Präsident Sascha Gläßer: „Wer arbeiten kann, soll die Chance bekommen, sich einzubringen – und dann muss sich Arbeit auch spürbar lohnen.“

Magdeburg/Halle (Saale), 23. Juni 2026. Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) unterstützt die Initiative Bürgerarbeit Sachsen-Anhalt. IHK-Präsident Sascha Gläßer unterzeichnet die gemeinsame Vereinbarung für die IHK Halle-Dessau. Ziel der Initiative ist es, arbeitsmarktferne Menschen stärker zu aktivieren, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und Brücken in Ausbildung, Qualifizierung und reguläre Beschäftigung zu bauen.
„Unser Sozialstaat lebt von Solidarität. Diese Solidarität bleibt stark, wenn Unterstützung und Eigenverantwortung zusammengehören“, erklärt IHK-Präsident Sascha Gläßer. „Wer Hilfe braucht, muss sie erhalten. Wer arbeiten kann, soll aber auch die Chance bekommen und die Erwartung spüren, sich einzubringen. Genau deshalb halten wir die Initiative Bürgerarbeit für wichtig.“
Aus Sicht der IHK Halle-Dessau ist Bürgerarbeit ein geeignetes Instrument, um auf Landesebene konkrete Integrations- und Aktivierungsangebote zu schaffen. Sie kann Tagesstruktur geben, Kompetenzen stärken, gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und Menschen schrittweise wieder an Arbeit heranführen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und der Belastungen der Sozialsysteme sei es wichtig, vorhandene Potenziale besser zu nutzen.
„Wir können es uns weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich leisten, Menschen dauerhaft am Rand des Arbeitsmarktes stehen zu lassen“, so Gläßer. „Jeder, der arbeiten kann, wird gebraucht – in den Betrieben, in den Kommunen und für die Stabilität unserer sozialen Sicherungssysteme.“
Wichtig ist der IHK Halle-Dessau dabei: Bürgerarbeit darf reguläre Beschäftigung nicht ersetzen und keine Wettbewerbsverzerrungen verursachen. Arbeitsgelegenheiten müssen zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sein. Deshalb begrüßt die IHK, dass die Wirtschaft vor Ort in geeignete Abstimmungsformate eingebunden werden soll.
„Bürgerarbeit ist kein Ersatzarbeitsmarkt. Sie muss Brücke sein, nicht Endstation“, betont Gläßer. „Entscheidend ist, dass aus Aktivierung echte Perspektiven entstehen – möglichst in Ausbildung, Qualifizierung oder sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.“
Zugleich sieht die IHK Halle-Dessau den Bund in der Verantwortung, die Initiative durch passende Rahmenbedingungen zu flankieren. Dazu gehören aus Sicht der Wirtschaft insbesondere klare Anreize zur Arbeitsaufnahme und ein Steuer- und Transfersystem, das Leistung belohnt.
„Das Land kann mit Bürgerarbeit wichtige Weichen stellen. Der Bund muss dafür sorgen, dass sich der Schritt in Arbeit immer lohnt“, sagt Gläßer. „Wer morgens aufsteht, Verantwortung übernimmt und arbeitet, muss am Ende spürbar mehr davon haben. Das ist eine Frage der Fairness – und eine Voraussetzung dafür, Fachkräftepotenziale zu heben.“
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.