27.01.2026

EU-Indien-Freihandelsabkommen

Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien schafft einen neuen Rahmen für den bilateralen Warenverkehr.
Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere der schrittweise Zollabbau, die Voraussetzungen für den präferenziellen Ursprung sowie die formellen Anforderungen an den Präferenznachweis.
Bereits im Februar 2026 hat die EU-Kommission den Text des EU-Indien Abkommens samt Anhängen veröffentlicht. Damals haben allerdings unter anderem die präferenziellen Ursprungsregeln gefehlt.
Am 11. September 2026 hat die Kommission nun die bereinigte und vollständige Fassung dem Rat zur Genehmigung vorgelegt. Zu den Dokumenten, die auch die Zollabbaustufen (Anhang 2-A) und die präferenziellen Ursprungsregeln (Anhang 3-B) umfassen, gelangen Sie hier: COM(2026)482 - Register of Commission Documents
Zeitplan zur Anwendbarkeit: Die vorläufige Anwendbarkeit des Handelsteils soll in den ersten Monaten 2027 möglich werden. Das Abkommen muss noch unterzeichnet werden, außerdem müssen jeweils die Voraussetzung für das Inkraftreten geschaffen werden.

Zollabbau und Zollsenkung

Das Freihandelsabkommen sieht vor, dass Zölle auf Ursprungswaren schrittweise reduziert oder vollständig abgeschafft werden. Entscheidend sind die Zolltarifnummer der Ware, der im Abkommen festgelegte Basiszollsatz und die jeweilige Abbaukategorie.
Für Waren mit Ursprung in Indien bei der Einfuhr in die Europäische Union ist Appendix 2-A-1 – Schedule of tariff commitments of the European Union maßgeblich.
Für Waren mit Ursprung in der Europäischen Union bei der Einfuhr nach Indien gilt Appendix 2-A-2 – Schedule of tariff commitments of India.

Zeitpunkt der Zollsenkung

Jahr 1 beginnt mit dem Tag des Inkrafttretens des Abkommens und endet bereits am 31. Dezember desselben Jahres. Die folgenden Abkommensjahre beginnen jeweils am 1. Januar.
Einfuhrrichtung Kategorie Grundprinzip
Indien → EU A zollfrei ab Inkrafttreten
Indien → EU B3 Abbau in vier gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 4
Indien → EU B5 Abbau in sechs gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 6
Indien → EU B7 Abbau in acht gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 8
Indien → EU GSP-B3/B5/B7 entsprechender FTA-Abbau; zusätzlich GSP-Vergleich bis Ende Jahr 7
EU → Indien EIF zollfrei ab Inkrafttreten
EU → Indien E5 Abbau in sechs gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 6
EU → Indien E7 Abbau in acht gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 8
EU → Indien E10 Abbau in elf gleichen Stufen; zollfrei ab Jahr 11
Für Einfuhren aus Indien sieht das Abkommen zusätzlich vor, dass bei Waren der Kategorien GSP-B3, GSP-B5 und GSP-B7 bis zum Ende des siebten Abkommensjahres der niedrigere GSP-Zollsatz angewendet wird, wenn der am Tag vor Inkrafttreten geltende GSP-Satz günstiger ist als die jeweilige FTA-Konzession. Die Kategorie X bleibt vom Zollabbau ausgeschlossen und unterliegt dem anwendbaren Meistbegünstigungszoll.
Für Exporte nach Indien bestehen neben den Kategorien EIF, E5, E7 und E10 weitere Abbaumodelle. Dazu gehören beispielsweise verzögerte Abbaustufen, Restzollsätze, die Kategorien AB 7 und AB 10, Tarifreduzierungen um 20 oder 50 Prozent sowie Waren, die mit EL vollständig von den Zollverpflichtungen ausgenommen sind.

