wertschöpfung statt rein externer Profite

Damit kommen am Untermain derzeit große Infrastrukturprojekte mit erheblicher regionaler Wertschöpfung ins Rollen, womit zugleich substanzielle Investitionen aus der Privatwirtschaft in die Region fließen. Genau in dieser Dynamik wird der Ansatz der Regionalwerke deutlich: Die Energiewende nicht ausschließlich externen Akteuren zu überlassen, sondern sie aktiv im Interesse der Region mitzugestalten.
Die bisherigen Entwicklungen zeigen, dass dieser Weg funktioniert. Denn während in vielen Regionen die Diskussionen über den Ausbau der Erneuerbaren Energien häufig von Konflikten dominiert sind, beginnt man am Untermain wirtschaftliche Chancen, kommunale Interessen und Klimaschutz miteinander zu verbinden.
Dabei dürften auch viele Skeptiker inzwischen erkennen, dass Erneuerbare Energien künftig eine zentrale Rolle für die Energieversorgung spielen werden. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Region ist dabei die konkrete Ausgestaltung der Projekte. Werden Projekte richtig strukturiert, besteht die Chance, hieraus langfristig einen merklichen Standortvorteil zu entwickeln.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Sicherung von Beteiligungen an den entstehenden Betreibergesellschaften. Dadurch bleibt die Region nicht nur Zuschauerin beim Ausbau der Energieinfrastruktur, sondern behält dauerhaft Einfluss auf lokale Erzeugungsanlagen und die dort produzierte Energie.

Regulatorische Hürden bremsen regionale Lösungen aus

Allerdings stehen einer solchen Entwicklung derzeit noch erhebliche regulatorische Hürden entgegen. Insbesondere auf Bundesebene bestehen Rahmenbedingungen, die innovative regionale Energielösungen erheblich erschweren, oder sogar verhindern.
Ein zentrales Problem liegt aktuell darin, dass Projektfinanzierungen häufig nur schwer realisierbar sind, wenn der erzeugte Strom später über lokale Direktstromlieferverträge (sogenannte PPAs) vermarktet werden soll. Banken bewerten dabei insbesondere das Risiko einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der Stromabnehmer sehr kritisch, was die Finanzierung oft unwirtschaftlich macht.
Andere europäische Staaten gehen hier bereits pragmatischer vor (beispielsweise Spanien, Frankreich, Norwegen). Dort existieren beispielsweise staatliche Absicherungsinstrumente wie zum Beispiel, die genau dieses Restrisiko abfedern und dadurch Investitionen erleichtern.
Gerade vor dem Hintergrund eines zunehmenden Preisdrucks auf EEG-abgesicherte Projekte wird es entscheidend sein, regulatorische Hürden systematisch abzubauen. Aus Sicht der Regionalwerke ist es hierbei wichtig, dass diese Forderung über alle verfügbaren Kanäle an die Entscheidungsträger weitergegeben wird. Denn die Energiewende wird langfristig nicht allein über den Ausbau von Anlagen entschieden, sondern auch über die Frage, wie die erzeugte Energie sinnvoll und kosteneffizient genutzt werden kann – am besten direkt vor Ort.

Die Energiewende regional gestalten

Die bisherigen Entwicklungen zeigen bereits heute: Die Region kann die Energiewende aktiv mitgestalten – und wirtschaftlich davon profitieren. Mit jedem neuen Projekt entstehen nicht nur zusätzliche Erzeugungskapazitäten, sondern auch neue regionale Kompetenzen, Beteiligungsmöglichkeiten und Wertschöpfung.
Die Arbeit der Regionalwerke ist damit weit mehr als klassische Projektentwicklung. Sie ist ein strategischer Beitrag dazu, die Energieversorgung, die wirtschaftliche Zukunft und die regionale Handlungsfähigkeit am Bayerischen Untermain langfristig zu sichern.
Fabian Rothermich, REW Untermain GmbH und Klaus Wienand, Energiewerk Landkreis Aschaffenburg gKU
Industrie- und Handelskammer Aschaffenburg
Kerschensteinerstraße 9
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