Existenzgründung

Unsere wichtigsten Tipps für die Unternehmensgründung

Welche wesentlichen Faktoren sollten bei der Unternehmensgründung berücksichtigt werden?

Wer ein Unternehmen gründet, startet nicht nur mit einer Idee – sondern mit einer Reihe von Entscheidungen, die über Erfolg oder Scheitern bestimmen. Statistiken zeigen, dass rund ein Drittel aller Neugründungen in den ersten drei Jahren scheitert. Genau deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Faktoren von Anfang an im Blick zu behalten. Ein klarer Überblick schafft Orientierung – und erhöht die Chancen, zu den Unternehmen zu gehören, die langfristig wachsen.
Im Folgenden finden Sie beispielhafte Hinweise, die Sie bei der Gründung eines Unternehmens berücksichtigen sollten. Die aufgeführten Punkte dienen lediglich als erste Orientierung und zeigen, wie sich typische Fehler vermeiden lassen. Wenn Sie sich umfassender informieren möchten, nutzen Sie gern unsere kostenlosen Beratungsangebote.

1. Sorgfältige Vorbereitung unerlässlich

Gut vorbereitete Existenzgründungen sind erfolgreicher als andere, daher sollten Sie sich vorab ein schlüssiges Unternehmenskonzept - den Businessplan erarbeiten. Der Businessplan zeigt, dass Ihr Vorhaben durchdacht ist, auf mögliche Risiken geprüft wurde und welche Erfolgsaussichten bestehen. Nur mit einem nachvollziehbaren Businessplan werden Sie die Bank oder andere Fördermittelgeber überzeugen, dass eine Unterstützung Ihrer Geschäftsidee sinnvoll ist. Zudem gibt er Sicherheit, Orientierung sowie Struktur und sorgt dafür, dass man sich mit Themen, wie beispielsweise Kalkulation oder Marktbeschaffenheit auseinandersetzen muss, die nicht unbedingt der fachlichen oder akademischen Herkunft entsprechen. Eine solide Planung hilft, Geld und Zeit zu sparen und Schwierigkeiten in der Zukunft zu vermeiden bzw. im Vorfeld mögliche Risiken zu identifizieren.
Nutzen Sie hierzu gern unsere Unternehmenswerkstatt Deutschland zur Erstellung Ihres Businessplans.

2. Im Mittelpunkt: der Kundennutzen

Eine gute Idee reicht nicht – entscheidend ist, welchen echten Nutzen sie für Kundinnen und Kunden stiftet. Laut aktuellem DIHK‑Gründer‑Report haben sich 35 Prozent der Gründerinnen und Gründer zu wenig Gedanken über den Kundennutzen ihrer Geschäftsidee gemacht. Diese Zahl zeigt, wie wichtig es ist, von Beginn an klar zu definieren, welches Problem das eigene Angebot löst und warum Menschen genau dafür bezahlen sollen. Wer diesen Kern versteht, legt den Grundstein für eine tragfähige und erfolgreiche Gründung. Dies ist jedoch entscheidend, wenn die potenzielle Zielgruppe vom Wert der eigenen Geschäftsidee überzeugt werden soll. Deshalb muss die Frage „Wer ist mein Kunde und was braucht dieser wirklich?“ immer am Anfang stehen.

3. Realistischer Blick auf die eigenen Stärken und Grenzen

Ein Unternehmen zu führen, ist leicht – wirklich? Buchhaltung, Steuern, Marketing, Controlling, Vertrieb und Personalführung gleichzeitig zu meistern, ist alles andere als ein Kinderspiel. Vielen angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern fehlt das grundlegende Wissen in einzelnen Bereichen – und genau das kann schnell zur Hürde werden. Sinnvoll ist es, sich dort Unterstützung zu holen, wo eigene Lücken bestehen, und Aufgaben, die vom eigentlichen Unternehmensaufbau ablenken, an Expertinnen und Experten wie beispielsweise einen Steuerberater oder Rechtsanwälte zu übergeben.

4. Kaufmännische Kenntnisse sind unverzichtbar

Neben der fachlichen Expertise brauchen Gründerinnen und Gründer vor allem eines: solides kaufmännisches Know-how. Unabhängig von Branche oder Geschäftsmodell führt kein Weg an grundlegenden BWL‑Kenntnissen vorbei. Buchführung, Kostenrechnung oder Preisgestaltung gehören zum täglichen Geschäft jedes Unternehmens. Selbst wenn ein Steuerberater die Zahlen professionell aufbereitet, sollten Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Umsätze und deren Entwicklung stets selbst im Blick behalten – und in der Lage sein, diese zumindest grob einzuordnen.

5. Stabile Finanzierungsstruktur

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit beginnt die Anlaufphase des Unternehmens – eine Zeit, in der finanzielle Stabilität besonders wichtig ist. Gerade zu Beginn sollten ausreichend Reserven vorhanden sein, um Liquiditätslücken durch ausbleibende Umsätze oder unerwartete Ausgaben abzufedern. Bei der Erstellung des Finanzplans gilt es daher, diese Rücklagen ebenso einzukalkulieren wie alle Gründungs‑, Anschaffungs‑ und möglichen Wachstumskosten. Wird eine Finanzierung erst nachträglich nötig, weil bestimmte Ausgaben oder Risiken zuvor nicht berücksichtigt wurden, schwächt das die eigene Position gegenüber der Bank und erschwert weitere Finanzierungsgespräche.
Informieren Sie sich über entsprechende Fördermöglichkeiten.

