Stimmung in der Thüringer Wirtschaft bleibt zu Jahresbeginn gedämpft
Ergebnisse Thüringenkonjunktur
Die Konjunktur im Freistaat kommt nicht in Schwung. Der Konjunkturklimaindikator für Thüringen notiert zu Jahresbeginn 2026 bei 80,8 Punkten. Gegenüber der Vorumfrage im Herbst 2025 ist das ein leichter Anstieg um einen Punkt, trotzdem bleibt die Stimmung in der Thüringer Wirtschaft im zehnjährigen Vergleich unterdurchschnittlich (99,4 Punkte). Die langersehnte Trendwende bleibt weiter aus, daran hat auch das Investitionsprogramm des Bundes bislang nichts geändert.
Die Geschäftslage der Unternehmen ist weiterhin angespannt. Zu Jahresbeginn bewerten nur 24 Prozent der Betriebe ihre wirtschaftliche Situation als gut, weitere 40 Prozent bezeichnen diese als befriedigend bzw. saisonüblich, während 36 Prozent der Firmen eine schlechte Geschäftslage melden. Der Lagesaldo verbessert sich somit zwar geringfügig (plus einen Punkt) gegenüber der Vorumfrage, bleibt aber klar im negativen Bereich.
Auch die Geschäftserwartungen der Thüringer Wirtschaft sind überwiegend trüb. Mit einer günstigeren Entwicklung rechnen derzeit nur 12 Prozent der Betriebe (plus eins). 51 Prozent der Umfrageteilnehmer (minus eins) erwarten keine Veränderung und unverändert 37 Prozent der Unternehmen machen eine negative Geschäftsprognose. Die Sorgen bei den Unternehmen haben nicht nachgelassen. Dabei sind es nicht nur konjunkturelle Risiken, wie die schwache Nachfrage, sondern insbesondere auch strukturelle Probleme wie hohe Arbeitskosten, nachteilige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen oder hohe Energie- und Rohstoffpreise, die die Unternehmen belasten.
Die vielerorts verhaltenen Geschäftsprognosen und Wachstumsaussichten spiegeln sich in schwach ausgeprägten Investitionsabsichten wider. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen (minus eins) planen mit einem größeren Investitionsbudget, während 55 Prozent der Betriebe (minus eins) ihre Ausgaben (weiter) kürzen oder in den nächsten 12 Monaten überhaupt nicht investieren werden. Auch bei den Beschäftigungsplänen ist derzeit keine Trendumkehr erkennbar. 27 Prozent der Betriebe (plus zwei) rechnen mit einer schrumpfenden Belegschaft, während lediglich sieben Prozent (plus eins) zusätzliches Personal einstellen werden.
| Blick in die Branchen: |
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| Die Industrie belastet neben hohen Kosten und der schleppenden Auftragsentwicklung auch das schwierige außenwirtschaftliche Umfeld. Die Bewertungen zur Geschäftslage fallen zwar günstiger als in der Vorumfrage aus, sind im Saldo aber nach wie vor negativ (-27,5 Punkte nach zuvor -34,3 Punkten). Bei den Erwartungen überwiegen weiter die negativen Einschätzungen gegenüber den positiven Geschäftsprognosen (-11,0 Saldenpunkte nach zuvor -12,1 Saldenpunkten). Die Beschäftigungs- und Investitionspläne sind entsprechend restriktiv. |
| Das Infrastrukturpaket des Bundes ist noch nicht bei den Thüringer Bauunternehmen angekommen. Zudem haben sich die Geschäfte aufgrund des strengen Winters bei vielen Unternehmen nur schleppend entwickelt. Derzeit zeigen sich nur 14 Prozent der Betriebe (minus 11) zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, während 49 Prozent der Baufirmen (plus 11) von einer schlechten Lage berichten. Die Geschäftsaussichten verbessern sich zwar gegenüber der Vorumfrage und auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum, sind aber im Saldo weiter deutlich negativ (-37,5 Punkte). Eine Trendwende ist also auch im Baugewerbe einstweilen nicht in Sicht, nicht zuletzt, weil die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen weiterhin sehr zurückhaltend sind. |
| Der Thüringer Handel steht unter Druck. Dem Einzelhandel macht die anhaltende Kaufzurückhaltung der Kunden zu schaffen. Die schwache Konjunktur in der Industrie und in anderen Branchen dämpft zudem die Nachfrage im Großhandel. Nur 15 Prozent der Händler blicken auf ein gutes Saisongeschäft zurück, 46 Prozent der Unternehmen fällen hingegen ein negatives Urteil. Damit verbessert sich der Lagesaldo im Vergleich zur Vorumfrage leicht um zwei auf nach wie vor unterdurchschnittliche -31,2 Punkte. Die Erwartungen sind zwar weniger pessimistisch als in der Vorumfrage, aber der Anteil von Unternehmen, die mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung rechnen, ist mit 52 Prozent (minus vier) weiter überdurchschnittlich hoch. Eine positive Geschäftsprognose machen zu Jahresbeginn nur neun Prozent der Händler (plus fünf). |
