Innovation vernetzen. Transfer wirksam gestalten

Im Januar 2025 wurden die Berufsakademie Sachsen offiziell zur Dualen Hochschule Sachsen aufgewertet. Seit dieser Zeit dürfen, in gewissen Grenzen, auch F&E-Projekte durchgeführt werden.
Im Interview sprechen Sophie Gürtler und Wolfgang Förster über ihre Arbeit im Wissens- und Technologietransfer an der Dualen Hochschule Sachsen und geben Einblicke in Strategien, Kooperationen und Projekte im 4transfer-Verbund.
Frau Gürtler, Herr Förster, Sie arbeiten als Innovationsscouts im Wissens- und Technologietransfer. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aufgaben – und wie definieren Sie Ihre Rolle an der Dualen Hochschule Sachsen?
Beide:
Wissens- und Technologietransfer heißt für uns vor allem: Theorie und Praxis konsequent zusammenzubringen. Genau hier spielt das duale Studienmodell der DHSN seine Stärken aus. Forschungsideen entstehen häufig sehr nah an den realen Herausforderungen der Unternehmen – und können dadurch schneller in konkrete Anwendungen überführt werden. Wir begleiten diesen Innovationsprozess von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Aufbau tragfähiger Transferstrukturen: Wir unterstützen bei Förderanträgen und organisieren Formate, in denen sich Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung gezielt austauschen.
Wolfgang Förster:
ch verstehe meine Rolle als Brückenbauer. Ich initiiere Kooperationen, bringe Unternehmen mit Professorinnen und Professoren sowie Studierenden zusammen und begleite Projekte methodisch von der Anfrage bis zur Umsetzung.

Sophie Gürtler:
Ergänzend sehe ich mich stark als Netzwerkerin. Ich bringe Akteure zusammen, identifiziere Synergien und suche passende Fördermöglichkeiten für innovative Ideen aus der Hochschule und aus Unternehmen.
Welche Transferstrategien verfolgen Sie aktuell an der DHSN? Und wie
identifizieren Sie relevante Innovationsfelder?

Beide:
Aktuell erarbeitet die Hochschulleitung der DHSN gemeinsam mit dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e. V. eine hochschulweite Strategie für Wissensaustausch und Kooperation. Unter Federführung von Ute Schröter-Bobsin (komm. Prorektorin) werden in diesem Prozess die besondere Rolle der Hochschule sowie ihre thematischen Schwerpunkte in Zusammenarbeit mit Praxispartnern geschärft. Unser Vorgehen im Verbund setzt dabei auf enge Kooperation und agile Arbeitsweisen.

Mit 4transfer – Teil der Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschule – stärken wir interdisziplinäre Zusammenarbeit, Reallabore und kreative Formate wie beispielsweise Empathy Sessions. Relevante Innovationsfelder identifizieren wir durch den engen Austausch mit regionalen Unternehmen, durch die Auswertung praxisnaher Abschlussarbeiten sowie anhand strategischer Leitlinien wie dem Hochschulentwicklungsplan 2025plus. Aktuell liegen unsere Schwerpunkte unter anderem auf den Themenfeldern Mobilität & Bau, Energie, Digitalisierung & Künstliche Intelligenz, Rohstoffe und Werkstoffe, Wirtschaft & Technologien, Verwaltungsinnovationen sowie Soziales & Gesundheit.
Wie gestalten Sie die Kooperation mit Praxispartnern und Unternehmen konkret?
Beide:
Die Zusammenarbeit mit Unternehmen ist das Herzstück unseres dualen Systems. Praxispartner sind eng in Lehre und Forschung eingebunden – etwa durch die Betreuung dualer Studierender, gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte oder die Mitarbeit in Gremien. Darüber hinaus laden wir Unternehmen gezielt zu Netzwerktreffen, Praxispartnertagen und Veranstaltungen wie der 4transfer Jahreskonferenz oder KI.produktiv im Rahmen unseres Transferformates Cooperate! ein. Unser Transferteam unterstützt aktiv bei der Projektentwicklung, Antragstellung und Finanzierung. Für Unternehmen bedeutet das: feste Ansprechpartner, transparente Abläufe und konkrete Unterstützung bei Innovations- und Entwicklungsprojekten.
Welche Netzwerke nutzen Sie aktiv – und wie profitieren Unternehmen davon?
Beide:
Über 4transfer arbeiten wir eng mit unseren Partnerhochschulen TU Bergakademie Freiberg und HSF Meißen sowie Akteuren aus der Kreativwirtschaft im Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen e.V. zusammen, um neue Transferformate und -strukturen zu entwickeln. Zudem sind wir in sächsischen Innovationsnetzwerken aktiv und kooperieren mit außerhochschulischen Forschungseinrichtungen.

