Sie gilt als weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst: die documenta. Einblicke ins Werden der documenta 16 gab der Geschäftsführer der documenta gGmbH, Prof. Dr. Andreas Hoffmann, in der gestrigen Herbst-Sitzung (Donnerstag, 10.9.2026) der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg im Haus der Wirtschaft in Kassel.
Um sich mit dem Themenkomplex Kunst, Bildung und Beruf im Kontext der documenta 16 auseinanderzusetzen, erarbeitet der Berufsbildungsausschuss (BBA) der IHK Kassel-Marburg derzeit in Zusammenarbeit mit der documenta 16 ein Curriculum sowie einen praxisnahen Leitfaden, der ab dem Frühjahr 2027 Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben zur Verfügung stehen soll. Inspiriert durch die documenta und die Frage, wo und wie sich Kunst, Bildung und Beruf miteinander verbinden, sind Berufsschulen und Unternehmen dazu aufgerufen, gemeinsam mit Jugendlichen eigene Kunstwerke zu entwickeln. Diese sollen im Herbst 2027 beim IHK-Bildungskongress präsentiert werden.
von links: Udo Diehl und Alexander Starke (Vizepräsidenten der IHK Kassel-Marburg), Dr. Arnd Klein-Zirbes (Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg), Désirée Derin-Holzapfel (Präsidentin der IHK Kassel-Marburg), Prof. Dr. Andreas Hoffmann (Geschäftsführer der documenta gGmbH) und Dr. Hans-Friedrich Breithaupt (Vizepräsident der IHK Kassel-Marburg)
Friedrich von Waitz (Ehrenmitglied der IHK-Vollversammlung) und Jörg-Ludwig Jordan (Ehrenpräsident der IHK Kassel-Marburg)
IHK-Präsidentin Désirée Derin-Holzapfel
Prof. Dr. Andreas Hoffmann (Geschäftsführer der documenta gGmbH)
von links: Christian Albrecht (ehrenamtlicher Rechnungsprüfer), Susanne Hahnefeld (Bereichsleiterin Organisation), Martin Heinz (Geschäftsführer der Rechnungsprüfungsstelle für die Industrie- und Handelskammern) und Andreas Bartsch (ehrenamtlicher Rechnungsprüfer)
Laut Prof. Dr. Andreas Hoffmann gewinnt die documenta 16 zunehmend an Gestalt. „Es entwickelt sich eine positive Dynamik, die uns alle mitreißt und fasziniert“, sagte der Geschäftsführer der documenta gGmbH den Mitgliedern der Vollversammlung. Im Fünf-Jahres-Rhythmus zieht sie Kunst- und Kulturtouristen aus aller Welt nach Nordhessen – die documenta 15 besuchten über 738.000 Gäste. Als zentraler Anlaufpunkt sei das Welcome Center der Kunstausstellung nach Angaben von Hoffmann gesichert, die Organisation wachse. „Aktuell entsteht ein Vermittlungsprogramm, das wirklich für alle Menschen in dieser Stadt gedacht ist“, berichtete er. „Kassel und die documenta gehören zusammen – das spüren wir jeden Tag in unserer Arbeit.“
Das Thema Bildung stand nicht nur bei der documenta im Mittelpunkt der Vollversammlung. So votierten die Unternehmerinnen und Unternehmer einstimmig für eine Anschubfinanzierung für die geplante Außenstelle „StudiumPlus Kassel“ der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Derzeit laufen mit Partnern wie dem Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen, Bezirksgruppe Nordhessen e. V., der Stadt Kassel, dem Landkreis Kassel, der Wirtschaftsförderung Region Kassel (WFG) und der THM die Vorbereitungen dafür, ein entsprechendes duales Studienprogramm bereitzustellen. Voraussetzung für die Bereitstellung der IHK-Mittel ist der Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung mit der WFG Region Kassel.
Zudem fand sich eine neue Kampagne der IHK-Organisation auf der Tagesordnung wieder, die das Unternehmertum in den Mittelpunkt stellt. Schließlich sind es Unternehmerinnen und Unternehmer, die täglich Verantwortung übernehmen, Arbeitsplätze schaffen und Innovationen vorantreiben. Um im Zuge der bundesweiten Kampagne „Wir unternehmen das“ Gesicht zu zeigen, nutzten die Mitglieder der Vollversammlung vor Sitzungsbeginn die Möglichkeit, sich professionell fotografieren zu lassen, um personalisiertes Kampagnenmaterial für Social Media erstellen zu können. Ziel der Kampagne ist es, das Unternehmerbild in der öffentlichen Meinung zu stärken und neues Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zu schaffen. Unternehmerinnen und Unternehmer können unter www.wir-unternehmen-das.de kostenfrei Kampagnenmaterialien erstellen lassen. „Wir unternehmen das“ soll kontinuierlich weiterwachsen und mindestens bis ins kommende Jahr fortgeführt werden.
