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RENTENPLÄNE IN DER KRITIK

Geraer Hotelchefin: „Minijobs so lassen, wie sie sind“

Die Rentenkommission will den bisherigen Sonderstatus für Minijobs weitgehend abschaffen. Bei Monika Lips im Zwergschlösschen in Gera wächst die Sorge um Kosten, Personal und Öffnungszeiten. Sie warnt vor neuen Belastungen für ganze Branchen.
„Das Korsett ist einfach zu eng“, klagt Monika Lips. Die Inhaberin des Restaurant- und Hotelbetriebs Zwergschlösschen in Gera ist unzufrieden. Vorschriften, Arbeitszeitregelungen, Dokumentationspflichten – die Politik lasse gerade dem Mittelstand kaum noch Luft zum Atmen. Lips beschäftige sich mehr mit Papierkram, anstatt das Familienunternehmen kreativ weiterentwickeln zu können. Umso mehr schockierte es die Hotelinhaberin, als die Rentenkommission im Juni 2026 vorgeschlagen hat, dass Minijobber in Zukunft verpflichtend Beiträge in die gesetzlichen Sozial- und Rentenkassen einzahlen sollen – Ausnahme sind Schüler. „Für unsere Branche ist dieser Vorschlag eine Katastrophe“, so die gelernte Hotelmeisterin.

Für Spitzenzeiten unverzichtbar

In Deutschland gibt es laut Minijob-Zentrale aktuell mehr als 6,5 Millionen geringfügig Beschäftigte im gewerblichen Bereich. Rund eine Million dieser Minijobber arbeiten im Gastgewerbe, so der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA) in einem Positionspapier zu den Reformplänen. „Minijobs sichern bei uns die Spitzenphasen ab, auch jene Zeiten, in denen sonst kaum jemand arbeiten will. Das sind vor allem Wochenenden, Feiertage oder einfach spät am Abend“, erklärt Lips. Zeiten im Restaurantalltag, in denen es „kracht“ – es also voll ist und Umsatz generiert wird.
„In unserer Branche brauchen wir viele Köpfe für wenige Stunden.“
Menschen, die in der Gastronomie arbeiten wollen, gebe es ohnehin immer weniger. Wie viele Branchen leiden auch Restaurants und Hotels unter dem Fachkräftemangel. Laut DEHOGA seien bereits heute tausende offene Stellen zu beklagen. Das Zwergschlösschen habe deshalb gezwungenermaßen an Sonntagen bereits nicht mehr geöffnet, so Hotelmeisterin Lips. Aushilfen könnten diese Lücke zumindest teilweise schließen und es Betrieben so ermöglichen, Öffnungszeiten abzusichern und Veranstaltungen umzusetzen.

Minijob ist oftmals Nebenerwerb

Geringfügige Beschäftigungs-verhältnisse seien „essenziell“ für die Branche, so Monika Lips. Von den insgesamt neun Mitarbeitern in ihrem Betrieb sind aktuell drei als Minijobber angestellt. „Die wollen sich alle ein bisschen Geld dazuverdienen“, erklärt die gebürtige Geraerin. So, wie im Übrigen ein Großteil der Menschen in Aushilfstätigkeiten. Fast 95 Prozent der Minijobber nutzen laut Minijob-Zentrale die geringfügige Beschäftigung als Zuverdienst – zusätzlich zum Hauptberuf, neben Schule und Uni oder um die Rente aufzufüllen. „Der Minijob ist kein Konzept für die Lebensdauer eines Menschen, sondern immer auf bestimmte Zeiträume begrenzt, dann, wenn zusätzlich Geld verdient werden muss“, sagt Monika Lips.
Sie ist sich sicher, dass die Pläne der Rentenkommission allen schaden – Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Kommission begründet ihren Minijob-Vorschlag mit Armutsrisiken, fehlender sozialer Absicherung und möglichen Fehlanreizen, besonders für Frauen. Zwar gibt es aus der Berliner Politik Signale, Minijobs erhalten zu wollen, trotzdem hat das Kabinett Anfang Juli beschlossen, alle 33 Empfehlungen der Kommission vollständig umsetzen zu wollen. „Die Minijobs bleiben“, versicherte der Bayerische Ministerpräsident kürzlich in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen. In welcher Form ist allerdings noch unklar.
Die Unsicherheit bei den Betrieben bleibt also, auch weil die Bundesregierung eine Erhöhung der Pauschalsteuer für Minijobs von zwei auf fünf Prozent plant. Die Pauschalsteuer wird nicht individuell nach Einkommen oder persönlichen Verhältnissen berechnet, sondern pauschal mit einem festen Satz erhoben. Sie wird bei geringfügig Beschäftigten vom Arbeitgeber abgeführt. „Mit der geplanten Anhebung würden die Arbeitskosten weiter steigen. Durch Sozialversicherungspflicht und Pauschalsteuererhöhung um rund 70 Euro pro Minijobber im Monat“, erklärt Monika Lips. Das sei in einer Branche, in der die Arbeitskosten ohnehin schon bei über der Hälfte der Gesamtausgaben liegen, eine weitere Belastung.

