Finanzierung & Förderung
EU investiert mit „Global Gateway“ in die Märkte von morgen
Die EU investiert im Rahmen ihrer Investitionsstrategie „Global Gateway“ weltweit in Energie, Digitalisierung, Verkehr, Gesundheit, Forschung und Bildung. Für deutsche Unternehmen entstehen daraus neue Geschäftschancen in einigen der dynamischsten Wachstumsregionen der Welt.
Von Ruanda bis Uruguay: Europas globale Infrastruktur-Offensive
In Ruanda entsteht eine Produktionsstätte für mRNA-Impfstoffe. Namibia entwickelt sich zu einem wichtigen Standort für grünen Wasserstoff und kritische Rohstoffe. Zwischen Europa und Lateinamerika werden digitale Datenverbindungen ausgebaut, während in Indonesien neue Schienenverbindungen entstehen und indische Metropolen ihre Verkehrssysteme modernisieren.
Dies Projekte sind nur einige Beispiele der Global Gateway Offensive der Europäischen Union. Mit Global Gateway verfolgt die Europäische Union das Ziel, hochwertige Infrastruktur weltweit auszubauen und gleichzeitig langfristige wirtschaftliche Partnerschaften zu schaffen.
Dabei geht es um weit mehr als neue Straßen, Stromnetze oder Datenkabel. Infrastruktur wird zunehmend zu einem strategischen Faktor: für Wettbewerbsfähigkeit, Rohstoffversorgung, Energiewende und stabile Lieferketten. Bis 2027 sollen Investitionen von bis zu 300 Milliarden Euro mobilisiert werden. Für die Partnerländer geht es um Entwicklung und Wachstum. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich neue Märkte, Geschäftschancen und strategische Partnerschaften
Was steckt hinter Global Gateway?
Global Gateway ist die internationale Investitionsstrategie der Europäischen Union. Sie wurde 2021 ins Leben gerufen, um die weltweite Investitionslücke in Bereichen wie Digitalisierung, Energie, Verkehr, Gesundheit sowie Bildung und Forschung zu schließen. Ziel ist es, intelligente, saubere und verlässliche Verbindungen zwischen Europa und seinen Partnerregionen aufzubauen.
Anders als ein klassisches Förderprogramm ist Global Gateway kein einzelner Fonds und auch kein neues Finanzierungs- und Förderinstrument. Der Hub ist eine Anlaufstelle der Europäischen Kommission für Investitionsvorhaben in Afrika, Asien und Lateinamerika. Er bündelt bestehende europäische und nationale Finanzierungs- und Unterstützungsinstrumente mit dem Ziel sie für strategische Projekte von Unternehmen sichtbar und nutzbar zu machen.
In Deutschland wird diese Funktion gemeinsam durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie das Auswärtige Amt getragen. Unterstützt werden sie unter anderem von KfW, DEG, GIZ, GTAI und Euler Hermes.
Im Mittelpunkt stehen dabei Investitionen, die sowohl den Partnerländern als auch Europa einen langfristigen Nutzen bringen. Es geht also nicht nur um Entwicklungspolitik. Die Strategie ist zugleich eine Antwort auf die zunehmende geopolitische Konkurrenz um Märkte, Rohstoffe, Energiequellen und Technologien. Deutlich wird dies insbesondere in drei Bereichen:
Kritische Rohstoffe
Die Energiewende und die Digitalisierung erhöhen den Bedarf an Rohstoffen wie Lithium, Grafit oder Seltenen Erden. Global Gateway unterstützt Partnerländer dabei, diese Ressourcen nachhaltig zu erschließen und lokale Wertschöpfung aufzubauen. Gleichzeitig stärkt Europa den Zugang zu strategisch wichtigen Lieferketten.
Die Energiewende und die Digitalisierung erhöhen den Bedarf an Rohstoffen wie Lithium, Grafit oder Seltenen Erden. Global Gateway unterstützt Partnerländer dabei, diese Ressourcen nachhaltig zu erschließen und lokale Wertschöpfung aufzubauen. Gleichzeitig stärkt Europa den Zugang zu strategisch wichtigen Lieferketten.
Energie
Viele Projekte konzentrieren sich auf erneuerbare Energien, Stromnetze und grünen Wasserstoff. Sie sollen sowohl den Partnerländern beim Umbau ihrer Energiesysteme helfen als auch Europas langfristige Versorgungssicherheit stärken.