Darüber hinaus standen Finanzen und Personalien auf der Tagesordnung. Nach den Berichten der haupt- und ehrenamtlichen Rechnungsprüfer hat die Vollversammlung Präsidium, Präsidentin und Hauptgeschäftsführer entlastet. Außerdem beriefen die Unternehmerinnen und Unternehmer Kariem Jaber, Geschäftsführer Vertrieb & Engineering bei AKG Thermotechnik International GmbH & Co. KG in Hofgeismar, in den IHK- Industrieausschuss. Jaber folgt damit auf Peter Krause von der AKG Thermotechnik International GmbH & Co. KG, der Ende Juli aus dem Unternehmen und damit auch aus dem IHK-Industrieausschuss ausgeschieden ist.
Die Vollversammlung der IHK Kassel-Marburg besteht aus 77 direkt gewählten Unternehmerinnen und Unternehmern aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Sie entscheiden gemeinsam über die Verwendung der finanziellen Mittel, arbeiten an IHK-Leitlinien zu wirtschaftspolitischen Fragen mit und fassen Beschlüssen im Hinblick auf die Bedarfe der regionalen Gesamtwirtschaft. Die Mitglieder der Vollversammlung werden alle fünf Jahre direkt von den IHK-Mitgliedsunternehmen in der Nordhessen und der Region Marburg gewählt. Mehr Informationen sind auf unserer Übersichtsseite zur Vollversammlung zu finden.
Unter dem Motto „Übergeben. Übernehmen. Zukunft gestalten.“ findet am Mittwoch, 30. September, von 14.30 bis 17.30 Uhr der zweite Roadshow-Termin zur Unternehmensnachfolge in der Region statt – diesmal in Bad Hersfeld in der Geschäftsstelle der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, Dudenstraße 15.
Eingeladen sind Unternehmerinnen und Unternehmer, potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger sowie alle Interessierten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch erforderlich. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg mit ihrem Nachfolgeprojekt „Nexxt Now 2.0“, die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg und die Handwerkskammer Kassel laden ein.
Erfahrungen aus erster Hand vermitteln Michaela Schadewald, die ihr Unternehmen Medi Sport Gym an die nächste Generation übergeben hat, und ihre Enkelin Eileen Malkmus, die es übernommen hat. Sie berichten gemeinsam über ihren Weg der familieninternen Unternehmensnachfolge, die damit verbundenen Herausforderungen und die Chancen eines gelungenen Generationenwechsels.
Neben praxisnahen Einblicken und Impulsen von Expertinnen und Experten bietet die Roadshow die Möglichkeit, direkt mit Unternehmerinnen und Unternehmern, potenziellen Nachfolgenden sowie Netzwerkpartnern ins Gespräch zu kommen. Auf dem Programm stehen unter anderem Impulse zu Modellen, Wegen und Perspektiven einer gelungenen Unternehmensnachfolge sowie Informationen zu Finanzierungs- und Steuerfragen.
Bei einem Markt der Möglichkeiten stehen Institutionen und Netzwerkpartner für individuelle Fragen und weiterführende Informationen rund um das Thema Unternehmensnachfolge zur Verfügung. In lockerer Atmosphäre bietet sich zudem die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und das eigene Netzwerk zu erweitern.
Bitte melden Sie sich bis Dienstag, 22. September 2026, auf unserer Veranstaltungsseite an.
Die Ergebnisse der neuen PISA-Studie geben aus Sicht der regionalen Wirtschaft Anlass zur Sorge. Demnach erreichen Deutschlands 15-Jährige in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000. Besonders problematisch: Rund ein Drittel der Jugendlichen erreicht in Mathematik beziehungsweise beim Lesen nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau.
„Diese Entwicklung ist längst nicht mehr nur ein bildungspolitisches Problem. Sie betrifft zunehmend auch die Bereiche Ausbildung, Fachkräftesicherung und damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts“, sagt Dr. Thomas Fölsch, Bereichsleiter Bildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg.
Die Ergebnisse deckten sich mit den Erfahrungen vieler Ausbildungsbetriebe. Unternehmen müssten immer häufiger zusätzliche Zeit und Ressourcen investieren, um fehlende schulische Grundlagen aufzuarbeiten. Laut der aktuellen DIHK-Ausbildungsumfrage berichten rund vier von zehn Betrieben von Defiziten in Mathematik, Deutsch oder wirtschaftlichem Grundwissen. Auch in den Naturwissenschaften und in Englisch seien Lücken weit verbreitet. Viele Unternehmen unterstützten Jugendliche bereits mit Nachhilfe, zusätzlicher Förderung und intensiver persönlicher Begleitung. „Ausbildungsbetriebe sind bereit, jungen Menschen Chancen zu eröffnen und sie auf ihrem Weg ins Berufsleben zu begleiten. Sie können aber nicht dauerhaft fehlende schulische Grundlagen ausgleichen“, betont Fölsch.
