Chancen und Herausforderungen der neuen Cottbuser Logistikstelle

Alles beginnt mit den Bedürfnissen der Kunden – diese Essenz zog sich wie ein roter Faden durch die Vor-Ort-Begehung der Logistikstelle für Güterumschlag beim Blockheizkraftwerk in Cottbus-Dissenchen. Auf Einladung der IHK Cottbus nutzten Logistikunternehmen, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Infrastrukturpartner die Gelegenheit, die Anlage zu besichtigen, Nutzungsmöglichkeiten zu diskutieren und wirtschaftliche Perspektiven abzuwägen.
Die Logistikstelle bietet ein modernes Fundament für den Schienengüterverkehr. Gleise mit Nutzlängen bis zu 786 Metern, ein elektrifiziertes Ladegleis (ausgenommen Gleisbereich zur Verladestraße mit Rampe), ein elektrifiziertes Ausziehgleis, acht Elektranten für den Betrieb elektrischer Lokomotiven und rund 2.850 Quadratmeter Lagerfläche ermöglichen flexible Umschlags- und Transportmöglichkeiten zwischen Straße und Schiene. Für die gesamte Fläche inklusive der Verladerampe ist die Belastungsklasse 1,8 nach RSTO 12 angegeben. Die Elektrifizierung erlaubt durchgängiges Rangieren mit E- oder Hybridloks ohne zusätzliche Diesellok, und die Möglichkeit, Gleise flexibel anzumieten und für Zwischenabstellungen zu nutzen, schafft zusätzliche betriebliche Spielräume.
Sven Gutsche, DB Infra-GO AG, Investitionsplanung und Segmentsteuerung, V.IW-O-M-CS-P: „Der Austausch vor Ort zeigt, welche Anforderungen die Praxis an Infrastruktur stellt. Gerade bei neuen Anlagen wird deutlich, wie viel Planung dahintersteckt – im Betrieb zählt dann die effiziente Nutzung. Solche Begehungen sind deshalb für alle Beteiligten ein wichtiger Erfahrungsraum.“
Der Perspektivwechsel von der Planung zur konkreten Nutzung brachte wertvolle Einsichten. Viele Details der Infrastruktur sind durchdacht, etwa klappbare Lichtmasten für eine effiziente Wartung und die Gestaltung der Flächen für Schüttgüter. Auch die Flächenentwässerung zur kontrollierten Versickerung von Niederschlagswasser entspricht den Genehmigungsanforderungen. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass der Containerumschlag mit nur 200 Metern Verladelänge und Lampenmastenabständen, die den Einsatz von Reachstackern behindern, aufwendig und zeitintensiv ist. Jeder zusätzliche Prozessschritt verlängert die Umschlagszeiten und wirkt sich unmittelbar auf die Preisgestaltung aus. Für Schüttgüter oder Zwischenabstellungen bietet die Anlage dagegen hervorragende Voraussetzungen. Ein Teilnehmer fasste es zusammen:
Rainer Amende, Geschäftsleiter des Eisenbahnverkehrsunternehmens, örtlicher Betriebsleiter, ABEG (Anhaltinisch-Brandenburgische Eisenbahngesellschaft mbH): „Die Anlage ist technisch beeindruckend und sehr durchdacht – für Schüttgut ideal. Beim Containerumschlag zeigt sich, dass Praxis und Planung nicht immer Hand in Hand gehen, aber es ist spannend zu sehen, wie sich moderne Infrastruktur entwickelt.“
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend. Trassenpreise, Energie- und Personalkosten, administrative Aufwände, steigende Kraftstoffpreise, Tarifentwicklungen, Fachkräftemangel und demografische Veränderungen erhöhen den Druck auf Unternehmen. Effizienz in jedem Prozessschritt ist entscheidend, insbesondere im Einzelwagengüterverkehr. Nur wenn der Kunde den Aufwand für den Umschlag akzeptiert, lassen sich wirtschaftlich tragfähige Transportketten realisieren. Transparente und qualitativ hochwertige Daten sind ein wesentlicher Baustein für die strategische Weiterentwicklung sowie eine fundierte Grundlage, um Logistikpotenziale und neue Dienstleistungen gegenüber potenziellen Kunden überzeugend darzustellen. Hilfreich ist dabei das DISTILL-Tool, das sowohl Branchenneulingen als auch erfahrenen Verladern die Knotenpunkte der Lausitz, primäre Ansprechpartner für Umschlag Straße-Schiene und unterschiedliche Kostenstrukturen systematisch aufzeigt. So lassen sich Entscheidungen zu Kapazitäten, Fahrplänen und Wirtschaftlichkeit fundiert treffen.

Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung (BImSchG) wird voraussichtlich 2026 abgeschlossen. Anschließend soll der Betrieb ausgeschrieben werden; Informationen hierzu werden von DB InfraGO bereitgestellt.

Die Vor-Ort-Begehung zeigte, dass die Logistikstelle Cottbus-Dissenchen ein modernes Fundament für die Praxis bietet. Effizienz, Prozessgestaltung und wirtschaftliche Realität müssen eng zusammenwirken. Für Schüttgüter und flexible Zwischenabstellungen eröffnet die Anlage klare Chancen. Beim Einzelwagengüterverkehr zeigt sich, dass wirtschaftlich nur tragfähige Lösungen entstehen, wenn Aufwand und Kosten transparent und akzeptiert werden. Die Veranstaltung verdeutlichte, wie wichtig der Austausch auf Augenhöhe ist, um die Schiene als nachhaltigen Verkehrsträger in der Region weiterzuentwickeln.
Der Artikel von Anja Mertens erschien im FORUM 5|2026