Mobilität wird zum Standortfaktor für gute Ausbildung
Halle (Saale), 3. August 2026. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres laufen die Vorbereitungen in den Unternehmen auf Hochtouren. Die Betriebe im südlichen Sachsen-Anhalt investieren weiterhin engagiert in die Ausbildung junger Menschen. Das zeigt auch die positive Entwicklung bei den neu eingetragenen Ausbildungsverträgen: Ende Juli 2026 waren bei der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) 2.571 neue Ausbildungsverträge eingetragen.
Damit bewegt sich das Ausbildungsniveau weiterhin auf einem hohen Niveau und liegt leicht über dem Vorjahreswert von 2.564 Verträgen. Gleichzeitig zeigen die aktuelle Ausbildungs- und Azubiumfrage der IHK: Über den Erfolg einer Ausbildung entscheiden immer häufiger nicht das Angebot an Ausbildungsplätzen, sondern die Rahmenbedingungen. Lange Wege zur Berufsschule, unzureichende Verkehrsverbindungen und fehlende Wohnmöglichkeiten erschweren den Zugang zur dualen Ausbildung – insbesondere im ländlichen Raum.
Mobilität entscheidet zunehmend über Ausbildungschancen
Während viele Unternehmen ihre Ausbildungsangebote trotz schwieriger Rahmenbedingungen aufrechterhalten, stoßen Jugendliche auf Hürden, die außerhalb des Einflusses der Unternehmen liegen. Die Ergebnisse machen deutlich: Fachkräftesicherung ist längst auch eine Frage der Mobilitäts- und Infrastrukturpolitik.
„Unsere Unternehmen übernehmen Verantwortung und investieren in die Ausbildung. Damit dieses Engagement Wirkung entfalten kann, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Gute Ausbildung braucht gute Erreichbarkeit – für Unternehmen genauso wie für Berufsschulen", betont Dr. Simone Danek, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung der IHK Halle-Dessau.
Die Befragung der Auszubildenden zeigt: Jeder achte Jugendliche hat bereits ein Ausbildungsangebot wegen eines zu weit entfernten Unternehmens abgelehnt, jeder zehnte wegen einer zu weit entfernten Berufsschule. Während die meisten ihren Ausbildungsbetrieb innerhalb von 30 Minuten erreichen, benötigt fast jeder Dritte für den Weg zur Berufsschule mehr als eine Stunde. Gerade für den Berufsschulbesuch bleibt der öffentliche Nahverkehr daher unverzichtbar.
Zudem konnten nicht alle Auszubildenden, die 2025 ihre Ausbildung begonnen haben, wohnortnah lernen: Zwölf Prozent sind für ihre Ausbildung umgezogen, 14 Prozent benötigen während des Blockunterrichts eine Unterkunft. Bezahlbarer Wohnraum und verlässliche Mobilitätsangebote werden damit zunehmend zu einem Erfolgsfaktor der dualen Ausbildung.
Unternehmen sehen Politik in der Verantwortung
Auch die Unternehmen sehen hier Handlungsbedarf: 37 Prozent sprechen sich für Programme zur Vermittlung von Wohnraum für Auszubildende aus, 36 Prozent für einen einfacheren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen und 26 Prozent für höhere finanzielle Hilfen. Auch staatliche Anreize für Betriebe, die Wohnraum bereitstellen, stoßen auf breite Zustimmung.
„Ausbildung endet nicht am Werkstor. Wenn Auszubildende ihre Berufsschule kaum erreichen oder keine bezahlbare Unterkunft finden, können Unternehmen diese Probleme nicht allein lösen. Hier braucht es gemeinsame Anstrengungen von Land, Kommunen und Verkehrsverbünden", so Danek.
Mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres rücken diese Herausforderungen erneut in den Fokus. Damit möglichst viele junge Menschen ihre Ausbildung erfolgreich beginnen und abschließen können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Aus Sicht der IHK gehören dazu ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr zu den Berufsschulstandorten, ausreichend Wohnraum für den Blockunterricht sowie ein unbürokratischer Zugang zu Unterstützungsleistungen. Gute Ausbildung braucht nicht nur engagierte Unternehmen, sondern auch Rahmenbedingungen, die ihren Erfolg ermöglichen.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.