Wirtschaft im Revier
Nr. 7145904
4 min Lesezeit

Creative Polymer druckt Aufmerksamkeit im Großformat

Wer die Produktionshalle von Creative Polymer betritt, blickt nicht auf klassische Fertigung. Statt Fräsmaschinen oder Gießformen arbeiten hier mehr als 30 selbst entwickelte Großformat-3D-­Drucker nahezu rund um die Uhr. Schicht für Schicht entstehen aus digitalen Modellen meterhohe Skulpturen, Messeobjekte, Werbefiguren oder technische Prototypen – individuell gefertigt, innerhalb weniger Tage und in Dimensionen, die bis vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren.
Von Sven Frohwein
Die Idee dahinter entstand Ende 2019. Damals entwickelten die Gründer Fabian Sattelberger und Dr.-Ing. Julian Krell ihren ersten Prototyp eines Großformat-3D-Druckers. Aus einer 100 Quadratmeter großen Werkstatt entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein Technologieunternehmen mit rund 1.400 Quadratmetern Produktionsfläche, eigener ­Metallwerkstatt und einem hochautomatisierten Maschinenpark. Heute realisiert Creative Polymer im Bochumer Norden ­Projekte für Unternehmen in ganz Deutschland und Europa.
„Wir verkaufen keine Kunststofffiguren. Wir schaffen Lösungen für Ideen, die bislang nur schwer oder gar nicht realisierbar waren“, beschreibt Gründer Fabian Sattelberger den ­Anspruch des mittlerweile auf 15 Mitarbeitende gewachsenen Unternehmens. „Unsere Produkte stehen für Qualität. Das macht uns einzigartig am Markt, und das hat sich mittlerweile weit über die Grenzen Bochums herumgesprochen.“
Dabei endet die Arbeit nicht beim Druck. Creative ­Polymer begleitet seine Kund:innen vom ersten Entwurf über die 3D-Modellierung bis zur Nachbearbeitung, (Airbrush-) ­Lackierung, Konstruktion individueller Halterungen sowie Versand und Montage. Selbst wenn lediglich eine Skizze oder ein Foto vorliegt, entsteht daraus ein fertiges Objekt. Das spart Werkzeuge, reduziert Entwicklungszeiten und ermöglicht auch kurzfristige Projekte. „Darin liegt unsere Stärke“, sagt Betriebsleiter Markus Weber. „Wir werden immer dann angefragt, wenn höchste Qualität gefragt ist und zwischen Idee und fertigem Produkt nur wenige Wochen liegen.“ Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil: Die Produktion läuft automatisiert – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Creative Polymer mit einem außergewöhnlichen Projekt: Im Auftrag von Bochum Marketing entstand das größte 3D-gedruckte T-Rex-Skelett der Welt. Die 13 Meter lange Skulptur besteht aus mehr als 100 Einzelteilen; allein der Druck des größten Elements dauerte 16 Tage. Das Ergebnis war so detailgetreu, dass Gründer Fabian Sattelberger bei der Vorstellung des Skeletts erklärte: „Optisch und anatomisch werden Sie keinen Unterschied zum Original im Museum feststellen.“ Mittlerweile ist der ­T-Rex wieder bei Creative Polymer eingelagert. „Aktuell wird das Kunststoff-Fossil für seinen nächsten Einsatz vorbereitet“, sagt Betriebsleiter Weber. Ein wenig Staub hat er auch ­angesetzt. Das Kunststoff-Fossil wartet geduldig auf seinen nächsten Einsatz.
Vorher müssen noch andere Aufträge abgearbeitet werden. Eine große Baumarktkette wartet auf die Fertigung ­weiterer Maskottchen, Industrieunternehmen setzen auf ­Creative Polymer, wenn ihre Maschinen zu groß – und vor allem zu schwer – sind, um sie ohne Riesenaufwand auf Messen auszustellen. Mit Stolz zeigt Fabian Sattelberger Fotos eines Raketentriebwerks, das sein Unternehmen bis ins kleinste Detail im Maßstab 1:1 nachgedruckt hat. „Wer mit solchen Ausstellungsstücken bei Messen aufwarten kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil“, sagt Sattelberger. Statt Fotos oder Videos können die Firmen das Produkt in voller Schönheit zeigen. „Und leicht ist es dazu auch noch.“
Die Größe eines Projekts verstehen wir nicht als Herausforderung, sondern als Einladung.
Spektakuläre Exponate sind nur eine Seite des Unternehmens. Mit dem Schwesterunternehmen Exafuse übertragen die Gründer ihre Erfahrungen inzwischen auf die Industrie – und auf einen anderen Werkstoff: Metall. Mit laserbasierten Verfahren wie dem Laserauftragschweißen (LMD) und dem selektiven Laserschmelzen (SLM) fertigt, beschichtet und repariert Exafuse metallische Bauteile – auch in Dimensionen, die klassische Baukammern sprengen. Das Spektrum reicht von Neuteilen mit Geometrien, die konventionell nicht herstellbar sind, über verschleißfeste Beschichtungen zur Verlängerung der Bauteillebensdauer bis zur Reparatur ­kritischer Maschinenkomponenten: Wo ein Ersatzteil Monate Lieferzeit hätte, dauert die Instandsetzung oft nur Tage. Ein Team aus Metallurgen und Ingenieuren begleitet die Kunden dabei von der Werkstoffauswahl aus über 40 Legie­rungen bis zum für den 3D-Drucker geeigneten Design.
Gerade diese Verbindung aus Kreativität, Ingenieurwissen und Unternehmergeist macht Creative Polymer besonders. „Wo andere Serien produzieren, entstehen bei uns hochwertige Einzelstücke. Wo klassische Fertigung an Grenzen stößt, beginnt unser Geschäftsmodell”, so Sattelberger. Ob Markeninszenierung, Architekturmodell oder industrieller Prototyp: „Die Größe eines Projekts verstehen wir nicht als Herausforderung, sondern als Einladung”, sagt Sattelberger mit einem Augenzwinkern. Oder, wie es das Unternehmen selbst auf seiner Website formuliert: „Think Big – Print Bigger.“
Mehr Infos: