Konjunkturumfrage Südbrandenburg

IHK-Konjunkturumfrage Südbrandenburg

Regelmäßig werden Betriebe aus den Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen zu ihrer Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Wir geben einen Überblick zu den Ergebnissen im Herbst 2026.

Wirtschaftslage leicht verbessert, Erwartungen verhalten

Die Lage der Unternehmen in Südbrandenburg hat sich leicht erholt, so die aktuelle Konjunkturanalyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen liegt bei plus elf Prozentpunkten. Die Erholung ist jedoch nicht breit aufgestellt: Sie geht vor allem auf das Bau- und Gastgewerbe zurück. Besonders der Hochbau profitiert von einer starken Nachfrage und das Beherbergungsgewerbe konnte sich über einen sehr guten Saisonverlauf freuen. Im Dienstleistungsgewerbe hat sich die Lage stabilisiert. Schwieriger bleibt die Situation im Handel und in der Industrie. Im Großhandel ist die Nachfrage zurückgegangen, aber auch der Einzelhandel bekommt weiterhin die Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Alarmierend sind die Meldungen aus der Industrie, deren Lage sich weiter verschlechtert hat. Weltweite Krisen, innenpolitische Unsicherheit sowie hohe Energie- und Rohstoffkosten belasten die Geschäfte und die Wettbewerbsfähigkeit.
Diagramm zu der Geschäftslage zu Jahresbeginn 2026

Geschäftserwartungen

Die Aussichten der Unternehmen sind nach wie vor verhalten. Der Saldo aus besseren und ungünstigeren Erwartungen beträgt minus 22 Prozentpunkte. Keine Branche rechnet in den kommenden Monaten mit einer spürbaren Belebung. Besonders die unsicheren politischen Rahmenbedingungen und anhaltend hohe Kosten bremsen die Wirtschaft aus. Die Industrie rechnet weiterhin mit einer schwachen In- und Auslandsnachfrage. Hohe Energiekosten verschärfen zusätzlich den Wettbewerbsdruck. Das Baugewerbe geht saisonbedingt von nachlassenden Geschäften aus. Auch Einzel- und Großhandel rechnen mit Kaufkraftrückgängen der privaten und gewerblichen Kunden. Während die unternehmensbezogenen Dienstleister von einer moderaten Entwicklung ausgehen, wächst die Skepsis bei den privatbezogenen Dienstleistern. Die steigenden Lebenshaltungskosten schränken das Konsumverhalten der Verbraucher zunehmend ein. Investitions- und Beschäftigungsabsichten sind nur gering.
Investitionsbremse und wachsende Finanzprobleme
Die schwierigen Rahmenbedingungen schlagen sich deutlich im Investitionsverhalten der Unternehmen nieder: Mehr als die Hälfte plant, Investitionen zurückzustellen oder vollständig auszusetzen. Die Industrie zeigt sich hingegen noch robust: 65 Prozent der Betriebe planen gleichbleibende oder steigende Investitionen, rund jedes zweite Unternehmen investiert in den Ausbau von Kapazitäten. Im Handel hingegen planen 69 Prozent keinerlei Investitionen.
Diagramm zu den Geschäftserwartungen zu Jahresbeginn 2026

Geschäftslage und Erwartungen nach Branchen

Industrie – Keine Aussicht auf Besserung

Die Industrie bleibt unter Druck. 23 Prozent der Unternehmen berichten von einer schlechten Lage. Die Industrieumsätze lagen im ersten Halbjahr laut amtlicher Statistik um 6,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zwar haben sich die Exportgeschäfte leicht verbessert, reichten aber nicht aus, um die insgesamt schwächere Nachfrage auszugleichen. Die weiterhin angespannte Lage auf dem in- und ausländischen Markt führte bei 45 Prozent der Unternehmen zu Auftragsrückgängen. Dementsprechend skeptisch sind die Aussichten. Auch die Investitionsbereitschaft hat sich weiter abgeschwächt.

Handel – Umsatzeinbußen

Im Handel hat sich die Stimmung wieder verschlechtert. 58 Prozent der Großhändler berichten von Umsatzrückgängen, aufgrund der geringeren Nachfrage aus der gewerblichen Wirtschaft. Auch der Einzelhandel meldet spürbare Einbußen: Allein 70 Prozent der stationären Händler berichten von weniger Umsätzen. Die angespannte wirtschaftliche Lage und die anhaltende Unsicherheit trüben zunehmend die Konsumlaune der Verbraucher. Entsprechend verhalten bleibt der Ausblick, trotz des anstehenden Weihnachtsgeschäfts. Die Investitionsabsichten sind nur gering und es ist mit Personalabbau zu rechnen.


Baugewerbe – Gute Geschäfte

Das Baugewerbe hebt sich positiv von den anderen Branchen ab: 48 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut. Allein im Wohnungsbau lagen die Umsätze, entsprechend der amtlichen Statistik, im ersten Halbjahr 18,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. 37 Prozent der Betriebe berichten von höheren Auftragseingängen. Dennoch bleiben die Erwartungen verhalten. Vor allem die massiv gestiegenen und schwer kalkulierbaren Kosten für Kraftstoffe sind für die Betriebe eine wirtschaftliche Bedrohung. Hinzu kommen die stark gestiegenen Preise für Baumaterialien und hohe Arbeitskosten.

Dienstleistungsgewerbe – Nachfragerückgang im unternehmensnahen Bereich

Bei den Dienstleistern hat sich die Lage wieder etwas stabilisiert. Zwischen den Sparten gibt es jedoch deutliche Unterschiede: Während die unternehmensbezogenen Dienstleister überwiegend zufrieden sind, wird die Situation im Verkehrsgewerbe weiterhin von den hohen Kraftstoffkosten belastet. Merkliche Einbußen verzeichnen auch die privatbezogenen Dienstleister, die zunehmend den Kaufkraftverlust der Verbraucher zu spüren bekommen. Die Mehrheit geht von konstanten Geschäften aus. Risiken werden vor allem bei den Energiepreisen und den steigenden Arbeitskosten gesehen.


Gastgewerbe – Übernachtung toppt Restaurantbesuch

Für das Gastgewerbe war die Sommersaison ein voller Erfolg. Besonders das Beherbergungsgewerbe profitierte von vielen Gästen in Südbrandenburg. Auch die Gastronomen sind trotz gestiegener Preise sehr zufrieden. Das schöne und lang anhaltende Sommerwetter hat viele Gäste in die Freiluftgaststätten gezogen. Beim Ausblick gehen die Erwartungen auseinander: Beherbergungsbetriebe bleiben zuversichtlich, Gastronomen rechnen mit geringeren Einnahmen. Für beide Branchen sind die hohen Energiekosten das größte Risiko. Die Investitionsbereitschaft ist gestiegen.
Übersichtskarte zur Geschäftslage und den Erwartungen in den Landkreisen des Kammerbezirkes Cottbus