Flexibilität erhalten

„Einfach den Minijob-Vorschlag der Rentenkommission nicht umsetzen“, ist die klare Botschaft der Hotelmeisterin an die Berliner Politik. Minijobs würden, so wie sie sind, gut funktionieren – sowohl für die Unternehmen als auch für die Beschäftigten. Ähnlich sieht das der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostthüringen, Marcel Seyfert: „Die Abschaffung der Minijobs würde viele Betriebe genau dort treffen, wo sie ohnehin unter Druck stehen – bei der Personalgewinnung und der nötigen Flexibilität im Alltag. Gerade in Branchen mit saisonalen Schwankungen sind Minijobs ein wichtiges Instrument. Wer sie streicht, schafft nicht bessere Beschäftigung. Er nimmt vielen Unternehmen schlicht Handlungsspielräume.“ Zwar dürfe sich die IHK per Gesetz nicht in die Sozialpartnerschaft einmischen. Was die Kammer aber immer tun wird, ist, auf die wirtschaftlichen Folgen solcher Vorhaben hinzuweisen, merkt Seyfert an.
Flexibel agieren zu können, sei gerade auch für das Hotel- und Gastgewerbe extrem wichtig, so Hotelchefin Monika Lips. Deshalb wünscht sie sich neben dem Erhalt der Minijobs auch eine Anpassung des deutschen Arbeitszeitgesetzes an europäische Richtlinien. Diese sehen eine maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden vor, ohne die tägliche Höchstarbeitsdauer zu definieren. Gerade Aushilfen, die neben ihrem Hauptberuf zusätzlich jobben wollen, könnten so konzentrierter an einzelnen Tagen eingesetzt werden, erläutert Lips. Aktuell gilt in Deutschland eine maximale Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag. Eine Aushilfe kann so nach einer Acht-Stunden-Schicht aktuell täglich nur zwei Stunden im Nebenjob arbeiten. „Dieses starre System hemmt uns ungemein. Wir brauchen Regelungen, die alltagstauglich sind“, fordert die Hotelmeisterin.
Noch ist unklar, wie es mit den Minijobs weitergeht. Der Deutsche Bundestag muss sich nun mit den Vorschlägen der Rentenkommission befassen. Sicher ist nur: Für viele Gastrobetriebe steht viel auf dem Spiel, denn Minijobber sind in ihrem Alltag kaum zu ersetzen.
Hotel und Restaurant Zwergschlösschen

Im Geraer Stadtteil Untermhaus liegt das beschauliche Zwergschlösschen direkt an den Hängen oberhalb des Elsterlaufes. Den Namen hat der Hotel- und Gastronomiebetrieb in Anlehnung an die Zwergensage von Gera erhalten. Der individuell geführte Familienbetrieb verspricht seinen Gästen „eine behagliche Atmosphäre auf anspruchsvollem Niveau“.

hotel4you.de

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