IHK-Ausbildungsumfrage 2026
Halle (Saale), 9. Juli 2026. Mehr Ausbildungsverträge, aber weiterhin viele unbesetzte Lehrstellen: Bis Ende Juni 2026 wurden im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) 1.833 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig haben viele Unternehmen nach wie vor Schwierigkeiten, genügend passende Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Ausbildungsumfrage unter den Ausbildungsbetrieben.
Ausbildungsbereitschaft bleibt hoch
„Die Entwicklung bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ist ein ermutigendes Signal. Unsere Unternehmen investieren weiterhin engagiert in die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig zeigt die Umfrage aber deutlich, dass nicht die Zahl der Ausbildungsplätze das Problem ist, sondern die Zahl und Passgenauigkeit der Bewerbungen“, erklärt Dr. Simone Danek, Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung der IHK Halle-Dessau.
51 Prozent der Unternehmen konnten im vergangenen Ausbildungsjahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Hauptursache waren fehlende geeignete Bewerbungen oder ausbleibende Bewerbungen. Hinzu kommen Vertragsauflösungen bereits in der Probezeit – sowohl durch Unternehmen als auch durch Auszubildende.
Gleichzeitig bleibt die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hoch: Viele wollen ihr Ausbildungsangebot stabil halten und investieren gezielt in die Weiterbildung und Entwicklung ihrer Nachwuchskräfte – etwa durch Weiterbildungen, betriebsinterne Qualifizierungen und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten.
„Der Ausbildungsmarkt ist noch in Bewegung. Wer sich jetzt bewirbt, hat in vielen Berufen weiterhin gute Chancen, in diesem Jahr mit einer Ausbildung zu starten – es lohnt sich!“, so Danek.
Ausbildungsreife stärken
Die Umfrage macht zugleich deutlich, dass die Unternehmen immer stärker Defizite bei der Ausbildungsreife junger Menschen wahrnehmen. 96 Prozent der Betriebe stellen entsprechende Mängel fest – ein weiterer Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig nennen sie Defizite bei Belastbarkeit, mentaler Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Motivation sowie der Konflikt- und Kritikfähigkeit. Viele Unternehmen gleichen diese Defizite bereits mit zusätzlichem Engagement aus, etwa durch betriebliche Nachhilfe, längere Praktika oder besondere Förderangebote für lernschwächere Jugendliche.
„Unsere Betriebe übernehmen heute weit mehr als die reine fachliche Ausbildung. Sie gleichen Defizite aus, fördern individuell und investieren zusätzliche Zeit und Ressourcen. Dieses Engagement verdient Anerkennung – dauerhaft kann die Verantwortung für grundlegende Kompetenzen aber nicht allein bei den Unternehmen liegen“, betont Danek.„Wir brauchen eine noch engere Zusammenarbeit von Schulen, Unternehmen und weiteren Bildungspartnern, damit junge Menschen bestmöglich auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet werden.“
Die Ergebnisse der Ausbildungsumfrage zeigen insgesamt: Die Unternehmen stehen weiterhin klar zur dualen Ausbildung. Politik, Schulen und Wirtschaft sind nun gemeinsam gefragt, die Voraussetzungen dafür weiter zu stärken.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.