Viele Projekte konzentrieren sich auf erneuerbare Energien, Stromnetze und grünen Wasserstoff. Sie sollen sowohl den Partnerländern beim Umbau ihrer Energiesysteme helfen als auch Europas langfristige Versorgungssicherheit stärken.
Lieferketten und Märkte
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Mit Investitionen in Verkehrs- und Logistikinfrastruktur will Europa neue Handelskorridore schaffen und wirtschaftliche Beziehungen langfristig vertiefen.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Mit Investitionen in Verkehrs- und Logistikinfrastruktur will Europa neue Handelskorridore schaffen und wirtschaftliche Beziehungen langfristig vertiefen.
Warum das deutsche Unternehmen interessieren sollte
Der Infrastrukturbedarf in Entwicklungs- und Schwellenländern ist enorm. Benötigt werden Stromerzeugung und Stromnetze, Häfen und Schienenwege, digitale Infrastruktur, Gesundheitseinrichtungen sowie moderne Bildungsangebote. Für deutsche Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Nachfrage. Nachfrage in den Bereichen Erneuerbare Energien, Wasserstoffwirtschaft, Verkehrs- und Bahntechnik, Digitalisierung und Telekommunikation, Gesundheitswirtschaft, Umwelt- und Klimatechnologien oder dem Maschinen- und Anlagenbau.
Viele der Projekte wären aufgrund politischer, regulatorischer oder finanzieller Risiken ohne internationale Unterstützung allerdings nicht oder nur schwer umzusetzen. Global Gateway will genau diese Hürden abbauen und private Investitionen mobilisieren.
Welche Unterstützung möglich ist
Finanzielle Unterstützung
Je nach Projekt können verschiedene Instrumente kombiniert werden:
- Projektentwicklungsfinanzierung
- Investitionszuschüsse
- Garantien
- Eigenkapitalbeteiligungen
- Fremdkapitalfinanzierungen
- Absicherung von Wechselkursrisiken
- Finanzierung ergänzender Infrastrukturmaßnahmen
Ziel ist es, Projekte bankfähig zu machen und private Investitionen zu mobilisieren.
Nicht-finanzielle Unterstützung
Ebenso wichtig ist die Unterstützung vor Ort:
- Wirtschaftsdiplomatie
- Kontaktvermittlung zu Behörden und Regierungen
- Unterstützung bei regulatorischen Fragen
- Hilfe bei Ausschreibungen
- Partnersuche in Europa und im Zielland
Welche Projekte gesucht werden und welche Voraussetzungen gelten
Nicht jedes Auslandsprojekt fällt automatisch unter Global Gateway. Die EU konzentriert sich auf Vorhaben, die sowohl den Partnerländern als auch europäischen Interessen einen langfristigen Mehrwert bieten.
Grundsätzlich sollte ein Projekt folgende Kriterien erfüllen:
- Es gehört zu den Schwerpunktbereichen von Global Gateway: Energie und Klima, Transport, Digitalisierung, Gesundheit oder Bildung und Forschung.
- Es geht um ein Projekt in den Partnerländern der europäischen Entwicklungszusammenarbeit (DG INTPA), insbesondere in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und der Karibik sowie in Asien und dem Pazifikraum. Auch ausgewählte Länder des Nahen Ostens werden berücksichtigt.
- Es leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Partnerland.
- Es entspricht hohen Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards.
- Es steht im Einklang mit den Entwicklungszielen des Partnerlandes und wird dort unterstützt.
- Das Vorhaben dient zugleich europäischen Interessen, etwa durch die Stärkung von Lieferketten, die Förderung von Zukunftstechnologien oder den Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen.
- Der Projektträger hat seinen Sitz in der EU; für die deutsche Anlaufstelle gilt zusätzlich, dass das antragstellende Unternehmen in Deutschland ansässig sein muss.
- In der Regel wird ein Projektvolumen von mindestens zehn Millionen Euro erwartet. Für besonders strategische Leuchtturmprojekte können Ausnahmen möglich sein.
