Visionen von gestern als Impulse für die Wirtschaft von morgen
Dessau-Roßlau, 21. August 2026. Mit einer hochkarätig besetzten Festveranstaltung unter dem Titel „100 Jahre Bauhaus in Dessau. Wie Vision Wirtschaft prägt“ haben die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), die Stiftung Bauhaus Dessau, der Wirtschafts- und Industrieclub Anhalt e. V. sowie die Stadt Dessau-Roßlau das bedeutende Jubiläum des Bauhauses gewürdigt. Im Bauhausmuseum Dessau kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zusammen, um die anhaltende Strahlkraft der Bauhaus-Idee für die Gegenwart und Zukunft der Region zu diskutieren.
Begrüßt wurden die Gäste von den Initiatorinnen der Veranstaltung Dr. Barbara Steiner, Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau, sowie Stefanie Schmidt-Pforte, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Dessau. Beide betonten in ihren einleitenden Worten die besondere Bedeutung des Bauhauses als Ort des kreativen und innovativen Denkens sowie als Impulsgeber für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen weit über die Region hinaus.
„Innovation verlangt Mut. Vielfalt stärkt Wettbewerbsfähigkeit. Zukunft entsteht durch gemeinsames Gestalten.“ Diese drei Gedanken stellte Prof. Dr. Thomas Brockmeier, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK), in den Mittelpunkt seiner Festrede bei der Veranstaltung
Rund 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft diskutierten, welche Impulse die Ideen des Bauhauses heute für Innovation, Transformation und regionale Wertschöpfung geben.
Grußworte sprachen der Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, Dr. Robert Reck, und der Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, Rainer Robra. Beide würdigten das Bauhaus als Erbe von internationaler Strahlkraft und als Standortfaktor für Stadt und Land.
Botschaften der Bauhaus-Meister reichen in die Gegenwart
Gefeiert werde nicht eine Stilrichtung, sondern eine Idee und eine Haltung, so Brockmeier in seiner Rede – „eine Vision, die den Mut hatte, das Bestehende zu hinterfragen und das Morgen zu entwerfen.“
Wirtschaftliche Entwicklungen begännen praktisch nie mit der perfekten Lösung, sondern mit einer Idee. Die Meister des Bauhauses seien in diesem Sinne „Unternehmer des Geistes“ gewesen: „Sie experimentierten. Sie scheiterten. Sie begannen von Neuem.“
Genau diesen Mut brauche die Wirtschaft heute – den Mut, Bestehendes infrage zu stellen, in Forschung und Entwicklung zu investieren und Veränderung selbst zu initiieren, statt sie nur zu erleiden. Viele Unternehmen der Region lebten diesen Geist bereits.
Vielfalt als Wettbewerbsfaktor
Ausdrücklich erinnerte der Hauptgeschäftsführer an die Frauen des Bauhauses und ergänzte: „Vielfalt ist längst keine gesellschaftspolitische Randnotiz mehr. Vielfalt ist ein Wettbewerbsfaktor.“
Und international gelte: „Wer sich abschottet, verliert.“
Fachkräftemangel, industrielle Transformation und Digitalisierung ließen sich nur bewältigen, wenn das gesamte Potenzial der Gesellschaft genutzt werde – unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Das größte Vermächtnis des Bauhauses sei aus seiner Sicht die Überzeugung,
„dass Zukunft gemeinsam gestaltbar ist.“
Dr. Frank Kreißler, Leiter des Stadtarchivs Dessau-Roßlau, beleuchtete in seinem Impulsvortrag die historische Verbindung von Bauhaus und Dessauer Wirtschaftskraft.
Im Anschluss fanden zwei Podiumsdiskussionen unter dem Titel „Wirtschaft im Wandel – Zukunft gemeinsam gestalten“ statt. Im ersten Teil diskutierte Stefanie Schmidt-Pforte mit Dana Ratschke (altro/debolon), Carsten Franzke (SKW Piesteritz), Patrice Heine (Chemiepark Bitterfeld-Wolfen) und Dr. Stefan Matthes (GICON) über die wirtschaftlichen Perspektiven und Herausforderungen der Region. Im Fokus standen Themen wie Transformation, Fachkräftesicherung, Innovationsfähigkeit und die nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Anhalt-Dessau-Wittenberg. Der zweite Teil der Diskussion wurde von Dr. Barbara Steiner moderiert. Gemeinsam mit Kay Frömmigen (KOBA ökologisches Bauen Kochstedt), Dr. Franziska Knoll (WIR! Bündnis GoLehm), Thies Schröder (Forum Rathenau) und Jörg Ullmann (Algenfarm Klötze) richtete sich der Blick auf zukunftsweisende Ideen, Innovationen und Impulse für morgen. Die Gesprächspartner verdeutlichten, wie kreative Ansätze, nachhaltiges Wirtschaften und interdisziplinäre Zusammenarbeit dazu beitragen können, die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu gestalten.
Die Veranstalter zogen ein positives Fazit: Die Festveranstaltung habe eindrucksvoll gezeigt, dass die Ideen des Bauhauses auch 100 Jahre nach seinem Umzug nach Dessau nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Im Gegenteil: Die Verbindung von Gestaltung, Innovation, Wirtschaft und gesellschaftlicher Verantwortung bietet wichtige Orientierungspunkte für die Zukunft der Region und darüber hinaus.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.