Wege aus dem Fachkräftemangel: Großes Interesse am „Forum Internationale Rekrutierung“ in Gießen
Der Fachkräftemangel ist im mittelhessischen Mittelstand angekommen. Laut aktuellem DIHK-Fachkräftereport kann mehr als jedes dritte Unternehmen offene Stellen nicht besetzen. Um kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) bei der Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter aus dem Ausland zu unterstützen, lud die IHK Gießen-Friedberg am 11. August zum „Forum Internationale Rekrutierung“ in die Kongresshalle Gießen ein. 26 Aussteller präsentierten praxisnahe Lösungen und trafen auf ein interessiertes Fachpublikum.
IHK-Präsident Rainer Schwarz betonte in seiner Eröffnungsrede die Dringlichkeit: „Zwar verfügen unsere Unternehmen über innovative Ideen und moderne Technologien, doch all das nützt wenig, wenn die Menschen fehlen, die sie umsetzen. Während Arbeits- und Fachkräfteengpässe bis vor kurzem noch in Großunternehmen am stärksten ausgeprägt waren, gilt das nun für den Mittelstand. Von den Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern – auf sie entfallen rund drei Viertel aller Beschäftigten – verzeichnen merklich über 40 Prozent Stellenbesetzungsprobleme. Da viele von ihnen über keine eigene Personalabteilung verfügen, benötigen gerade KMUs Unterstützung von außen.“
Erschreckende Zahlen und globale Chancen
Auch die regionalen und landesweiten Rahmendaten untermauern den Handlungsbedarf. Anita Schneider, Landrätin des Landkreises Gießen, verdeutlichte die Situation anhand lokaler Prognosen: „Bis zum Jahr 2030 werden allein im Landkreis Gießen rund 10.500 Fach- und Arbeitskräfte fehlen – insbesondere zum Beispiel in der Pflege, Gesundheit, Erziehung sowie in technischen und handwerklichen Berufen. Gleichzeitig sehen wir weltweit enorme Potenziale. Während in Europa der Anteil junger Menschen schrumpft, sind beispielsweise in Uganda 50 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahren. Wir müssen als Region die Willkommenskultur stärken, um diese Potenziale zu nutzen.“
Entlastung für Unternehmen
Claudia Wesner, Leiterin der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, überbrachte die Grüße von Staatsministerin Heike Hofmann und legte die landesweite Perspektive dar: Bis 2030 werden in Hessen rund 240.000 Fachkräfte altersbedingt ausscheiden – eine Größenordnung vergleichbar mit der Stadt Kassel. „Es geht schlicht nicht mehr ohne internationale Talente“, so Wesner. Sie kündigte eine spürbare Entlastung für Unternehmen an: Ab Herbst dieses Jahres wird in Hessen die Zentrale Stelle für Fachkräfteeinwanderung Hessen (ZFEH) beim Regierungspräsidium Darmstadt geschaffen. Diese soll die Einwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland deutlich vereinfachen und beschleunigen. Unternehmen, die internationale Fachkräfte gewinnen möchten, steht dann auf Wunsch ein zentraler Ansprechpartner zur Verfügung.
Praxisbericht: Ein Gewinn für das gesamte Team
Wie die Integration im Alltag gelingt, zeigte das Best-Practice-Beispiel der Kita-Verwaltung Friedberg. Nicola Schlerf, Leiterin der Verwaltung, berichtete gemeinsam mit einer vor zweieinhalb Jahren aus Kolumbien eingewanderten Erzieherin von den praktischen Erfahrungen. Trotz anfänglicher bürokratischer und sprachlicher Hürden zieht die Erzieherin eine durchweg positive Bilanz: „Die Unterstützung meines Arbeitgebers bei der Wohnungssuche und den Behördengängen war Gold wert. Heute bin ich beruflich zu 100 Prozent integriert und mein Einsatz entlastet meine Kolleginnen, die zuvor wegen der Überlastung oft krank waren.“
Das Forum bot den Besuchern neben Fachvorträgen eine direkte Austauschplattform. Neben den Messeausstellern, die ihre verschiedenen Angebote und Prozessabläufe vorstellten, gaben unter anderem IHK-Vizepräsidentin Constanze von Alvensleben und Nicola Schlerf wertvolle Tipps aus ihrer Praxiserfahrung der Fachkräfterekrutierung mit internationalen Fachkräften an interessierte Betriebe weiter.
Weitere Informationen zur internationalen Rekrutierung und den Unterstützungsangeboten der IHK finden Unternehmen unter www.ihkgifb.de/fk-international.
Herausgegeben am 12. August 2026
Pressemeldung Nr. 31
Verantwortlich für den Inhalt: Andreas Mertenbacher, Tel. 06031/609-3155
Pressestelle: Tobias Bunk, Tel. 06031/609-1100
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Stand: 14.08.2026