27.07.2026

Deutlich höhere Ausgaben im Bundeshaushalt 2027 geplant

Mit dem Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 und der Finanzplanung bis 2030 beginnen nun die intensiven Haushaltsberatungen im Bundestag, bei denen sich zunächst die Fachausschüsse mit den jeweiligen Einzelplänen beschäftigen, der Haushaltsausschuss alles zusammenführt und am Ende das Parlament über die Ausgaben des Bundes 2027 beschließt.
Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sieht deutliche Ausgabensteigerungen vor. Die Bundesregierung plant Ausgaben in Höhe von 555 Milliarden Euro und damit rund 6,9 Prozent mehr als im Jahr 2026. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die kräftig steigenden Verteidigungsausgaben sowie ein weiterer Aufwuchs im Sozialetat. Gleichzeitig sind in einzelnen Ressorts Kürzungen vorgesehen, insbesondere im Gesundheitsbereich und bei der Bildung. Bis zum Jahr 2030 sollen die Bundesausgaben auf insgesamt 635 Milliarden Euro anwachsen.

Neuverschuldung nimmt zu

Parallel dazu steigt die Neuverschuldung weiter an. Für das Jahr 2027 sind neue Schulden in Höhe von 118,7 Milliarden Euro im Kernhaushalt sowie weitere 85 Milliarden Euro über Sondervermögen vorgesehen. Während die Verschuldung der Sondervermögen im Vergleich zum laufenden Jahr nahezu gleich bleibt (2026: 83,6 Milliarden Euro), nimmt die Verschuldung des Kernhaushaltes vor allem aufgrund der Bereichsausnahme Verteidigung kräftig zu (2026: 98 Milliarden Euro im Kernhaushalt).
Über den Zeitraum von 2027 bis 2030 summiert sich die Neuverschuldung von Kernhaushalt und Sondervermögen auf insgesamt 838,6 Milliarden Euro. Dadurch erhöht sich der Schuldenstand des Bundes von rund 1.840 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf etwa 2.860 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Dementsprechend dynamisch entwickeln sich die Zinsausgaben: Sie steigen von rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf nahezu 81 Milliarden Euro im Jahr 2030. Ihr Anteil an den gesamten Bundesausgaben erhöht sich damit von 7,5 auf 12,7 Prozent.

Deutschland strebt NATO-Ziel bereits 2029 an

Auch die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit werden deutlich ausgeweitet. Die Verteidigungsausgaben im Kernhaushalt steigen von 109 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 183,6 Milliarden Euro im Jahr 2030. Einschließlich weiterer sicherheitsrelevanter Bereiche wie IT-Sicherheit und Zivilschutz erhöhen sich die geplanten Gesamtausgaben für Sicherheit von 130 Milliarden Euro auf 201 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Die angestrebte NATO-Quote von 3,5 Prozent soll bereits im Jahr 2029 und damit sechs Jahre früher als im NATO-Zieljahr 2035 erreicht werden.

Investitionen teilen sich auf drei Töpfe auf

Für Investitionen plant der Bund im Jahr 2027 mit insgesamt 117,5 Milliarden Euro über den Kernhaushalt, das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) sowie den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Davon entfallen 50 Milliarden Euro auf den Kernhaushalt, 22,6 Milliarden Euro auf den KTF und 44,9 Milliarden Euro auf das SVIK. Schwerpunkte des Sondervermögens liegen in den Bereichen Verkehr, Digitalisierung, Krankenhausinfrastruktur, Energieinfrastruktur sowie Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig sind innerhalb des KTF Konsolidierungsmaßnahmen vorgesehen.

Stärkerer Fokus auf Wachstumsorientierung notwendig

Aus Sicht der Wirtschaft zeichnet sich ab, dass die Ausgaben für Arbeit und Soziales, Verteidigung sowie Zinsen bis 2030 bereits rund 80 Prozent des Bundeshaushalts binden werden. Dadurch verringern sich die finanziellen Spielräume für wachstumsorientierte Zukunftsausgaben. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken, sind daher insbesondere niedrigere Energiekosten, steuerliche Entlastungen sowie zusätzliche Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Forschung, Entwicklung und digitale Netze zentrale Handlungsfelder aus Sicht der Wirtschaft.
Quelle: Aus dem Steuer-Newsletter der DIHK (Ausgabe Nr. 7/2026)