Baden-Württemberg als „Wasserstoffland“: Strategische Positionierung der Landesregierung

Die Landesregierung aus Bündnis 90/Die Grünen und CDU verfolgt das ambitionierte Ziel, Baden-Württemberg zu einem führenden „Wasserstoffland“ zu entwickeln. Dies geht aus dem am 11. Mai 2026 beschlossenen Koalitionsvertrag hervor. Wasserstoff wird dabei als eine zentrale Schlüsseltechnologie für eine wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft eingestuft, deren Entwicklung und Anwendung gezielt vorangetrieben werden soll.

Strategische Bedeutung und Wirtschaft

Wasserstoff- und Batterietechnologien gehören zum verbindlichen Kern der Wachstumspolitik. Die Landesregierung setzt auf Technologieoffenheit und möchte die Wasserstoffwirtschaft als eine der zentralen Zukunftstechnologien nicht nur anwenden, sondern vor Ort entwickeln, produzieren und exportieren. Um die Sichtbarkeit dieser Bemühungen zu erhöhen, wird der Beirat Wasserstoff-Roadmap BW fortgeführt.
Aus Sicht der Unternehmen sollten die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen über mehrere Legislaturperioden hinweg stabil und verlässlich ausgestaltet sein, damit Investitionen im Inland dauerhaft gesichert und gefördert werden können.

Infrastruktur und Erzeugung

Ein erfolgreicher Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist laut Koalitionsvertrag an entscheidende infrastrukturelle Bedingungen geknüpft:
  • Netzanbindung: Die Umsetzung des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes ist eine Grundvoraussetzung. Die Raumplanung soll Trassen für Wasserstoffleitungen explizit sichern.
  • Elektrolyseure: Der system- und netzdienliche Aufbau von Elektrolyseuren im Land soll weiterhin gefördert werden.
  • H2-ready Kraftwerke: Die zeitnahe Errichtung wasserstofffähiger Gaskraftwerke wird als notwendig erachtet, da diese als „Ankerkunden“ für den Wasserstoff im Land dienen sollen.
  • Speicherung und Transport: Die Strategie umfasst die gesamte Kette von der Erzeugung über die Speicherung bis hin zum Transport von Wasserstoff und seinen Derivaten.

Anwendungsfelder

Die Nutzung von Wasserstoff soll in verschiedenen Sektoren forciert werden:
  • Industrie und Energiewirtschaft: Hier soll Wasserstoff als Baustein für die klimaneutrale Produktion und als Backup-Kapazität im Energiesystem dienen.
  • Verkehr: Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrs, insbesondere bei Lkw. Die Landesregierung plant den flächendeckenden Ausbau der Tankinfrastruktur für Wasserstoff weiter voranzubringen.

Internationale und Europäische Zusammenarbeit

Da das Land auf Importe angewiesen sein wird, setzt die Regierung auf internationale Wasserstoffpartnerschaften und unterstützt den Abschluss von Abnahmeverträgen. Ein konkretes Beispiel ist die Verstärkung der Klima- und Energiepartnerschaft mit der Region Andalusien, die einen klaren Fokus auf Wasserstoff legt.
Auf politischer Ebene will sich die Landesregierung für eine Anpassung der EU-Wasserstoffstrategie einsetzen, um eine pragmatischere und weniger restriktive Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen zu erreichen.

Forschung und Innovation

Wasserstofftechnologien sind integraler Bestandteil der ressortübergreifenden High-Tech-Strategie des Landes. Ziel ist es, durch Forschungsökosysteme und den Transfer in die Wirtschaft die technologische Führerschaft baden-württembergischer Unternehmen zu sichern. Speziell hier kann die Region Südlicher Oberrhein mit ihren innovativen Unternehmen und exzellenten Forschungseinrichtungen eine Vorreiterrolle spielen.
Zusammenfassend betrachtet die Landesregierung Wasserstoff nicht nur als ökologische Notwendigkeit, sondern als ökonomische Chance, um den Industriestandort Baden-Württemberg im globalen Wettbewerb zukunftsfest aufzustellen.

Um diese ökonomischen Chancen wahrnehmen zu können und den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen, müssen aus Sicht der Unternehmen am südlichen Oberrhein allerdings zunächst die Preise für Wasserstoff stabil sowie international wettbewerbsfähig ausgestaltet werden.