Tourismus

Saisonumfrage Gastgewerbe: Top-Risiken – Preise und Arbeitskosten

Die Ergebnisse der IHK-Frühjahrsumfrage zur Wintersaison 2025/2026 im Gastgewerbe für das Gebiet der IHK Hannover verdeutlichen sowohl hinsichtlich der Stimmungslage als auch bezogen auf die harten Fakten (Entwicklung von Umsätzen und Auslastung), dass die multiplen geopolitischen Probleme – verstärkt zum Ende der Wintersaison durch die zusätzlichen kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten mit der Folge der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus und ihren energie- und lieferkettenbezogenen Konsequenzen –, die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten und die steigende Inflation spürbare Auswirkungen auf das Urlaubs- und Konsumverhalten der vorhandenen wie auch der fehlenden Gäste haben. Trotz gegenwärtig nur sehr übersichtlicher, Hoffnung spendender (wirtschafts-)politischer Bewegung auf den verschiedenen „Schauplätzen“ blicken die Betriebe zumindest teilweise mit ganz leichtem Optimismus auf die kommenden Monate. Die Hauptrisiken liegen dabei weiter in den Kosten für Waren, Energie und Personal.
Geschäftslage, Umsätze und Auslastung
Die Stimmungslage im Gastgewerbe der IHK-Region Hannover hat sich im Vergleich zu der Umfrage im vergangenen Frühjahr ungünstiger entwickelt. Waren vor Jahresfrist rund dreiviertel der Teilnehmenden (73,4 %) zufrieden bis sehr zufrieden mit der eigenen Geschäftslage, so geben ihr aktuell nur noch rund sechs von zehn Unternehmen eine Zufriedenheit signalisierende Bewertung. Der Anteil der Betriebe mit höheren oder zumindest unver­änderten Umsatzzahlen ist in der abgelaufenen Wintersaison zwar nur geringfügig von 55,2 Prozent im Frühjahr 2025 auf 51,1 Prozent (davon 23,0 % mit höheren Umsätzen) zurückgegangen. Allerdings ist der hierin enthaltene Anteil der Betriebe mit gestiegenen Erlösen kräftig auf nur noch 9,6 Prozent eingebrochen.
Die Auslastung verfügbarer Beherbergungskapazitäten weist im Vorjahresvergleich eine stabilere, aber vergleichsweise impulsarme Entwicklung auf. So registrieren einerseits nur noch 7,9 Prozent der Teilnehmenden eine stärkere Zimmer- bzw. Stellplatzauslastung. Andererseits ist der Anteil der Unternehmen mit schwächerer Auslastung von 63,8 Prozent auf 48,3 Prozent gesunken.
Geschäfts-, Preis- und Beschäftigungsentwicklung und Konjunkturklimaindex
Die Aussagen der teilnehmenden Unternehmen zur voraussichtlichen Entwicklung ihrer Geschäftslage in der Sommersaison 2026 zeugen von einer leicht positiven Erwartungshaltung: Waren vor Jahresfrist nur 11,5 Prozent von einer günstigeren Geschäftsentwicklung in der anstehenden Sommersaison ausgegangen, so hat sich dieser Anteil leicht auf 14,5 Prozent erhöht. Zudem hat sich der Anteil der Unternehmen, die eine ungünstigere Entwicklung der eigenen Geschäftslage erwarten, von 38,9 Prozent auf 36,9 Prozent marginal verringert. Der Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Lage und die Aussichten in einem Wert zwischen 0 und 200 zusammenfasst, hat sich mit einem Wert von 79,2 zwar im Vergleich zum Frühjahr 2025 (84,4) rückläufig entwickelt, hat jedoch gegenüber der letztjährigen Herbstumfrage leicht zugelegt (73,0). Für die Sommersaison 2026 planen nur noch 18,3 Prozent der teilnehmenden Unternehmen die Übernachtungs- bzw. Verzehrpreise zu erhöhen. Damit verliert die Preisrallye deutlich an Dynamik. Die Entwicklung bei der Beschäftigung weist klar auf Kontinuität und Stabilität mit Tendenz zu leichten Zuwächsen hin.
Top-Risiken
Als gravierendstes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten sehen 80,3 Prozent der antwortenden Unternehmen aus dem Gastgewerbe die Preise für Energie, Rohstoffe und Lebensmittel an, gefolgt von den Arbeitskosten (75,7 %) sowie – bei zunehmender Gewichtung – den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (67,6 %). Ein deutlich stärkeres Gewicht hat die Nachfrage als Risikofaktor erhalten: Mit 33,5 Prozent rangiert die Auslandsnachfrage dabei auf Platz 4 vor der Inlandsnachfrage mit 31,8 Prozent. Der Personal-/Fachkräftemangel hat an Brisanz eingebüßt, wird jedoch von nahezu jedem dritten Unternehmen als größtes Risiko eingeschätzt.
Investitionen und Arbeits-/Fachkräfte
Bei der Investitionsbereitschaft fährt das Gastgewerbe derzeit mit angezogener Handbremse. Zwar wollen insgesamt 36,9 Prozent der Antwortenden mehr oder zumindest in gleichem Ausmaß investieren. Allerdings bedeutet dies gegenüber dem Herbst 2025 (62,1 %) einen deutlichen Rückschritt. Bei den Investitionsmotiven stehen unverändert mit 55,6 Prozent Modernisierungsmaßnahmen an erster Stelle vor der Produktinnovation mit nun 39,3 Prozent.
Drei von zehn Betrieben bestätigen, dass sie derzeit offene Stellen längerfristig nicht besetzen können, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden.
Sonderthema Künstliche Intelligenz (KI)
Bei den Sonderfragen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bestätigen 26,4 Prozent der Betriebe, dass im eigenen Hause Künstliche Intelligenz eingesetzt werde; weitere 8,2 Prozent planen ihren Einsatz. Bei den Anwendungsbereichen der KI liegt Marketing mit 28,6 Prozent deutlich an der Spitze, gefolgt von Gästekommunikation & Kundenservice mit 13,2 Prozent und Buchhaltung mit 12,1 Prozent. Die mit deutlichem Abstand größten Vorteile des Einsatzes von KI werden bei der Entlastung von Mitarbeitenden erwartet (63,5 %). Auf den Plätzen folgen Produktivitätssteigerungen (36,5 %), Kostensenkungen (27,0 %) und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit (18,9). Die größten Hemmnisse für den Einsatz von KI im Gastgewerbe liegen den Ergebnissen der Umfrage zufolge in den beiden Themen Datenschutz- und Rechtsunsicherheit (48,0 %) und Mangel an Fachpersonal/Know-how (45,9 %).
An der IHK-Frühjahrsumfrage zur Wintersaison 2025/2026 im Gastgewerbe für das Gebiet der Industrie- und Handelskammer Hannover haben sich 55 Unternehmen aus dem Beherbergungsgewerbe, aus Gastronomie und Campingwirtschaft beteiligt. In Niedersachsen haben sich insgesamt 321 Unter­nehmen an der Umfrage beteiligt.
Die Details können Sie dem neun Seiten umfassenden Bericht sowie den Charts (3 Seiten) entnehmen:

Stand: 15.06.2026