Sonderregelungen und Zollkontingente

Nicht sämtliche Waren folgen einem einfachen linearen Zollabbau. Das Abkommen enthält zahlreiche Sonderregelungen, insbesondere für Agrarerzeugnisse, Lebensmittel, alkoholische Getränke, Fahrzeuge und bestimmte Industrieprodukte.
Hierzu zählen unter anderem:
  • Zollkontingente beziehungsweise Tariff Rate Quotas (TRQ),
  • Mindestimportpreise,
  • Preisbandregelungen,
  • saisonale Zollkontingente,
  • spezifische Zölle, beispielsweise EUR je 1.000 Kilogramm,
  • Restzölle,
  • Entry-Price-Regelungen,
  • besondere Fahrzeugkontingente und Preisgrenzen,
  • sowie besondere Stahlkontingente.

Ursprungskennzeichnung: „Made in the EU“

Wenn Indien bei der Einfuhr eine Ursprungskennzeichnung verlangt, muss für Waren aus der Europäischen Union die Kennzeichnung „Made in the EU“ oder ein entsprechendes sprachliches Äquivalent akzeptiert werden.
Eine Verpflichtung, einen einzelnen Mitgliedstaat anzugeben, besteht in diesem Fall nicht. Die Europäische Union wird für die Zwecke der Ursprungskennzeichnung ausdrücklich als ein einheitliches Gebiet behandelt.

Präferenzieller Warenursprung

Die im Abkommen vorgesehenen reduzierten Zollsätze gelten ausschließlich für Ursprungswaren der Europäischen Union oder Indiens. Diese müssen entweder gemäß den Abkommensregeln
  • vollständig gewonnen oder hergestellt sein oder
  • die produktspezifischen Ursprungsregeln (Product-Specific Rules of Origin (PSR) in Annex 3-B)
Hinweis: Die Ursprungsregeln werden ab Anwendbarkeit des Abkommens in der Datenbank des Zolls Wup online abgebildet

Weitere Regelungen:

  • Die allgemeinen Toleranzgrenzen unterscheiden sich nach Warengruppe. Sie betragen insbesondere:
    • für die HS-Kapitel 1 bis 8 sowie 10 und 13 höchstens 5 Prozent des Gewichts,
    • für bestimmte Waren der Kapitel 9, 11, 12 sowie 14 bis 24 höchstens 10 Prozent des Gewichts,
    • für Textilien der Kapitel 50 bis 63 gelten besondere Toleranzregelungen,
    • bei sonstigen Waren grundsätzlich höchstens 10 Prozent des Ab-Werk-Preises beziehungsweise des FOB-Werts.
  • bilaterale Kumulierung zwischen der EU und Indien ist möglich
  • Übergangsregeln bei den produktspezifischen Ursprungsregeln. Je nach Tarifposition bestehen Übergangsregelungen beispielsweise für Zeiträume von 7,5 oder 10 Jahren ab Inkrafttreten. Unternehmen sollten daher bei der Ursprungsprüfung nicht ausschließlich die dauerhafte Regel in Annex 3-B prüfen, sondern zusätzlich feststellen, ob für ihre Ware zunächst eine der Übergangsregeln gilt.
  • Appendix 3-B-4 enthält darüber hinaus besondere Ursprungsquoten. Innerhalb der dort festgelegten jährlichen Mengen können für bestimmte Waren alternative produktspezifische Ursprungsregeln genutzt werden. Dies betrifft unter anderem bestimmte Garnelen und bestimmte Aluminiumwaren.
  • kein Direkttransport vorgeschrieben, Lagerungen oder Umladung unter zollamtlicher Überwachung erlaubt

Präferenznachweis

Der Präferenz wird grundsätzlich auf einen Ursprungsnachweis in Form eines Statement on Origin gestützt.
Bei der Einfuhr in die Europäische Union kann der Präferenzantrag alternativ auf Importer’s Knowledge beruhen. Diese Möglichkeit besteht nach dem derzeitigen Vertragstext nur auf EU-Seite. Der Importeur muss in diesem Fall über Informationen verfügen, aus denen sich ergibt, dass die Ware Ursprung in der exportierenden Vertragspartei besitzt und sämtliche einschlägigen Voraussetzungen des Ursprungsprotokolls erfüllt.

Verantwortung des Importeurs

Der Importeur ist für die Richtigkeit der Präferenz und die Einhaltung der Voraussetzungen des Ursprungsprotokolls verantwortlich. Wird der Präferenz auf ein Statement on Origin gestützt, muss der Importeur dieses grundsätzlich bereits im Zeitpunkt der Beantragung der Präferenz besitzen.
Für Einfuhren nach Indien sieht das Abkommen zusätzlich vor, dass der Importeur in der Bill of Entry erklärt, dass die eingeführten Waren Ursprungserzeugnisse sind, und die Angaben zum Statement on Origin dort einträgt.

Statement on Origin

Das Statement on Origin ist der grundsätzlich vorgesehene Präferenznachweis des Abkommens.
Es wird vom Exporteur oder vom Produzenten auf Grundlage von Informationen erstellt, die belegen, dass die Ware die Ursprungsvoraussetzungen erfüllt. Das Statement on Origin muss mit einer Rechnung oder einem anderen Handelsdokument verbunden sein, das die Waren so genau beschreibt, dass sie eindeutig identifiziert werden können.

Form und Gültigkeit

Das Statement on Origin muss dem Muster in Annex 3-C entsprechen. Es ist in englischer Sprache zu erstellen.
Das Statement on Origin ist ab dem Tag seiner Ausstellung zwölf Monate gültig. Es kann für eine einzelne Sendung mit einer oder mehreren Waren gelten.
Bei bestimmten unmontierten oder demontierten Waren der HS-Abschnitte XV bis XXI, die in Teilsendungen eingeführt werden, kann unter den Voraussetzungen der Zollbehörden auch ein einziges Statement on Origin verwendet werden.
Geringfügige Fehler, Schreibfehler oder Formatierungsabweichungen im Statement on Origin führen nicht automatisch zur Ablehnung der Präferenz, sofern dadurch keine Zweifel am Ursprung der Ware entstehen.

Authentifizierung des Statement on Origin

Das Abkommen sieht für die Authentifizierung von Statements on Origin einen elektronischen beziehungsweise anderweitig festgelegten Authentifizierungsmechanismus vor. Die konkrete Authentifizierung richtet sich nach Annex 3-D. In der EU wird das bestehende REX-Portal für diesen Zweck ausgebaut. Ende 2026 soll dieses einsatzbereit sein.
Sollte der vorgesehene Authentifizierungsmechanismus bei einer Vertragspartei am Tag des Inkrafttretens noch nicht funktionsfähig sein, sieht das Abkommen als Übergangslösung vor, dass die zuständige Behörde der exportierenden Vertragspartei ein im Abkommen als Certificate of Origin bezeichnetes Dokument nach Annex 3-E aus. Es handelt sich dabei um die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1

Nachträgliche Gewährung der Präferenz

Wurde die Präferenz bei der Einfuhr nicht beantragt oder wurde sie zunächst abgelehnt, weil ein Statement on Origin nicht authentifiziert werden konnte, kann die Präferenz nachträglich gewährt werden.
Voraussetzung ist insbesondere,
  • dass der Antrag grundsätzlich spätestens innerhalb eines Jahres nach der Einfuhr gestellt wird, sofern das jeweilige nationale Recht keine längere Frist vorsieht,
  • dass die für den Präferenzantrag erforderliche Ursprungsgrundlage vorgelegt wird,
  • und dass die Ware bereits zum Zeitpunkt der Einfuhr sämtliche materiellen Voraussetzungen für die Präferenz erfüllt hat.
In diesem Fall können zu viel entrichtete Zölle erstattet oder erlassen werden.

TEMPLATE OF THE STATEMENT ON ORIGIN

Statement on origin
Free Trade Agreement between the European Union and India
1. Unique identification number of the Statement on Origin (1): __________
2. Exporter details
Name:
Reference number (2):
Address:
Telephone Number (optional):
E-mail Address (optional):
3. Importer details (optional)
Name:
Address:
Telephone Number (optional):
E-mail Address (optional):
4. Invoice number or any other commercial document (3), and date
5. Description of the Product(s) or Item Number in the Invoice or other commercial document (4)
6. HS Tariff Classification (5)
7. Origin criterion (6)
8. Application of Article 2(2) (7)
9. Declaration of the exporter (8)
The exporter of the products covered by this document declares that these products are of ...……… (9) origin
10. Place and Date