Weiterhin Flaute – kaum Aussicht auf Verbesserung

Halle (Saale), 11. August 2026. Die regionale Wirtschaft verharrt auch im zweiten Quartal 2026 in einer ausgeprägten Stagnationsphase. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem krisengeprägten Vorquartal etwas erholt, eine nachhaltige Trendwende ist jedoch weiterhin nicht erkennbar. Das IHK-Geschäftsklima bewegt sich erneut nahe der Nulllinie. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) in ihrem aktuellen Konjunkturbericht.
Die Aufhellung der Lageeinschätzung ist vor allem auf den zwischenzeitlichen Rückgang der Energiepreise sowie auf eine gewisse Entspannung der geopolitischen Lage zurückzuführen. Die strukturellen Probleme der Wirtschaft bestehen jedoch unverändert fort. Infolgedessen verschlechtern sich die Geschäftserwartungen wieder deutlich.
IHK-Konjunkturexperte Danny Bieräugel erklärt: „Die Unternehmen bewerten ihre Aussichten wieder pessimistischer. Neben der schwachen Nachfrage belasten vor allem die steigenden Kosten die Stimmung.“
Als zentrale Risiken werden weiterhin insbesondere die Energie- und Rohstoffpreise, die Entwicklung der Arbeitskosten sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt.
„Die hohen Kostenbelastungen und die gestiegene Unsicherheit sind Gift für langfristige Planungen bei Beschäftigung und Investitionen“, so Bieräugel.
Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Thomas Brockmeier sieht Handlungsbedarf: „Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses senden zwar ein wichtiges Signal grundsätzlicher Reformbereitschaft. Insbesondere der geplante Bürokratieabbau, die Genehmigungsfiktion und die risikoorientierte Aufsicht gehen in die richtige Richtung. Für eine echte Trendwende reicht dies jedoch noch nicht aus. Die Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen bei Energie- und Arbeitskosten sowie dauerhaft wettbewerbsfähige Standortbedingungen.“

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen

In der Industrie hat sich die aktuelle Lage zwar etwas erholt, die Zuversicht für die kommenden Monate bleibt jedoch gering. Die Unternehmen berichten wieder häufiger von stabileren Umsätzen und Auftragseingängen, zugleich bleibt die Auslastung der Produktionskapazitäten aber vergleichsweise niedrig. Hohe Energie- und Arbeitskosten und regulatorische Belastungen schränken die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe weiterhin ein. Entsprechend bleiben die Geschäftserwartungen deutlich pessimistisch.
Im Baugewerbe wurden die witterungsbedingten Rückschläge des Jahresauftakts weitgehend aufgeholt, eine grundlegende Trendwende zeichnet sich jedoch weiterhin nicht ab. Die Unternehmen sehen sich mit steigenden Baupreisen und einer schwachen Nachfrage insbesondere im Wohnungsbau konfrontiert. Öffentliche Infrastrukturprojekte und zusätzliche Investitionsmittel sorgen zwar für gewisse Hoffnungen, bislang reichen diese Impulse jedoch nicht aus, um der Branche nachhaltig neue Dynamik zu verleihen.
Das Dienstleistungsgewerbe zeigt auch im zweiten Quartal eine schwache Entwicklung. Insbesondere die steigenden Arbeitskosten belasten die überwiegend personalintensiven Betriebe und führen zu wachsendem Druck auf Margen und Erträge. Gleichzeitig wird es schwieriger, die höheren Kosten vollständig an die Kunden weiterzugeben. Die Geschäftserwartungen haben sich deshalb erneut eingetrübt. Viele Unternehmen reagieren mit einer zurückhaltenden Personalplanung, während Investitionen vor allem in Digitalisierung, Effizienzsteigerungen und die Anpassung bestehender Geschäftsmodelle fließen.
Im Handel wird die aktuelle Lage von vielen Unternehmen noch als vergleichsweise stabil bewertet, die Skepsis bei Erwartungen für die kommenden Monate bleibt jedoch hoch. Die Konsumzurückhaltung vieler Verbraucher trifft auf steigende Kosten und einen zunehmenden Margendruck. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten geringer, höhere Kosten über Preisanpassungen weiterzugeben. Besonders im Einzelhandel machen sich diese Belastungen bemerkbar. Die Unternehmen reagieren zunehmend vorsichtig und fahren sowohl Investitions- als auch Personalpläne zurück.
Das Verkehrsgewerbe schwenkt erneut auf einen Abwärtskurs ein. Vor allem die hohen Kraftstoffkosten sowie steigende Arbeitskosten belasten die Unternehmen erheblich. Gleichzeitig fehlt es aufgrund der schwachen Entwicklung wichtiger Kundenbranchen wie Industrie und Baugewerbe an zusätzlichen Nachfrageimpulsen. Viele Unternehmen sehen sich gezwungen, Preise anzuheben, können die gestiegenen Kosten aber nur teilweise an ihre Kunden weiterreichen. Vor diesem Hintergrund bleiben Investitionen und Neueinstellungen zurückhaltend.
Zur Methodik:
Für den Konjunkturbericht befragt die IHK viermal im Jahr eine repräsentative Stichprobe ihrer Mitgliedsunternehmen. Diese geben dabei unter anderem an, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage bewerten und welche Entwicklung sie zukünftig erwarten.
Die Umfragedaten aus den verschiedenen Branchen werden um saisonale Effekte bereinigt, nach Branchen gewichtet und ausgewertet. Indexwerte zeigen jeweils den Saldo zwischen dem Anteil positiver und negativer Einschätzungen.
Lesebeispiel: Wenn 30 Prozent der befragten Unternehmer die Geschäftslage als schlecht einschätzen, 50 Prozent als neutral und 20 Prozent als gut, dann beträgt der resultierende Wert -10 Punkte. Der Gesamtindex fasst Lagebewertung und Erwartungen zusammen.
Sowohl die Befragung als auch die Auswertung und Hochrechnung der Ergebnisse erfolgen nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden. Im südlichen Sachsen-Anhalt nehmen regelmäßig etwa 600 Unternehmen an der Befragung teil.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.