2 min
Lesezeit
Vom Wiederaufbau zur Hightech-Fertigung
Werner Schmid GmbH, Fulda. 1946 gründete Werner Schmid in Fulda eine kleine Werkstatt für Metallteile, in der er aus Trümmerstücken Baubeschläge fertigte. In acht Jahrzehnten entwickelte sich der damalige Ein-Mann-Betrieb zu einem hochautomatisierten Produktionsstandort für Metall- und Kunststoffteile. WRF sprach mit den Brüdern Matthias und Joachim Hauß, die das Unternehmen in dritter Generation führen.
Herr Hauß, wie hat sich die Werner Schmid GmbH entwickelt und verändert?
IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow überreichte die Jubiläumsurkunde an die frühere Geschäftsführerin Monika Hauß-Schmid und ihre Söhne Joachim und Matthias (v. li.).
Joachim Hauß: Unser Großvater hat das Unternehmen nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, in einer Zeit des Mangels. Zunächst fertigte er Fenster- und Türbeschläge für die vom Krieg beschädigten Wohnungen – das Material suchte er sich auf Schrottplätzen zusammen. Schon Anfang der 1950er Jahre musste der Betrieb in größere Räumlichkeiten umziehen und entwickelte sich dort zum Stanzwerk. Unseren jetzigen Standort in der Weichselstraße bezogen wir in den 1970er Jahren. Hier baute unser Großvater als zweites Standbein die Kunststoffverarbeitung auf. In den 1980er Jahren legten wir den Namen „Stanzwerk Schmid“ ab, den aber viele Menschen in der Region bis heute mit uns verbinden. Auch im Metallbereich gehen wir schon lange weit über das Stanzen hinaus. Die Werner Schmid GmbH hat sich von den ersten Maschinen mit verketteter Produktion seit den 1980er Jahren stetig weiterentwickelt und produziert heute auf spezialisierten Anlagen hochkomplexe Bauteile in bis zu 18 Arbeitsschritten in einem Hub.
Welche Herausforderungen gab es in dieser Zeit zu meistern?
Matthias Hauß: Herausforderungen gab es in der deutschen Industrie immer wieder, doch keine Zeit war so herausfordernd wie die letzten Jahre. Die deutsche Industrie kommt aus dem Krisenmodus gar nicht mehr heraus: Seit 2019 hatten wir zuerst den Dieselskandal, dann Corona und schließlich die Energiekrise als Folge des Krieges in der Ukraine zu bewältigen. Die industrielle Produktion in Deutschland befindet sich auf dem Niveau von 2019, das sind mittlerweile fast sieben Jahre ohne Wachstum.
Welche Werte und Überzeugungen prägen Ihr Unternehmen?
Matthias Hauß: Schon unsere Mutter hat das Unternehmen sehr werteorientiert geführt. Gesellschaftliches Engagement – beispielsweise als Gründungsmitglied von Perspektiva – war und ist ihr genauso wichtig wie die Treue zum Standort Fulda. Wir versuchen das Unternehmen mit denselben Werten und der gleichen Haltung weiterzuführen. Es ist aber auch klar, dass wir diese Haltung mit immer stärkeren Wettbewerbsnachteilen bezahlen. Hier ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen des Industriestandorts nachhaltig zu verbessern.
