Fachkräfte
Hürden beim Besetzen und Finden neuer Stellen sind gestiegen
Für Unternehmen und Jobsuchende sind die Hürden beim Finden und Besetzen neuer Stellen laut „XING-Arbeitsmarktreport 2026“ höher geworden. Beschäftigte spüren die Folgen schwer besetzbarer Vakanzen, und Jobsuchende vermissen in Stellenanzeigen Angaben zu Gehalt, Arbeitszeiten oder Homeoffice-Möglichkeiten.
In der Studie berichten 62 Prozent der befragten Personalverantwortlichen, dass die Besetzung offener Stellen in den vergangenen zwölf Monaten schwieriger geworden ist (eher schwieriger: 51 %, deutlich schwieriger: 11 %), nur 17 Prozent erleben sie als einfacher (eher einfacher: 16 %, deutlich einfacher: 1 %). Die Hälfte der Befragten (50 %) sagt zwar, dass sie viele Bewerbungen erhalten, darunter aber zu wenige passende. Bei 81 Prozent der Unternehmen liegt der Anteil qualifizierter Bewerbungen über alle ausgeschriebenen Rollen hinweg bei unter 50 Prozent. Als Hauptgrund für schwer zu besetzende Stellen geben 45 Prozent der Recruiter an, es seien zu wenige fachlich passende Kandidaten am Markt verfügbar. „Jobsuchende und Unternehmen finden nicht zueinander. Die Situation ist paradox: Obwohl Angebot und Nachfrage grundsätzlich vorhanden sind, verschärft sich die Lage am Arbeitsmarkt“, sagt XING-Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl. Bleiben Stellen offen, steigt der Druck – und kann so weiteren Personalbedarf auslösen: 53 Prozent der Befragten in den Human Resources-Abteilungen sagen, dass dadurch bestehende Teams höher belastet werden. 29 Prozent sagen, dass Mitarbeitende deshalb das Unternehmen verlassen.
Die Beschäftigten
Die Beschäftigten spüren die Auswirkungen des Fachkräftemangels wie folgt: 35 Prozent berichten von Schwierigkeiten, passendes Personal zu finden. Eine erhöhte Arbeitsbelastung nehmen 27 Prozent wahr, ein gestiegenes Stresslevel 25 Prozent. Personalmangel ist darüber hinaus mit Abstand der relevanteste Produktivitätskiller: 36 Prozent nennen ihn als größte Einschränkung im Arbeitsalltag, dahinter folgen Bürokratie bzw. administrativer Aufwand (27 %) und langsame Entscheidungen (26 %).
Den Beschäftigten zufolge kümmern sich nur 13 Prozent der Unternehmen verstärkt um die Anliegen der Mitarbeitenden, um sie zum Bleiben zu bewegen. „Hier herrscht ganz klarer Handlungsdruck auf Seiten der Unternehmen“, sagt XING-Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl. „Wenn man einerseits mit massiven Schwierigkeiten im Recruiting kämpft, aber andererseits viel zu wenig tut, um Mitarbeitende zu halten, dann ist ein Teil des Problems hausgemacht.“
Fast jeder zweite Beschäftigte (42 %) erlebt die aktuelle Jobsuche in seinem beruflichen oder privaten Umfeld als schwieriger als früher (eher schwieriger: 24 %, deutlich schwieriger: 18 %), nur 15 Prozent nehmen sie als einfacher wahr. Vor allem die 25- bis 34-Jährigen (50 %) empfinden die Entwicklung als problematisch. Bei Frauen (46 %) fällt die Bewertung negativer aus als bei Männern (38 %).
Bewerber vermissen zentrale Informationen in Stellenanzeigen
Zu der Tatsache, dass Talente und Unternehmen offenbar immer weniger zueinander finden, kann auch beitragen, dass Jobsuchenden in Stellenanzeigen vor allem Angaben zu Gehalt (54 %) und Arbeitszeiten (38 %) fehlen. Jeweils rund ein Fünftel vermisst Informationen zu Homeoffice-Möglichkeiten (22 %), zum Team (21 %) sowie zu Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten (21 %). Im Bewerbungsprozess selbst wünschen sich Beschäftigte vor allem Klarheit und Tempo.
51 Prozent erwarten eine schnelle Absage, wenn es nicht passt, 46 Prozent eine persönliche Rückmeldung innerhalb weniger Tage, jeweils 42 Prozent Transparenz über den Status beziehungsweise klare Informationen zu den nächsten Schritten. „Recruiting ist mehr als die Besetzung einer Vakanz“, sagt Dr. Julian Stahl. „Jeder Kontakt im Bewerbungsprozess vermittelt auch ein Bild davon, wie ein Unternehmen arbeitet, kommuniziert und mit Menschen umgeht. Und wer hier von Anfang an punkten kann, optimiert seine Chancen, in einem schwierigen Markt als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.“
Der XING-Arbeitsmarktreport wurde zum dritten Mal in Folge vom Marktforschungsinstitut Appinio unter 2000 Angestellten (18 bis 65 Jahre, repräsentativ für Alter und Geschlecht) sowie 300 Recruitern in Deutschland als Online-Umfrage durchgeführt.
Stand: 13.10.2026
