PM 54 | 22.06.2026

Tradition, Transformation und Zukunftsperspektiven

Im Rahmen der Mitgliederbetreuung der IHK Chemnitz stand ein Besuch bei der WEPA Deutschland GmbH & Co. KG, einem traditionsreichen Familienunternehmen der Hygienepapierbranche, auf dem Programm.
Das 1948 gegründete Unternehmen wird heute in dritter Generation geführt und hat sich mit rund 4.500 Mitarbeitenden an 15 Standorten zu einem der führenden Hersteller in Europa entwickelt. Als Top-Produzent von Hygienepapieren auf Basis von Recyclingfasern steht es beispielhaft für die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Industrie.
Das Unternehmen verbindet mittelständische Strukturen mit einer klaren Werteorientierung. Langfristiges Denken, Verlässlichkeit und eine enge Bindung zu Kunden und Partnern prägen das Geschäftsmodell. Insbesondere im europäischen Einzelhandel basiert die Zusammenarbeit auf gegenseitigem Vertrauen – ein entscheidender Faktor in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld.
Eine besondere Rolle spielt die konsequente Ausrichtung auf die Kreislaufwirtschaft. Altpapier wird zu hochwertigen Hygienepapieren verarbeitet und damit ein geschlossener Wertstoffkreislauf etabliert. Darüber hinaus werden selbst Faserstoffe, die ursprünglich nicht mehr für die Papierproduktion geeignet sind, weiterverwertet. Am Standort Kriebstein entsteht daraus im Rahmen des Projekts „Honex“ ein innovativer Werkstoff für hochwertige Anwendungen. Dieses Engagement zeigt: Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit sind fest im unternehmerischen Handeln verankert.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie anspruchsvoll die Rahmenbedingungen für die Branche derzeit sind. Die Produktion ist energieintensiv – insbesondere die Trocknung der Papiere erfordert erhebliche Mengen an Energie. Mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Umsatz zählen die Energiekosten zu den zentralen Herausforderungen. Das Unternehmen investiert deshalb kontinuierlich in die eigene Energieversorgung und den Ausbau erneuerbarer Energien. Ein Beispiel ist der Solarpark am Standort Kriebstein, der dazu beiträgt, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden.
Langfristiges Ziel ist es, die Produktion bis 2040 klimaneutral zu gestalten. Ein zentraler Hebel hierfür ist die fortschreitende Elektrifizierung von Prozessen sowie eine flexiblere Nutzung der Energienetze. Gleichzeitig wurde betont, dass hierfür verlässliche politische Rahmenbedingungen notwendig sind – insbesondere im Hinblick auf wettbewerbsfähige Industriestrompreise und Instrumente wie die Strompreiskompensation. Nur so können Unternehmen die notwendigen Investitionen in die Transformation stemmen.
Neben den energiepolitischen Herausforderungen steht die Branche auch im internationalen Wettbewerb unter Druck. Vor allem staatlich geförderte Investitionen in die Papierindustrie in Asien führen zu einem verschärften Wettbewerb. Hinzu kommt, dass der Markt für Hygienepapiere in Europa kaum noch wächst. Umso wichtiger ist es, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und das Vertrauen von Finanzierern und Kunden zu stärken.
Ein zentrales Element der Unternehmensstrategie ist die Kundennähe. Aufgrund eines wirtschaftlichen Transportradius von etwa 300 bis 500 Kilometern setzt das Unternehmen bewusst auf eine dezentrale Struktur mit 15 Standorten. So können Lieferketten effizient gestaltet und Kunden zuverlässig versorgt werden. Ein Beispiel für erfolgreiches Wachstum ist die Verlagerung einer Taschentuchproduktion aus dem Sauerland nach Kriebstein im Jahr 2001: Die Produktionsleistung wurde dort von 80 auf 400 Päckchen pro Minute gesteigert – ein Beleg für die Innovationskraft und das Engagement der Belegschaft.
Neben wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten wurde auch die Bedeutung der Ressource Wasser thematisiert. Der Wasserverbrauch in der Produktion konnte bereits deutlich reduziert werden und liegt heute bei etwa 6 Litern pro Kilogramm Papier – ein erheblicher Fortschritt gegenüber früheren Werten.
Besonders hervorzuheben ist das starke Engagement des Unternehmens in der beruflichen Ausbildung. Zahlreiche junge Menschen beginnen hier ihre Laufbahn als Papiertechnologen, Industriemechaniker oder Industriekaufleute. Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region und investiert gezielt in die Zukunft des eigenen Standorts und der Branche insgesamt.
Der Unternehmensbesuch hat eindrucksvoll gezeigt, wie eng wirtschaftlicher Erfolg, nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Transformation der Industrie nur mit geeigneten politischen Rahmenbedingungen gelingen kann.
Die IHK Chemnitz nimmt diese Impulse mit und setzt sich weiterhin dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft zu stärken und Unternehmen auf ihrem Weg in eine nachhaltige Zukunft zu begleiten.