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MOTOR DES 21. JAHRHUNDERTS

KI wird zum Taktgeber der Wirtschaft

Künstliche Intelligenz befeuert den technologischen Fortschritt. Die Revolution, so meinen die Gastautoren Prof. Dr. Nick Lin-Hi und Florian Schmitt, betrifft alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Wer nicht mitziehe, verliere – auch als Unternehmen.
Wirtschaft und Gesellschaft erleben derzeit einen technologischen Wandel von historischem Ausmaß. Innovationen, die früher Generationen prägten, verändern heute ganze Branchen in wenigen Jahren. Ob Energieversorgung, Mobilität, Kommunikation oder Medizin – kaum ein Lebens- und Arbeitsbereich bleibt unberührt. Nie zuvor war so deutlich zu erkennen: Technologischer Fortschritt verläuft nicht stetig, sondern exponentiell. Für Unternehmen reicht es nicht mehr aus, sich lediglich anzupassen – sie müssen ihre Zukunft aktiv gestalten.

Mehrwert für die breite Masse

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Beschleunigung der technologischen Entwicklung ist der Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Spätestens seit ChatGPT ist Künstliche Intelligenz aus dem Unternehmensalltag nicht mehr wegzudenken. Inzwischen konkurrieren zahlreiche Systeme miteinander, die in immer kürzeren Abständen leistungsfähiger werden und zunehmend komplexe Aufgaben übernehmen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis KI alle wirtschaftlichen Bereiche durchzogen hat – und verändert haben wird.

Superlative durch KI

Die spektakulärsten KI-Anwendungsfelder klingen wie Science-Fiction. Systeme wie AlphaFold von DeepMind (Google) können Proteine in Sekunden entschlüsseln, was den Grundstein für neue Medikamente und Therapien legt. GNoME, ein weiteres KI-System, identifizierte mehr als 380.000 bislang unbekannte Materialien, die als Grundlage für die nächste Generation von Batterien, Supraleitern oder Hochleistungschips dienen könnten. Und in der Astronomie durchforstet KI Milliarden von Teleskopdaten und entdeckt neue Galaxien und Exoplaneten, die kein Mensch je gesehen hat.

Tiefgreifende Transformation

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Der Co-Autor des Artikels Florian Schmitt ist freiberuflicher KI-Experte und hilft Unternehmen dabei, KI-Potenziale in der Praxis voll auszuschöpfen. © Timo Platte (timoplatte.de)
Die KI-Revolution findet indes nicht nur in Hightech-Konzernen und Forschungslaboren statt, sondern in allen Unternehmen. KI transformiert Wertschöpfungsketten, Entscheidungsprozesse und Kundenschnittstellen. Sie analysiert Datenbestände, optimiert Lieferketten, prognostiziert Absatztrends und personalisiert Kundeninteraktionen. Vom automatisierten Kundendienst über vorausschauende Wartung bis hin zur intelligenten Produktionsplanung – KI verändert die Spielregeln in der Wirtschaft auf unterschiedlichsten Ebenen. Zunehmend geht die Entwicklung jedoch über reine Assistenzsysteme hinaus: KI-Agenten übernehmen eigenständig komplette Arbeitsabläufe, recherchieren Informationen, analysieren Dokumente, beantworten Kundenanfragen, erstellen Berichte oder koordinieren mehrstufige Arbeitsabläufe. Damit entwickelt sich KI immer stärker von einem Werkzeug zu einem System, das Aufgaben zunehmend autonom ausführen und Arbeitsprozesse unterstützen kann. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob diese Technologie das eigene Unternehmen betrifft, sondern wie schnell.

Wie im Zeitraffer

Der durch KI initiierte tiefgreifende Wandel erinnert an technologische Umbrüche, die ganze Epochen geprägt haben. Ähnlich wie die Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert nicht nur die industrielle Produktion revolutionierte, sondern auch Wirtschaft, Gesellschaft und Arbeitswelt grundlegend veränderte, steht KI heute im Zentrum einer neuen industriellen Revolution. Während die Dampfmaschine Muskelkraft in maschinelle Energie verwandelte, erweitert KI nun die kognitiven Fähigkeiten des Menschen – sie katalysiert Denken, Lernen und Entscheiden. Der Unterschied: Die Geschwindigkeit, mit der dieser Wandel erfolgt, ist ungleich höher. Was damals Jahrzehnte brauchte, geschieht heute in Jahren oder gar Monaten.

Schnellsein lohnt sich

In der Praxis ist jedoch zu beobachten, dass Unternehmen – insbesondere hierzulande – das transformative Potenzial von KI massiv unterschätzen. Viele Unternehmen betrachten KI noch immer als Zukunftsthema, das man zu gegebener Zeit angehen kann. Doch genau darin liegt die Gefahr: Während man abwartet, integrieren Wettbewerber die Technologie längst in ihre Prozesse, steigern Qualität, senken Kosten und erschließen neue Märkte. Wer den Einsatz von KI nicht aktiv prüft und erprobt, riskiert, dass die eigene Organisation in ihrer bestehenden Logik verharrt, während sich das Umfeld radikal verändert. Jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche, sollte sich heute die Frage stellen, wo und wie KI einen konkreten Mehrwert schaffen kann. Wer dies nicht tut, läuft Gefahr, die Bedingungen des eigenen Erfolgs sukzessive zu verspielen und am Ende des Tages vom Markt gedrängt zu werden.

Erfahrungen sammeln

Der Einstieg in die KI-Welt ist kein Hexenwerk – im Gegenteil: Viele Anwendungen sind niedrigschwellig verfügbar und sofort nutzbar. Schon einfache Werkzeuge wie ChatGPT können Routineaufgaben deutlich effizienter machen: E-Mails formulieren, Angebote oder Stellenanzeigen entwerfen, Textentwürfe überarbeiten, Kundendialoge vorbereiten oder Präsentationen strukturieren – all das lässt sich in Minuten statt Stunden erledigen. Auch die Analyse von Dokumenten, die Erstellung von Meeting-Zusammenfassungen oder die Ideenfindung in Teams werden durch KI-basierte Assistenten spürbar erleichtert. Entscheidend ist nicht, gleich die große Revolution zu starten, sondern überhaupt zu beginnen und Schritt für Schritt Erfahrungen zu sammeln. Wer heute experimentiert, schafft die Voraussetzungen dafür, mit der rasanten Entwicklung der KI auch künftig Schritt zu halten.
Hinweis: Der Artikel erschien zuerst im IHK-Magazin „Oldenburgische Wirtschaft“.
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