| Im Thüringer Verkehrsgewerbe springt der Konjunkturmotor nicht an. Hoher Kostendruck und die schwache Nachfrage aus Industrie, Bau und Handel belasten die Branche. Die Geschäftslage ist zu Jahresbeginn durchwachsen, wenngleich leicht verbessert im Vergleich zur Vorumfrage. Die Erwartungen hellen etwas auf, trotzdem überwiegt weiter deutlich die Skepsis mit Blick auf die kommenden 12 Monate. So rechnet nur jedes zehnte Unternehmen mit einer besseren Geschäftsentwicklung, während 44 Prozent der Betriebe keine Veränderung erwarten und 46 Prozent der Firmen eine negative Prognose machen. Angesichts der unsicheren Nachfrageentwicklung und hoher Arbeitskosten sind die Personalplanungen der Unternehmen sehr zurückhaltend. Neue Stellen werden nur drei Prozent der Umfrageteilnehmer schaffen, während 35 Prozent der Verkehrsunternehmen einen Personalabbau erwägen. |
| Im Tourismus und Gastgewerbe verlief der Jahresauftakt verhalten. Der Konjunkturindikator notiert bei 77,7 Punkten. Das ist ein Rückgang um sieben Punkte im Vergleich zur Vorumfrage, aber zumindest ein kleines Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum (76,5). Die steigenden Kosten für Personal und Waren belasten die Geschäfte – der Saldo der Lageurteile fällt erneut in den negativen Bereich (auf -2,6 Saldenpunkte). Trotz der erfolgten Umsatzsteuersenkung bei Speisen sind die Erwartungen an die künftigen Geschäfte eher mau. 41 Prozent der Betriebe rechnen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung, während sich nur drei Prozent der touristischen Unternehmen zuversichtlich zeigen. Der Spielraum für Investitionen ist vielerorts nur gering – die Pläne sind daher (noch) restriktiver als im Vorjahreszeitraum. Gleiches gilt für die Beschäftigungsabsichten. |
| Im Vergleich der Wirtschaftszweige ist die Situation im Dienstleistungsgewerbe noch am günstigsten. Allerdings hat sich die Stimmung der Unternehmen im Vergleich zum Herbst 2025 nicht verbessert. Mit ihrer Geschäftslage sind die Betriebe überwiegend zufrieden; der Saldo ist mit +16,2 Punkten nahezu unverändert im Vergleich zur Vorumfrage. Die Erwartungen gehen indes zurück. Die Unternehmen rechnen eher mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung (33 Prozent) als mit einer Verbesserung (13 Prozent) in den kommenden 12 Monaten. Die Investitionsneigung ist im langjährigen Vergleich nach wie vor gering ausgeprägt, im aktuellen Branchenvergleich jedoch überdurchschnittlich. Im Personalbereich planen die Unternehmen weiter vorsichtig. Nur sechs Prozent der Dienstleister (minus drei) erwarten eine steigende Beschäftigtenzahl, wohingegen 23 Prozent der Betriebe (plus neun) mit einem Rückgang rechnen. |
Hintergrund:
Die Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel 2025/2026 wurde im Dezember 2025 und Januar 2026 von den drei Thüringer Industrie- und Handelskammern durchgeführt. In die Auswertung flossen 789 Antworten von Unternehmen aus ganz Thüringen ein. Die Konjunkturberichte für Thüringen werden von den Thüringer Industrie- und Handelskammern alternierend verfasst. Die Auswertung zum Jahreswechsel übernimmt die IHK Ostthüringen zu Gera, die Auswertung im Frühjahr/Frühsommer die IHK Erfurt und die Auswertung im Herbst die IHK Südthüringen.
Daten und Grafiken zur Konjunkturumfrage der Thüringer IHKs finden Sie unter 'Weitere Informationen'.
Die Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel 2025/2026 wurde im Dezember 2025 und Januar 2026 von den drei Thüringer Industrie- und Handelskammern durchgeführt. In die Auswertung flossen 789 Antworten von Unternehmen aus ganz Thüringen ein. Die Konjunkturberichte für Thüringen werden von den Thüringer Industrie- und Handelskammern alternierend verfasst. Die Auswertung zum Jahreswechsel übernimmt die IHK Ostthüringen zu Gera, die Auswertung im Frühjahr/Frühsommer die IHK Erfurt und die Auswertung im Herbst die IHK Südthüringen.
Daten und Grafiken zur Konjunkturumfrage der Thüringer IHKs finden Sie unter 'Weitere Informationen'.