DIHK: Do´s und Dont´s für ein De-Risking des eigenen China-Geschäfts mit Augenmaß

China bleibt ein wichtiger Partner für die deutsche Wirtschaft – sowohl als Beschaffungsmarkt als auch als Absatzmarkt. Gleichzeitig haben geopolitische Spannungen, Störungen von Lieferketten und zunehmender Wettbewerbsdruck gezeigt, dass Unternehmen ihre Risiken stärker bewerten und ihre internationalen Aktivitäten breiter aufstellen müssen.
Die DIHK empfiehlt daher eine Strategie der Diversifizierung: Unternehmen sollten zusätzliche Lieferanten, neue Absatzmärkte und alternative Produktionsstandorte erschließen. Viele Betriebe verfolgen bereits einen „China-plus-X“-Ansatz, bei dem bestehende Geschäftsbeziehungen mit China erhalten bleiben und gleichzeitig weitere internationale Standbeine aufgebaut werden.
Dos: Was Unternehmen beim De-Risking beachten sollten
✅ Risiken analysieren und gezielt reduzieren
Unternehmen sollten ihre Lieferketten, Abhängigkeiten und kritischen Vorprodukte regelmäßig überprüfen und dort handeln, wo tatsächliche Risiken bestehen.
✅ Neue Märkte und Lieferanten erschließen
Die DIHK setzt auf eine breitere internationale Aufstellung – beispielsweise durch zusätzliche Bezugsquellen, neue Absatzmärkte und Investitionen in weiteren Regionen.
✅ China-Geschäft strategisch weiterentwickeln
Ein pauschaler Rückzug aus China ist aus Sicht der DIHK nicht sinnvoll. Vielmehr geht es darum, Geschäftsmodelle resilienter zu machen und Chancen des chinesischen Marktes weiterhin zu nutzen.
✅ Internationale Partnerschaften ausbauen
Offene Märkte, Handelsabkommen und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Diversifizierung.
Don’ts: Was vermieden werden sollte
❌ Kein pauschales „Decoupling“ von China
Ein vollständiger Rückzug aus einem der wichtigsten Märkte der Welt wäre wirtschaftlich kaum realistisch und könnte Wettbewerbsfähigkeit kosten.
❌ Keine zusätzliche Bürokratie als Antwort auf Risiken
Neue Berichtspflichten, zusätzliche Kontrollen und bürokratische Belastungen helfen nach Einschätzung der DIHK nicht dabei, alternative Lieferketten aufzubauen.
❌ Keine Gleichsetzung aller wirtschaftlichen Abhängigkeiten mit Sicherheitsrisiken
Risiken müssen differenziert betrachtet werden. Entscheidend ist, kritische Abhängigkeiten gezielt zu reduzieren.
❌ Keine neuen einseitigen Abhängigkeiten schaffen
China durch eine neue Abhängigkeit von einzelnen anderen Ländern zu ersetzen, ist keine nachhaltige Lösung.
DIHK-Außenwirtschaftschef Dr. Volker Treier fasst die Position der Wirtschaft zusammen:
„Die Abhängigkeiten von China sind in Teilen unserer Wirtschaft erheblich. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber mit mehr Formularen und Kontrollen wird noch keine einzige alternative Lieferkette aufgebaut. Die Betriebe brauchen zusätzliche Lieferanten, neue Absatz- und Bezugsmärkte sowie bessere Investitionsbedingungen.“
Die Botschaft der DIHK lautet damit: Wirtschaftliche Sicherheit entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch mehr Diversifizierung, Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit. China bleibt ein wichtiger Partner – gleichzeitig müssen Unternehmen und Politik gemeinsam daran arbeiten, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen.