Wirtschaftsmagazin
Nr. 7114062
3 min Lesezeit

IT: So schützen Sie die Daten Ihrer Firma

Cyberangriffe führen zu Umsatzeinbußen, gefährden Existenzen und nehmen jährlich zu. Vor diesem Hintergrund veranstaltete die IHK Gießen-Friedberg gemeinsam mit Partnern den Cyber-Sicherheitstag in Gießen. In Impulsvorträgen, Workshops und Diskussionen gab es viele Praxistipps.
Von Joris Zielinski
„Cybersicherheit ist ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge von Unternehmen und hilft dabei, die Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen“, sagte Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg, zur Eröffnung des Cyber-Sicherheitstags. IHK-Innovationsberater Janis Milde moderierte den Tag und verwies auf die Dimension des Problems: Deutsche Firmen melden jährlich Schäden von bis zu 200 Milliarden Euro durch Hackerangriffe. Daher gelte es, durch geeignete Maßnahmen den Schaden in Zukunft zu begrenzen.
Im Plenarsaal der IHK in Gießen gab Stefan Becker den rund 80 Zuhörern einen Überblick über die Gefährdungslage. Der Referatsleiter der Allianz für Cyber-Sicherheit im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verwies auf eine TÜV/BSI-Studie, wonach Unternehmen ein hohes Vertrauen in ihre Cybersicherheit haben – dies stehe jedoch im Widerspruch zur realen Bedrohung. Besonders Angriffe auf Lieferketten träfen Zulieferer und wirkten sich unmittelbar auf viele Kunden aus. Zusätzlich verschärften geopolitische Spannungen die Lage: Staatlich organisierte Hacker agierten als „Dienstleister“ in hybriden Konflikten. Becker empfahl Unternehmen, sich intensiv mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) zu befassen, statt sie zu fürchten, und verwies auf die IT-Notfallkarte des BSI als praktisches Hilfsmittel.

Wichtige Informationen mehrfach sichern

Wie existenzbedrohend ein Angriff sein kann, schilderte Frank Sommerlad, Geschäftsführer der Möbelstadt Sommerlad. 2021 hatte ein groß angelegter Hackerangriff das Unternehmen nahezu lahmgelegt. Über einen gehackten Kunden-Account und eine Phishing-Mail waren die Täter der Gruppe DarkSide ins System gelangt, wo sie die Daten verschlüsselten und Lösegeld forderten. Die Rettung: 80 Prozent der Daten waren extern in Dänemark gesichert. Sommerlad empfahl daher, wichtige Informationen mehrfach und an verschiedenen Orten – digital und analog – vorzuhalten.

Schnell und ehrlich kommunizieren

IT-Sicherheitsexperte Christian Schülke warnte vor Folgeangriffen auf Partnerunternehmen, wenn einmal Daten abgeflossen sind. Ehrliche und schnelle Kommunikation im Schadensfall sei daher entscheidend, um die Lieferkette zu schützen. Kleinere Dienstleister würden häufig als Einfallstor genutzt, da sie meist schlechter abgesichert seien. Zudem nutzten Täter KI für täuschend echte Fakes, etwa durch nachgeahmte Stimmen. Schon mit Basismaßnahmen wie der Zwei-Faktor-Authentifizierung lasse sich das Risiko deutlich senken – wer erste Schutzmaßnahmen umsetze, werde für Angreifer weniger attraktiv.
Bis zu 200 Milliarden Euro jährlich betragen die Schäden durch Hackerangriffe bei deutschen Firmen.
In den Workshops lag der Fokus auf Prävention und Organisation. Arwid Zang, Geschäftsführer von Greenhats, betonte, dass es erheblich effizienter und günstiger sei, Angriffe früh zu erkennen und zu verhindern, als im Ernstfall reagieren zu müssen. Alle Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – seien potenzielle Ziele. Thomas Sprenger von Sprenger Consulting machte deutlich, dass die Digitalisierung und die Automatisierung zwar Prozesse unterstützten, aber zugleich neue Angriffsflächen schufen. Sicherheit müsse daher von Anfang an mitgedacht werden. Auch Ralph Boßler, Geschäftsführer vom IT-Systemhaus Sylphen, und sein Team gaben wertvolle Tipps. Im Notfall seien definierte Kommunikationswege als Teil des Krisenmanagements ebenso wichtig wie technische Maßnahmen:
„Technik schützt den Server, aber Organisation schützt das Unternehmen.“
Begleitet wurde der Tag von einem praxisnahen Escape-Room des Unternehmens Hidden Awareness. In einem „Cyber-Truck“ mussten die Teilnehmer einen simulierten Hackerangriff abwehren und setzten sich so spielerisch mit Informationssicherheit auseinander. Durch diesen Ansatz sollen die gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Zum Abschluss diskutierten die Referenten gemeinsam Fragen aus dem Publikum. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Cybersicherheit ist Chefsache, erfordert konsequente Prävention, klare Strukturen für den Ernstfall und eine offene Kommunikation – entlang der gesamten Lieferkette.
Stand: 10.07.2026