FORUM-INTERVIEW
Förderung ist kein Ersatz für unternehmerische Entscheidungen
Weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und mehr Planungssicherheit: Das Land Brandenburg hat angekündigt, die Auszahlung von Fördermitteln im Rahmen der JTF-Unternehmensförderung deutlich zu beschleunigen (Link zur Pressemitteilung). Künftig sollen Mittelabrufe einfacher bearbeitet und Auszahlungen wesentlich schneller erfolgen. Für Unternehmen bedeutet das vor allem mehr Liquidität, weniger Verwaltungsaufwand und eine verlässlichere Grundlage für Investitionen in Wachstum, Innovation und Transformation.
Jens Warnken, Geschäftsführer der Bühr Anlagenbau und Service GmbH in Wildau ist ehrenamtlich Präsident der IHK Cottbus.
Dass die Förderung bereits heute wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung in der Lausitz setzt, zeigt das Beispiel der Bühr GmbH.
Geschäftsführer Jens Warnken hat JTF-Mittel genutzt um den Standort auszubauen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Im FORUM-Interview berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem Förderprogramm, den Abläufen der Antragstellung und dem konkreten Mehrwert für sein Unternehmen.
FORUM: Herr Warnken, was war der konkrete Anlass für die Investition am Standort Wildau?
JENS WARNKEN: Wir hatten uns vorgenommen, in Berlin und Brandenburg weiter zu wachsen. Parallel ergab sich die Möglichkeit, hier sehr gute neue Räumlichkeiten mit einer hervorragend geeigneten Halle anzumieten. Da haben wir gesagt: Jetzt ziehen wir das konsequent durch.
Im Zuge dessen kam auch die Frage auf, ob das Vorhaben förderfähig ist – schließlich befinden wir uns hier im JTF-Fördergebiet. Konkret ging es um die Erweiterung und Modernisierung unserer Betriebsstätte mit optimierter Lagerstruktur und verbesserter Infrastruktur.
Im Zuge dessen kam auch die Frage auf, ob das Vorhaben förderfähig ist – schließlich befinden wir uns hier im JTF-Fördergebiet. Konkret ging es um die Erweiterung und Modernisierung unserer Betriebsstätte mit optimierter Lagerstruktur und verbesserter Infrastruktur.
FORUM: Was wurde mit Hilfe der Förderung konkret umgesetzt?
JENS WARNKEN: Wir haben gezielt in Effizienz, Digitalisierung und nachhaltige Infrastruktur investiert. Dazu gehörten unter anderem der Ausbau der IT-Systeme und ein Management-Dashboard, damit wir schneller und transparenter an Unternehmenskennzahlen kommen. Außerdem haben wir unser Lager modernisiert. Hinzu kamen Ladeinfrastruktur und Elektromobilität. Insgesamt hat das Projekt dazu beigetragen, unsere Abläufe effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Arbeits- und Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter deutlich zu verbessern.
FORUM: Welche Auswirkungen hatte der Ausbau auf das Unternehmen selbst?
JENS WARNKEN: Die Entwicklung ist deutlich sichtbar. Wir sind von knapp 30 auf inzwischen rund 50 Mitarbeiter gewachsen. Außerdem haben wir ein neues Geschäftsfeld im Großanlagenbau aufgebaut.
FORUM: Welche Rolle spielte die Förderung dabei?
JENS WARNKEN: Die Förderung war für uns ein starkes begleitendes Momentum. Die Investitionen wären grundsätzlich ohnehin gekommen – aber wahrscheinlich nicht in dieser Geschwindigkeit und nicht in diesem Umfang. Mit der Förderung konnten wir den Standort umfassender entwickeln und zusätzliche Maßnahmen umsetzen. Dadurch bekam das Gesamtprojekt einfach mehr Qualität.
FORUM: Hätten Sie das Projekt also auch ohne Förderung umgesetzt?
JENS WARNKEN: Ja, aber anders. Vielleicht kleiner oder zeitlich gestreckter. Man darf als Unternehmer nicht den Fehler machen, ein solches Projekt ausschließlich auf Fördermittel aufzubauen.
Die Förderung war eine Ergänzung – kein Ersatz für unternehmerische Entscheidungen.
Die Förderung war eine Ergänzung – kein Ersatz für unternehmerische Entscheidungen.
FORUM: Wie haben Sie den Antrags- und Bewilligungsprozess erlebt?
JENS WARNKEN: Der Prozess war für mich nachvollziehbar. Zeitaufwendig war vor allem das Zusammentragen aller notwendigen Informationen. Man musste Förderhistorien und gesellschaftsrechtliche Strukturen sauber aufarbeiten. Aber es geht schließlich um öffentliche Gelder. Dass dort genau geprüft wird, halte ich für legitim.
FORUM: Viele Unternehmen kritisieren Förderverfahren als zu bürokratisch. Teilen Sie diese Kritik?
JENS WARNKEN: Nur bedingt. Alles, was abgefragt wurde, war aus meiner Sicht logisch. Natürlich kostet das Zeit – aber ich finde es richtig, dass genau geprüft wird.
FORUM: Gab es während des Projekts praktische Unterstützung durch die Investitionsbank?
JENS WARNKEN: Ja. Gerade beim ersten Mittelabruf hatte ich technische Schwierigkeiten mit der Systematik im Portal. Ich habe dann einen Termin in Potsdam vereinbart – und nach einer Stunde war das Problem gelöst. Diese pragmatische Unterstützung hat wirklich geholfen.
FORUM: Wo sehen Sie dennoch Verbesserungsbedarf?
JENS WARNKEN: Das Kundenportal könnte an einigen Stellen noch benutzerfreundlicher werden. Und man sollte überlegen, ob man die Richtlinien für kleinere Mittelständler noch etwas vereinfachen kann. Gerade kleinere Unternehmen stoßen personell schneller an Grenzen.
FORUM: Es gab zuletzt auch Kritik an langen Bearbeitungszeiten. Wie war das bei Ihnen?
JENS WARNKEN: Bei uns lief das insgesamt ordentlich. Wir haben den Antrag im Mai 2024 gestellt und den Bescheid bereits im Juli erhalten. Das war schnell. Natürlich dauern manche Prüfungen länger, insbesondere weil vieles noch einmal gegengeprüft wird. Aber auch das halte ich grundsätzlich für richtig.
FORUM: Ihr persönliches Fazit zum JTF?
JENS WARNKEN: Der JTF ist aus unserer Sicht ein gutes und wichtiges Instrument. Natürlich gibt es Punkte, an denen man noch arbeiten kann – etwa bei Prozessen oder Geschwindigkeit. Aber grundsätzlich funktioniert das Programm. Und eines ist für mich entscheidend: Förderung sollte immer Unterstützung für unternehmerische Entwicklung sein – niemals deren alleinige Grundlage.
Es fragte für das FORUM Magazin 09|2026 Jörg Tudyka.