Pressemitteilung

Digitale Bonpflicht ersetzt keine Entbürokratisierung

IHK Elbe-Weser: Koalitionsversprechen sollten eingehalten werden

Elbe-Weser-Raum (IHK). Die vom Bundesfinanzministerium angekündigte Einführung eines digitalen Kassenbons ab 2028 ist aus Sicht der IHK Elbe-Weser keine Erfüllung des angekündigten Bürokratieabbaus. Zwar soll laut Bundesregierung der Papierbeleg künftig in vielen Fällen durch einen QR-Code ersetzt werden, an der grundsätzlichen Pflicht zur Belegerstellung ändert sich jedoch nichts.
„Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD angekündigt: ‚Wir schaffen die Bonpflicht ab.‘ Eine Umstellung vom Papierbon auf einen digitalen Beleg ist jedoch keine Abschaffung der Verpflichtung, sondern lediglich eine veränderte Form der Belegausgabe“, kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Christoph von Speßhardt.
Die IHK erinnert daran, dass die Bonpflicht seit ihrer Einführung von der Wirtschaft kritisch bewertet wird. Gerade kleine und mittelständische Handelsunternehmen tragen den zusätzlichen organisatorischen Aufwand, ohne dass für redlich handelnde Betriebe ein erkennbarer Mehrwert entsteht.
Besonders betroffen sind aus Sicht der IHK Unternehmen mit vielen Einzelverkäufen und niedrigen Warenwerten. Dazu zählen insbesondere kleinere Lebensmittelhändler, Wochenmarktbeschicker, Hofläden und andere inhabergeführte Fachbetriebe, bei denen jeder zusätzliche Prozess im Tagesgeschäft spürbare Auswirkungen hat.
„Gerade für unsere kleineren Handelsunternehmen bedeutet die Bonpflicht oder die Umstellung auf neue Kassensysteme mit QR-Codes einen zusätzlichen Aufwand, der sich im Arbeitsalltag summiert. Dort, wo täglich viele kleine Transaktionen stattfinden, geht es nicht nur um Papierverbrauch, sondern um Zeit, technische Anforderungen und zusätzliche Kosten“, erklärt IHK-Handelsexpertin Kathrin Wiellowicz.
Besonders kritisch bewertet die IHK auch das Signal, das von der aktuellen Entwicklung ausgeht. Viele Unternehmen hätten die Ankündigungen der Bundesregierung als klares Bekenntnis zu weniger Bürokratie verstanden. Blieben solche Zusagen am Ende unerfüllt, belaste das das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft zusätzlich.
„Das Vertrauen vieler Unternehmen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen ist derzeit ohnehin nicht auf dem höchsten Niveau. Wenn angekündigte Entlastungen am Ende nicht kommen, stärkt das dieses Vertrauen sicher nicht. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es politische Glaubwürdigkeit und Zusagen, auf die sich die Wirtschaft verlassen kann“, so von Speßhardt.
Die IHK Elbe-Weser appelliert deshalb an die Bundesregierung, die im Koalitionsvertrag primär angekündigte Maßnahme zur Abschaffung der Bonpflicht als sichtbares Zeichen für Bürokratieabbau konsequent umzusetzen. Digitalisierung könne laut IHK ein sinnvoller Baustein sein, sie darf jedoch nicht als Ersatz für echte Entlastungen dienen.