Diese Netzwerke erhöhen die Sichtbarkeit von Projekten, erleichtern interdisziplinäre Kooperationen und stärken das regionale Innovationsökosystem. Wir verknüpfen Akteure und Kompetenzen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft strategisch in einem Quadruple-Helix-Ansatz.

Wir sind zum Beispiel in den regionalen Fachkräfteallianzen, bei futureSAX, in der SINN Sachsen Community, bei der IHK und den Wirtschaftsjunioren, im Dachverband Stadtmarketing Plauen e.V., der Wirtschaftsförderung Erzgebirge sowie in regionalen Digital- und Innovationsnetzwerken wie SWS digital e.V. aktiv. Für Unternehmen eröffnen sich dadurch kurze Wege zu Know-how, Förderprogrammen und neuen Partnern.
Gab es im letzten Jahr Projekte, die Sie besonders beeindruckt haben?

Wolfgang Förster:
Besonders spannend ist das IGF-Projekt „Geometrie- und Oberflächenstrukturierte Wasserradschaufeln“, das wir derzeit gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, der Hochschule Darmstadt und der DHSN Staatliche Studienakademie Glauchau durchführen. Auf Basis des Zuppinger-Wasserrads werden innovative Wasserradschaufeln mit verbesserter Geometrie und strömungsoptimierten Oberflächen entwickelt, um die Leistung der Wasserräder auch bei niedrigen Fließgeschwindigkeiten zu steigern. Mithilfe additiver Fertigung konnten schnell Prototypen für ein Modellwasserrad entstehen, um die Auswirkungen der Optimierung unter definierten Bedingungen im Strömungskanal untersuchen zu können – ein schönes Beispiel für erfolgreichen Technologietransfer.
Sophie Gürtler:
In Breitenbrunn durfte ich die Antragstellung für ein besonderes Projekt im Bereich Soziale Arbeit begleiten. Für ein spannendes Peer-Projekt (peer = gleichrangig) konnten erfolgreich ESF-Plus-Fördermittel über die Sächsische Aufbaubank eingeworben werden. Das Vorhaben erprobt Peer-Unterstützung in der stationären Jugendhilfe: Jugendliche mit eigener Krisenerfahrung werden zu Peer-Beratenden qualifiziert und begleiten andere Betroffene. Ziel ist es, Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Entstigmatisierung zu stärken und Peer-Ansätze wissenschaftlich zu evaluieren. Ich freue mich sehr darauf, dabei zu unterstützen die Ergebnisse dieses sinnstiftenden Modellprojekts künftig nach außen zu tragen.
Zum Abschluss: Welche innovativen Transferformate finden Sie aktuell besonders spannend?

Sophie Gürtler:
Sehr erfolgreich sind 4transfer-Formate, die Verwaltungswissen mit kreativen Methoden verbinden, etwa #Angezettelt – ein Impuls- und Netzwerkformat für Beschäftigte im Verwaltungskontext.

Ein besonderes Highlight wird außerdem die Creative Bureaucracy Townhall Saxony am 26. März 2026 in Dresden. Sie bringt kreative Lösungen für das Gemeinwesen auf die Bühne und ermöglicht den direkten Austausch mit den Menschen hinter den Ideen.

Wolfgang Förster:
ch finde das Cooperate!-Format besonders attraktiv, das einen niederschwelligen Zugang für Unternehmen zu Forschungspartnern ermöglicht. Ob konkrete Problemstellung oder vage Idee, hier wird entsprechend unterstützt, die richtigen Menschen zusammen zu bringen, daraus ein konkretes Projekt zu machen und Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Unternehmen, die ja oft im Tagesgeschäft gebunden sind, wollen wir damit möglichst breit unterstützen ihre Ideen und Innovationen umzusetzen.
Vielen Dank für Ihre Antworten.
Die Interviewpartner stehen Fragen interessierter Unternehmen offen gegenüber und freuen sich auf Ihre Kontaktaufnahme. Kontaktdaten des gesamten 4Transfer- Teams.
4transfer wird durch die Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert. Zum Verbund gehören die TU Bergakademie Freiberg, die Duale Hochschule Sachsen, die Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum sowie der Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen e.V..