Energiewende-Barometer

Im jährlichen „Energiewendebarometer der IHK-Organisation“ sind die Ergebnisse einer Online-Unternehmensbefragung zusammengefasst, an der sich in den IHK-Gremien ehrenamtlich engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer sowie weitere Mitgliedsunternehmen der IHK-Organisation beteiligt haben. Ziel des Energiewende-Barometers ist es, eine umfassende Bewertung der Unternehmen bzgl. der Fortschritte der Energiewende und der aktuellen Klima- und Energiewendepolitik zu erhalten.

Energiewende-Barometer – regionale Auswertung für den IHK-Bezirk Coburg

Hohe Energiekosten bremsen Investitionen im Coburger Wirtschaftsraum
Die hohen Energiepreise belasten die Investitionsentscheidungen der regionalen Wirtschaft immer stärker. Das zeigt die Coburger Sonderauswertung des aktuellen Energiewende-Barometers der IHK-Organisation. Zwar fällt die Bewertung der Energiewende durch die Unternehmen im IHK-Bezirk differenzierter aus als im Vorjahr. Gleichzeitig verschärfen sich jedoch ihre konkreten wirtschaftlichen Folgen: Investitionen in betriebliche Kernprozesse und Klimaschutzmaßnahmen werden noch häufiger zurückgestellt.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es nicht mehr allein um die Energiekosten geht. Wenn Unternehmen notwendige Investitionen verschieben müssen, betrifft das ihre künftige Produktivität, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsposition“, erklärt Rico Seyd, stellvertretender Leiter des Bereichs Standortpolitik, Umwelt & Innovation, Verkehr bei der IHK zu Coburg. „Eine Energiewende, die Investitionen ausbremst, gefährdet ihre eigene wirtschaftliche Grundlage.“
Mehr Zurückhaltung bei der Bewertung
Im Jahr 2026 beurteilen 43 Prozent der antwortenden Unternehmen im Coburger IHK-Bezirk die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit negativ oder sehr negativ. Im Vorjahr waren es noch 47 Prozent. Gleichzeitig sank aber auch der Anteil positiver Bewertungen, und zwar deutlich: von 17 auf 10 Prozent. Auffällig ist vor allem der gestiegene Anteil neutraler Antworten: Er erhöhte sich von 28 Prozent im Jahr 2025 auf 40 Prozent. Daraus lässt sich allerdings keine Entspannung ableiten. Vielmehr deutet diese Entwicklung darauf hin, dass viele Unternehmen die langfristigen Auswirkungen noch schwerer einschätzen können als bei der Umfrage des Vorjahres. Das hat vor allem zu tun mit wechselnden Rahmenbedingungen und unsicheren Kostenentwicklungen.
Investitionen in Kernprozesse zunehmend betroffen
Deutlicher als bei der allgemeinen Bewertung zeigt sich die Belastung in den konkreten Investitionsentscheidungen der Coburger Unternehmen: 45 Prozent geben an, aufgrund hoher Energiepreise Investitionen in ihre Kernprozesse zurückzustellen. Im Jahr 2025 waren es noch 39 Prozent. Besonders stark fällt die Veränderung bei Klimaschutzmaßnahmen aus: Hier hat sich der Anteil der Unternehmen, die Maßnahmen zurückstellen, innerhalb eines Jahres von 17 auf 33 Prozent fast verdoppelt. Damit führen hohe Energiepreise zunehmend dazu, dass ausgerechnet jene Investitionen verschoben werden, die Energieverbrauch und Emissionen langfristig senken können.
Ihre Investitionen in Forschung und Innovation stellen 17 Prozent der Unternehmen zurück. Im Vorjahr lag der Anteil bei 25 Prozent. Einen Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland beklagen aktuell 45 Prozent gegenüber 53 Prozent im Jahr 2025. Nur 21 Prozent der Befragten berichten von keinen entsprechenden Auswirkungen hoher Energiepreise; im Vorjahr waren es 25 Prozent. „Zwar geben weniger Unternehmen eine unmittelbare Beeinträchtigung ihrer Wettbewerbsfähigkeit an, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Investitionsbremse stärker greift“, sagt Seyd und betont, dass hohe Energiepreise aufgrund der industriellen Prägung des Coburger Wirtschaftsraums weit über die unmittelbar energieintensiven Betriebe hinauswirken können. Betroffen sind ganze Wertschöpfungsketten: Steigende Kosten für Material und Logistik verteuern Vorprodukte und Dienstleistungen und schwächen damit auch nachgelagerte Unternehmen.
IHK fordert Kurskorrektur in der Energiepolitik
Aus Sicht der IHK zu Coburg braucht die Energiewende deshalb eine stärkere wirtschaftspolitische Ausrichtung. Priorität haben wettbewerbsfähige Energiepreise, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie langfristig verlässliche und praktikable Rahmenbedingungen, insbesondere durch Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Gefordert ist eine Energieeffizienzpolitik, die stärker auf Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit setzt.
„Die Unternehmen stellen das Ziel der Transformation nicht grundsätzlich infrage“, fasst Rico Seyd zusammen. „Sie erwarten aber zu Recht, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit zusammengedacht werden. Dafür brauchen wir niedrigere Energiekosten, schnellere Verfahren, neue Strominfrastruktur und einen politischen Kurs, auf den sich Unternehmen auch über Legislaturperioden hinaus verlassen können.“