27.07.2026

Energiewendebarometer 2026: Unternehmen sehen ihr eigenes Klimaneutralitätsziel gefährdet

Eine große Mehrheit der befragten Thüringer Unternehmen sieht das Ziel der eigenen Klimaneutralität bis 2050 als nicht mehr erreichbar an. Grund dafür sind rasch gestiegene und anhaltend hohe Energiepreise infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie fehlende Verlässlichkeit bei Energiepolitik samt bürokratischer Belastungen. Das zeigt die aktuelle bundesweite Umfrage der IHK-Organisation zum Energiewendebarometer 2026, an der sich auch 130 Thüringer Unternehmen beteiligt haben.
Gegenüber der Vorjahresbefragung zeichnet sich eine deutliche Trendwende ab: Im Energiewendebarometer 2025 hatten noch 87 Prozent der befragten Thüringer Unternehmen das Ziel unterstützt, den eigenen Betrieb bis spätestens zum Jahr 2045 klimaneutral aufzustellen. In der aktuellen Befragung teilen dieses Ziel nur noch 38,2 Prozent der Unternehmen, trotz der Verschiebung auf das Jahr 2050. Hintergrund ist, dass die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Unternehmen zunehmend kritischer bewertet werden. Die befragten Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Erfurt sowie auch in Thüringen schätzten die Auswirkungen zudem deutlich negativer ein, als im Ergebnis des bundesweiten Durchschnitts.
„Die Energiewende verliert an Akzeptanz, wenn sie für die Unternehmen vor allem steigende Kosten, zusätzliche Vorgaben und unsichere Investitionsbedingungen bedeutet. Die Politik muss schleunigst für eine spürbare Entlastung bei den Energiepreisen auf ein wettbewerbsfähiges europäisches Niveau sorgen. Dazu gehören niedrigere Steuern und Abgaben auf Strom sowie eine Aussetzung der nationalen CO₂-Bepreisung von Wärme und Verkehr, bis der europäische Emissionshandel in Kraft tritt. Gleichzeitig müssen Netze und Energieinfrastruktur schneller ausgebaut und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Nur mit technologieoffenen, wirtschaftlich tragfähigen und verlässlichen Rahmenbedingungen können die Unternehmen investieren, ihre Produktion dekarbonisieren und Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze in Thüringen sichern“, erklärt Peter Zaiß, Präsident der IHK Erfurt.

Hohe Energiepreise gefährden Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen

Fast die Hälfte der befragten Thüringer Betriebe erwartet infolge der hohen Energiepreise Nachteile für die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent. Rund jedes dritte Unternehmen plant, Investitionen in betriebliche Kernprozesse oder in Klimaschutzmaßnahmen zurückzustellen. Auch Vorhaben in Forschung und Innovation sind betroffen. Die Energiepreisentwicklung belastet somit nicht nur das laufende Geschäft, sondern beeinträchtigt zunehmend auch die Investitions- und Transformationsfähigkeit der Thüringer Wirtschaft.

Fehlende Verlässlichkeit und Bürokratie bremsen die Transformation zur Klimaneutralität

Das größte Hindernis auf dem Weg zu mehr Klimaschutz sehen die Unternehmen in fehlenden Informationen sowie mangelnder Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik (63 Prozent). Mehr als die Hälfte betrachtet zudem die Bürokratie als wesentliches Hemmnis. Als weitere Belastungen werden langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, zu hohe Energiepreise, schwierige Finanzierungsbedingungen und der Mangel an Fachkräften benannt.

Energiepreise bleiben das zentrale Problem

Besonders deutlich haben sich nach Angaben der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten die Preise für Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe erhöht. Mehr als neun von zehn Betrieben berichten hier von Preissteigerungen. Auch bei Gas, Fernwärme und Heizöl verzeichneten rund sechs von zehn Unternehmen höhere Kosten, bei Strom immerhin gut ein Drittel der Betriebe. Neben dem absoluten Preisniveau gewinnen auch die starken Preisschwankungen für die Unternehmen an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben Energieeinsparungen sowie die Sicherheit der Strom- und Gasversorgung zentrale Themen.

Hintergrund zur Umfrage

Das Energiewendebarometer basiert auf einer jährlichen Online-Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Zusammenarbeit mit den 79 regionalen Industrie- und Handelskammern. Bundesweit beteiligten sich in diesem Jahr rund 3.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen. Darunter waren 130 Unternehmen aus Thüringen, insbesondere aus den Bereichen Dienstleistungen, Industrie, Handel und Bau.
Die detaillierten Thüringer Ergebnisse finden Sie unter Umfrageergebnisse zum Energiewendebarometer 2026 - IHK Erfurt