Diese Bewertungskriterien stellen in transparenter Weise dar, nach welchen Bewertungsmaßstäben die EU-Kommission / DG INTPA eine ergänzende Unterstützung in Betracht zieht und wie die deutsche Anlaufstelle sie ggf. konkretisiert. Sie sind nicht alle zwingend zu erfüllen. Je mehr Kriterien erfüllt werden bzw. je stärker das Kriterium bedient wird, umso höher ist die Möglichkeit einer Unterstützung. Es gibt keinen Anspruch auf eine Unterstützung. Weitere Informationen stehen auf den Webseiten der deutschen Anlaufstelle zur Verfügung.
Auch eine Liste der Projekte für das Jahr 2026 ist veröffentlicht. Die Vielfalt der Global-Gateway-Projekte zeigt, wie breit die Strategie inzwischen aufgestellt ist. Ein kurzer Überblick:
Energie und Klima
- „Electricity without Borders“ zur Versorgung ländlicher Regionen mit sauberer Energie
- Wasserkraftprojekte Rogun und Sebzor in Tadschikistan
- Regionale Stromnetze für erneuerbare Energien in Südostasien
- Wasserstoff- und Rohstoffpartnerschaften in Namibia
Digitalisierung
- Ausbau sicherer Datenverbindungen
- Glasfaser- und Unterseekabelprojekte wie die BELLA-Verbindungen zwischen Europa und Lateinamerika
Gesundheit
- Aufbau eines afrikanischen Impfstoff-Ökosystems
- mRNA-Impfstoffproduktion in Ruanda
Verkehr und Logistik
- Regionalbahnprojekt im Großraum Surabaya in Indonesien
- Metroprojekte in Indien
- Hafenmodernisierung in Gambia und Cabo Verde
- Straßenbauprojekte in Guinea-Bissau
Wer Unternehmen in Deutschland unterstützt
Wer ein Investitionsvorhaben im Rahmen von Global Gateway prüfen möchte, muss sich nicht direkt an die Europäische Kommission wenden. In Deutschland gibt es dafür eine nationale Anlaufstelle. Diese wird gemeinsam vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie dem Auswärtigen Amt (AA) getragen. Unterstützt werden sie durch die wichtigsten Akteure der deutschen Außenwirtschafts- und Entwicklungsfinanzierung, darunter die DEG, die KfW, die GIZ, Germany Trade & Invest (GTAI), Euler Hermes und die Agentur für Wirtschaft & Entwicklung (AWE).
Das sogenannte „Team National“ prüft eingehende Projektvorschläge zunächst auf ihre grundsätzliche Eignung für Global Gateway. Fällt die Vorprüfung positiv aus, erhalten Unternehmen Unterstützung bei der Identifikation passender Förder- und Finanzierungsinstrumente auf deutscher und europäischer Ebene.
Auf den Seiten der deutschen Anlaufstelle des Global Gateway Investment Hub finden sich weitere Informationen zu den Auswahlkriterien, dem Antragsformular und dem Bewerbungsprozess. Ebenso stellt die Europäische Kommission in der Rubrik Investment Hub - International Partnerships - European Commission einen Leitfaden zur Verfügung.
Infokasten: Interesse an einem Global-Gateway-Projekt?
Unternehmen können Projektideen und Investitionsvorhaben über die deutsche Anlaufstelle des Global Gateway Investment Hub vorstellen. Dort erhalten sie eine erste Einschätzung, ob das Vorhaben zu den Zielen der Initiative passt und welche Unterstützungsangebote infrage kommen.
Weitere Informationen und Kontakt:
→ Deutsche Anlaufstelle des Global Gateway Investment Hub
→ Investment Hub - International Partnerships - European Commission
→ ENEST Global Gateway Investment Hub - Enlargement and Eastern Neighbourhood
→ Projekt einreichen
Unternehmen können Projektideen und Investitionsvorhaben über die deutsche Anlaufstelle des Global Gateway Investment Hub vorstellen. Dort erhalten sie eine erste Einschätzung, ob das Vorhaben zu den Zielen der Initiative passt und welche Unterstützungsangebote infrage kommen.
Weitere Informationen und Kontakt:
→ Deutsche Anlaufstelle des Global Gateway Investment Hub
→ Investment Hub - International Partnerships - European Commission
→ ENEST Global Gateway Investment Hub - Enlargement and Eastern Neighbourhood
→ Projekt einreichen
Stand: 27.10.2026
