Wirtschaft fordert zügige Umsetzung des Gesamtpakets

Halle (Saale), 23. Juni 2026. Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) bewertet die Vorschläge der Rentenkommission insgesamt grundsätzlich positiv. Nach Jahren überwiegend punktueller Debatten und Einzelmaßnahmen liege erstmals wieder ein Reformpaket vor, das zentrale Herausforderungen der gesetzlichen Rentenversicherung im Zusammenhang betrachte.
Aus Sicht der regionalen Wirtschaft setzen die Empfehlungen an wichtigen Stellschrauben an: stärkere Orientierung an der demografischen Entwicklung, Begrenzung von Frühverrentungsanreizen, stärkere Kapitaldeckung sowie langfristig bessere Finanzierbarkeit des Systems.
„Die Rentenkommission hat sich an die großen Fragen herangewagt und Vorschläge vorgelegt, die die Realität des demografischen Wandels anerkennen. Das ist ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit unseres Rentensystems“, erklärt Sascha Gläßer, Präsident der IHK Halle-Dessau.
Besonders positiv bewertet die IHK die vorgesehene Kopplung der Regelaltersgrenze an die Entwicklung der Lebenserwartung. Angesichts steigender Lebenserwartung sei es sachgerecht, zusätzliche Lebensjahre zwischen Erwerbs- und Rentenphase ausgewogen zu verteilen.
Auch die schrittweise Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 sowie die Anhebung des frühestmöglichen Zugangsalters zur vorgezogenen Altersrente werden ausdrücklich begrüßt. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangels komme der längeren Erwerbsbeteiligung eine zentrale Bedeutung zu.
„Wer die Rentenversicherung dauerhaft stabil halten will, kommt an einer längeren Erwerbsbeteiligung nicht vorbei. Die Vorschläge setzen hier die richtigen Signale. Erfahrene Beschäftigte werden in den Unternehmen gebraucht – heute mehr denn je“, so Gläßer.
Kritisch sieht die IHK hingegen, dass die Reformvorschläge an den grundlegenden Haltelinien des bestehenden Systems weitgehend festhalten. Beitragshöhe, Rentenanspruch und Renteneintrittsalter bleiben weiterhin die zentralen politischen Steuerungsgrößen. Mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bei Beiträgen, Rentenbeginn und Bezugsdauer hätten aus Sicht der Wirtschaft zusätzliche Chancen eröffnet.
Zu kurz kommt aus Sicht der IHK auch die Berücksichtigung von Familienleistungen. Das Umlagesystem sei dauerhaft auf nachfolgende Generationen angewiesen. Die Rolle von Familien und Kindererziehung für die langfristige Stabilität der Rentenversicherung komme in den Empfehlungen der Kommission jedoch nur am Rande vor.
Kritisch bewertet die IHK zudem die vorgeschlagene Abschaffung des Sonderstatus von Minijobs. Minijobs erfüllten für viele Menschen die Funktion eines niedrigschwelligen Einstiegs in Beschäftigung oder einer ergänzenden Erwerbsmöglichkeit. Zusätzliche Belastungen könnten hier Arbeitsanreize schwächen und insbesondere kleine Betriebe treffen.
Unabhängig von einzelnen Kritikpunkten sieht die IHK Halle-Dessau die größte politische Herausforderung nun darin, das Reformpaket in seiner Gesamtheit voranzubringen.
„Die Vorschläge werden nicht dadurch besser, dass man sie jetzt in Einzelteile zerlegt. Die Politik hat die Chance, eine große Strukturreform auf den Weg zu bringen. Dafür braucht es Mut zur Umsetzung statt neues Rosinenpicken. Entscheidend ist, die Gesamtlogik des Pakets zu erhalten und zügig in die Umsetzung zu kommen“, betont Gläßer.
Aus Sicht der IHK Halle-Dessau bietet die Rentenkommission damit eine wichtige Grundlage für die notwendige Modernisierung der Alterssicherung. Nun liege es an Bundesregierung und Parlament, daraus konkrete Reformschritte abzuleiten und die langfristige Verlässlichkeit des Systems zu stärken.
Die IHK Halle-Dessau ist die gemeinsame Stimme von 52.000 Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt. Ihre Mitglieder sichern 400.000 Arbeitsplätze und tragen mit jährlich 30 Milliarden Euro maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts vereint die IHK Gesamtinteressenvertretung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben.