Ausbildungsumfrage 2026
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Umfrage im Überblick
Angebot an Ausbildungsstellen unter Druck
Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt erneut, dass IHK-Ausbildungsbetriebe angesichts heftigen Gegenwinds ihr Angebot an Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr häufiger reduzieren als es zu erhöhen. Sechs Jahre ohne faktisches Wirtschaftswachstum sowie der Mangel an passenden Bewerberinnen und Bewerbern schlagen durch: 29 Prozent der Betriebe bieten weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr an, während nur 13 Prozent ihr Angebot erweitern. Die erwartete wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe hat dabei einen starken Einfluss auf ihr Angebot an Ausbildungsstellen: Rund vier von zehn Betrieben mit negativen Geschäftserwartungen geben an, Ausbildungsstellen zu reduzieren – im Vergleich zu 26 Prozent der Betriebe mit positiven Geschäftserwartungen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen strukturelle Ausbildungshindernisse rund um die Ausbildung, vor allem einen Mangel an Grundkompetenzen von Schulabsolventinnen und -absolventen. Jeder vierte Betrieb, der weniger Ausbildungsstellen anbietet, nennt den Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern als Grund. Jeder fünfte begründet dies mit schlechten Erfahrungen mit Auszubildenden. Der Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern (37 Prozent) und schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden (27 Prozent) sind die häufigsten Gründe, warum einige Betriebe gar nicht mehr ausbilden.
Besetzungsprobleme bleiben auf Rekordniveau
Obwohl Betriebe tendenziell ihr Angebot an Ausbildungsstellen reduzieren, zeigen sich konstant hohe Besetzungsprobleme auf Rekordniveau. Rund jeder zweite Betrieb konnte im Jahr 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Seit 2015 ist der Anteil der Betriebe mit Besetzungsproblemen von 31 Prozent auf 49 Prozent gestiegen – also um deutlich mehr als die Hälfte. Betriebe hätten noch größere Besetzungsprobleme, wenn sie nicht angesichts der zahlreichen Ausbildungshindernisse ihr Angebot an Ausbildungsplätzen zurückfahren müssten. Das zentrale Besetzungsproblem bleibt dabei die Passung („Matching“) zwischen Nachfrage und Angebot – also qualifikatorische, regionale und berufliche Passungsprobleme. Die Ergebnisse bestätigen ein Muster: Während sich der Mangel an Bewerbungen in den vergangenen vier Jahren etwas abgeschwächt hat, bleibt der Mangel an geeigneten Bewerbungen das mit Abstand größte Besetzungshindernis. Rund zwei Drittel der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten geben dies als Hürde an. Dies ist ein klarer Indikator für qualifikatorische Passungsprobleme – neben den immer häufiger genannten Vertragslösungen kurz nach Ausbildungsstart.
Defizite bei Grundkompetenzen behindern Ausbildung
Rund jeder zweite Betrieb stellt häufige Mängel beim Arbeits- und Sozialverhalten fest – vor allem mit Blick auf die Belastbarkeit – sowie bei den kognitiven Kompetenzen. Darüber hinaus beobachten etwa vier von zehn Betrieben häufige Defizite bei Mathe, wirtschaftlichem Grundwissen oder Deutsch. Eine kleinere Minderheit der Betriebe sieht häufige Lücken mit Blick auf Naturwissenschaften (jeder vierte) oder Englisch (jeder fünfte). Auch stellt jeder vierte Betrieb häufige Mängel bei der Berufswahlkompetenz fest – ein Indikator für berufliche Passungsprobleme. Gleichzeitig sind drei von vier Betrieben, die Mängel feststellen, offen für solche Auszubildende mit Startschwierigkeiten. Die Betriebe unterstützen sie beispielsweise mit dem Angebot von Nachhilfe.
Auszubildenden fehlt bezahlbarer Wohnraum
Fast zwei Drittel aller Betriebe sehen Handlungsbedarf beim Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende – auch eine Mehrheit in allen 16 Bundesländern. An der Spitze liegen die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, wo neun von zehn Betrieben Handlungsbedarf sehen. Mit Blick auf mögliche Maßnahmen wünschen sich vier von zehn Betrieben bessere Informationen und einen vereinfachten Zugang zu finanziellen Hilfen für Auszubildende (z. B. Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld) – also Bürokratieabbau – sowie Programme zur Vermittlung von Wohnraum.
Auszubildende aus Drittstaaten als Chance
Mehr als jeder zweite Betrieb sieht Auszubildende aus Drittstaaten als eine Chance für die eigene Fachkräftesicherung. Rund ein Drittel der Betriebe hat schon versucht, Auszubildende aus Drittstaaten einzustellen. Neun von zehn dieser Betriebe waren dabei erfolgreich. Für diese Betriebe bleiben mangelnde Deutschkenntnisse zu Beginn der Ausbildung sowie bürokratische Hürden die größten Herausforderungen bei dieser zunehmend wichtigen Form der Fachkräftesicherung. Danach folgt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, unter dem insbesondere Auszubildende aus Drittstaaten leiden. Sie verfügen häufig weder über ausreichende soziale Netzwerke noch über Informationen zum regionalen Wohnungsmarkt.
Große Mehrheit der Betriebe übernimmt alle Auszubildenden
Trotz der Wirtschaftskrise, der hohen Standortkosten und der geopolitischen Krisen übernehmen weiterhin vier von fünf Betrieben mindestens 75 Prozent ihrer Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen und rund zwei Drittel der Betriebe alle. 84 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausbildungsabsolven tinnen und -absolventen bei zukünftigen weiteren Qualifizierungen unterstützen. Das zeigt, dass junge Menschen mit einer dualen Ausbildung weiterhin sehr gute Berufs- und Karriereaussichten haben.
Die kompletten Ergebnisse der aktuellen bundesweiten IHK-Ausbildungsumfrage mit zahlreichen Grafiken, Tabellen und Infokästen im PDF-Format als Download: DIHK-Ausbildungsumfrage 2026