6. Unterschätzung von Zeit- und Komplexitätsaufwand

Der Spruch „Alles dauert länger als gedacht" – trifft auf kaum etwas so sehr zu wie auf die Gründung eines Unternehmens. Unerwartete Hürden gehören fast schon dazu: Vielleicht stellt sich heraus, dass der bereits gestaltete Firmenname nicht ins Handelsregister eingetragen werden kann, der Gesellschaftsvertrag Lücken aufweist, die Auszahlung bewilligter Kreditmittel sich verzögert oder die favorisierten Geschäftsräume plötzlich an jemand anderen vergeben werden. Solche Situationen können selbst hochmotivierte Gründerinnen und Gründer ausbremsen. Umso wichtiger ist es, mit Unvorhergesehenem zu rechnen – und im Ernstfall gelassen zu bleiben.

7. Standort

Der “richtige” Standort zählt zu den zentralen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens. Auf Grundlage Ihrer Geschäftsidee sollten Sie entscheiden, welches Umfeld am besten zu Ihrem Vorhaben passt – ob im belebten Stadtzentrum oder etwas abseits, mit hoher oder geringer Laufkundschaft, im eigenen Büro oder in einem Coworking‑Space.

8. Risiken klar erkennen und einordnen

Nicht nur im Businessplan lohnt es sich, Schwächen und Risiken regelmäßig unter die Lupe zu nehmen. Wer sie kennt, kann daraus entstehende Stärken und Chancen realistisch einschätzen und gezielt nutzen.

9. Teamorientierte Gründung

Unterschiedliche Vorstellungen über Ziele, strategische Ausrichtung oder Aufgabenverteilung können in einem Gründerteam schnell zu Konflikten führen – besonders dann, wenn der Druck wächst. Dennoch bietet eine Teamgründung viele Vorteile: Arbeit, Kosten und Verantwortung werden auf mehrere Schultern verteilt, und oft macht das gemeinsame Entwickeln einer Idee schlicht mehr Freude als allein. Damit die Zusammenarbeit gelingt, sollte die Auswahl der Mitgründer jedoch gut überlegt sein. Häufig starten Freunde gemeinsam ein Unternehmen, doch aus Freundschaft kann unter Belastung schnell Rivalität werden. Aber auch bei bislang unbekannten Mitgründern gilt: Sorgfalt ist entscheidend.
Ein sorgfältig ausgearbeiteter Gesellschaftervertrag ist dabei unverzichtbar. Er sollte alle wesentlichen Punkte klar regeln: Welche Kompetenzen und Verantwortlichkeiten hat wer? Wem gehört der Firmenname? Wie wird der aktuelle Unternehmens-/ Firmenwert bestimmt? Was passiert, wenn das Team zerbricht und nicht mehr gemeinsam weitermachen möchte? Wer darf das Unternehmen/ die Firma fortführen? Wie werden Entscheidungen getroffen – insbesondere bei Stimmengleichheit? Und welche Leistungen bringt jede Person ein, im Verhältnis zu ihren Anteilen? Wer diese Fragen frühzeitig klärt, vermeidet späteren Ärger. Denken Sie daher von Beginn an auch an mögliche Ausstiegsszenarien – Lebenspläne können sich schnell ändern.
Wählen Sie Teammitglieder, deren Fähigkeiten sich sinnvoll ergänzen, die Ihre Leidenschaft für das Produkt teilen und denen Sie vertrauen können. Gerade in der Anfangsphase verbringen Gründerteams sehr viel Zeit miteinander – oft auch am Wochenende. Die Zusammenarbeit ähnelt dann nicht selten einer engen Arbeitsgemeinschaft.
Teamgründer können mit der Unternehmenswerkstatt Deutschland auch gemeinsam am Businessplan arbeiten. Hier kann man gemeinsam – und digital – zusammenarbeiten.

10. Den richtigen Moment nutzen – ohne zu zögern

Bringen Sie Ihre Produkte und Leistungen erst dann auf den Markt, wenn sie wirklich marktreif sind. Gleichzeitig ist übertriebener Perfektionismus riskant: Wer zu lange wartet, verbraucht möglicherweise unnötig finanzielle Ressourcen – oder wird von einem schnelleren Wettbewerber überholt.

11. Geschäftsidee prüfen und bei Bedarf schützen lassen

Gründer sollten bereits von Beginn an mögliche gewerbliche Schutzrechte wie Marken, Designs oder Gebrauchsmuster im Blick behalten. Wer eine Marke etablieren und zugleich als Firmennamen nutzen möchte, muss nicht nur prüfen, ob bestehende Schutzrechte Dritter betroffen sind, sondern auch die Anforderungen des Handelsregisters an die Eintragungsfähigkeit berücksichtigen. Wird eine Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet – das übrigens nicht prüft, ob Rechte Dritter verletzt werden –, kann jedoch dann vom Handelsregister nicht als Firmenname eingetragen werden, müssen im Zweifel Logo, Firmenname und sogar bestehende Verträge umfassend angepasst werden. Das kann schnell hohe Kosten verursachen.
Bei der Anmeldung einer EU-Marke ist zudem zu beachten, dass nicht alle europäischen Staaten Mitglied der EU sind und somit nicht automatisch vom Schutz einer EU-Marke erfasst werden.
Bei Fragen zu gewerblichen Schutzrechten unterstützen Sie unsere Fachberater aus dem Bereich Recht | Innovation und Umwelt.
Für alle Anliegen rund um die Unternehmensgründung stehen Ihnen zudem unsere Gründungsberaterinnen und Gründungsberater zur Verfügung.