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MINISTER KUMMER IN CAASCHWITZ

Unter Tage für Europas Stahlwerke

In der Grube Lerchenberg wird Dolomit gewonnen. Das Gestein aus Caaschwitz ist europaweit gefragt. Ein Besuch des Thüringer Umweltministers unter Tage zeigt, wie der Rohstoff gewonnen wird, wirft aber auch Transformationsfragen auf.
Ende Juli machte der Thüringer Umweltminister Tilo Kummer (BSW) auf seiner Sommertour einen Stopp in den Dolomiten Ostthüringens. Nicht etwa in einer bergigen Felslandschaft, wie in den italienischen Alpen – der Minister besuchte das Dolomitwerk in Caaschwitz ganz im Norden des Landkreises Greiz. 600.000 Tonnen Dolomitgestein werden hier jährlich durch die Wünschendorfer Dolomitwerk GmbH abgebaut und das in einem der jüngsten Bergwerke in Deutschland.

Dolomit – der bessere Kalk

Seit 2014 wird in Caaschwitz Dolomit untertage gefördert und direkt vor Ort oder am Standort in Wünschendorf verarbeitet. Dolomit ähnelt dem Kalkstein, enthält zusätzlich aber viel Magnesium. Diese Zusammensetzung macht sich etwa die Stahlindustrie zunutze, indem sie mithilfe von gebranntem Dolomit Verunreinigungen vom flüssigen Stahl trennt. Dadurch wird der Stahl stabiler und hochwertiger. Auch in der Land- und Forstwirtschaft kommt Dolomitgestein zum Einsatz – neutralisiert saure Böden und liefert wichtige Nährstoffe für Pflanzen.
Das Rohdolomit aus der Lerchengrube in Caaschwitz wird vor allem an die Stahlindustrie verkauft. „In unseren Schachtöfen brennen wir den Dolomit und beliefern damit etwa 14 bis 15 Elektrostahlwerke in ganz Europa“, so der Geschäftsführer der Wünschendorfer Dolomitwerk GmbH, Olaf Ortlepp. Er ist mittlerweile mit Warnweste und Helm, inklusive Grubenlampe ausgestattet und fährt gemeinsam mit den Gästen aus dem Ministerium in einem Kleinbus in das Bergwerk ein. Ungefähr einen Kilometer lang und 800 Meter breit ist die Grube insgesamt. 13 Bergleute arbeiten hier unter Tage. Einer von ihnen ist der stellvertretende Grubenleiter Jens Lietzau. „Wir transportieren das abgebaute Gestein mit Lkws aus dem Bergwerk. Das Dolomit, was hier gewonnen wird, geht nahezu vollständig in die Weiterverarbeitung“, erklärt Lietzau dem Minister während eines kleinen Rundgangs im Bergwerk.

Klima, Wasserstoff, Zukunft

Für den Thüringer Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten sei der Besuch ein weiterer Puzzlestein, um die Ostthüringer Wirtschaft besser kennenzulernen. „Natürlich möchte ich auch erfahren, wie es dem Bergbau geht“, sagte Kummer im Rahmen des Termins. Für das Dolomitwerk ist die Klimaneutralität eine der größten Herausforderungen. Zwei Drittel der CO₂-Emissionen des Unternehmens entstehen durch die chemische Umwandlung des Dolomits beim Brennen in den Öfen. „Da ist es eher schwer, Emissionen zu verhindern“, meint Geschäftsführer Ortlepp. Laut ihm müssten hier Ansätze für CO₂-Filtermöglichkeiten weiter skaliert werden. Auch die Öfen selbst laufen aktuell mit Erdgas oder Steinkohle, könnten aber auch mit Wasserstoff betrieben werden. Dieser sei jedoch im Moment zu teuer, so Ortlepp weiter.
Tilo Kummer möchte deshalb den „Wasserstoffhochlauf unterstützen“. Vornehmliches Ziel des Ministers ist jedoch, die „coole chemische Industrie“ zu halten. „Es hilft uns in Thüringen nichts, wenn wir diese Industrien verlieren und es dann andere machen“, erklärt Kummer. Er versichert gemeinsam mit den Firmen, weiter an klimaneutralen Lösungen arbeiten zu wollen.
Die Dolomitwerker aus Ostthüringen

1922 wird das familiengeführte Dolomitwerk Wünschendorf gegründet. Der Tagebau in Caaschwitz startete 1961. Nach vielen Jahren des überirdischen Abbaus findet die Dolomitgewinnung heute ausschließlich unterirdisch statt. Nach über einhundert Jahren Firmengeschichte zählt das Unternehmen im Jahr 2026 90 Mitarbeiter und vier Azubis, die an den Standorten Wünschendorf und Caaschwitz arbeiten. In den insgesamt neun Schachtöfen können bei 1000 Grad Celsius jährlich bis zu 150.000 Tonnen Dolomit gebrannt werden. Die Firma bildet Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker für Betriebstechnik und Industriekaufleute aus.

dolomitwerk-wuenschendorf.de
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