Aus Sicht der IHK Kassel-Marburg müssen deshalb die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen wieder stärker in den Mittelpunkt der Bildungspolitik rücken. Lernrückstände müssten früh erkannt und gezielt aufgearbeitet werden. Ebenso wichtig sei eine verbindliche und praxisnahe Berufsorientierung. „Ausbildungsreife bedeutet nicht nur, schulische Grundlagen zu beherrschen. Junge Menschen müssen auch wissen, welche Berufe zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen“, betont Thomas Fölsch. Die IHK sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: „Der Fachkräftemangel von morgen entscheidet sich auch in den Klassenzimmern von heute.“
PPWR: Bevollmächtigtenpflicht bremst EU-weiten Handel aus
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg kritisiert wiederholt neue bürokratische Belastungen durch die europäische Verpackungsverordnung Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR).
So müssenseit dem 12. August 2026 Unternehmen, die verpackte Waren unmittelbar an Endabnehmer in andere EU-Mitgliedstaaten liefern, jeweils vor Ort einen Bevollmächtigten für die erweiterte Herstellerverantwortung bestellen, sofern sie nicht über eine Niederlassung verfügen. Auf diese und weitere Belastungen durch die PPWR macht die IHK Kassel-Marburg gemeinsam mit den anderen IHKs in Deutschland seit Anfang September im Zuge einer Kampagne aufmerksam. Inzwischen haben auch zwei Mitglieder aus Hessens Landesregierung die zuständige EU-Kommissarin Jessika Roswall angeschrieben, um für ein praxisnäheres und wettbewerbsverträglicheres Vorgehen zu werben.
Der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung Manfred Pentz sowie der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, Ingmar Jung, sprechen sich wie die IHK Kassel-Marburg unter anderem dafür aus, auf die Benennung eines Bevollmächtigten in jedem Mitgliedsstaat für Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu verzichten – ein Vorschlag, den auch die Europäische Kommission unterbreitet hat und den die IHK Kassel-Marburg ausdrücklich begrüßt. Ergänzend schlagen Pentz und Jung vor, Bagatellgrenzen bei Registrierungs- und Meldepflichten für Kleinstunternehmen und KMU einzuführen sowie ein EU-weites Registrierungssystem aufzubauen. Ökologische Ambition und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit müssten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, um auf gesellschaftliche Akzeptanz zu stoßen. Auch in der Bundesregierung findet ein Umdenken statt.
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wie Désirée Derin-Holzapfel, Präsidentin der IHK Kassel-Marburg, fordern darüber hinaus einen Aufschub der PPWR, ein sogenanntes Moratorium. „Politik und Verwaltungen müssen umgehend für praxistaugliche Vorgaben sorgen und das Inkrafttreten bis dahin wieder aussetzen“, sagt sie. „Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gute Umsetzung schafft beides.“
Derzeit sieht die PPWR keine Bagatellgrenze oder Ausnahme für geringe Liefer- beziehungsweise Verpackungsmengen oder kleinste Verpackungselemente vor. Das bedeutet: Bereits mit dem ersten Paket und dem ersten Gramm Verpackungsgewicht greifen die Pflicht zur Bestellung eines Bevollmächtigten sowie die Vorgaben zu nationalen Registern sowie Sammel- und Verwertungssystemen und den Versand von Begleitschreiben für Nicht-Kleinstteile, die nicht gekennzeichnet werden können. Das Beraterteam der IHK Kassel-Marburg hat bereits zahlreiche Rückmeldungen von kleinen Unternehmen aus Nordhessen und der Region Marburg erreicht, die ihren Versand in andere EU-Mitgliedstaaten wegen dieser Belastungen einstellen. „Es kann nicht sein, dass kleine Händler aufgrund der Vorgaben der Verpackungsvorschriften europäische Märkte aufgeben müssen“, stellt IHK-Präsidentin Désirée Derin-Holzapfel klar. Gleichzeitig würden dadurch Direktimporte aus Drittländern begünstigt, bei denen es häufig schwieriger sei, die europäischen Vorgaben durchzusetzen. „Die Regelung schwächt damit europäische Unternehmen und läuft dem Ziel eines funktionierenden europäischen Binnenmarktes zuwider“, bilanziert Derin-Holzapfel.
Für jeden belieferten Mitgliedsstaat fallen zusätzliche Kosten an. „Die genauen Kosten lassen sich kaum ermitteln, da die Anbieter diese nicht veröffentlichen“, ergänzt IHK-Umweltreferentin Elke Elsner. „Bislang teilen sie diese nur auf konkrete Nachfrage bezogen auf Empfängerland und Verpackungsmengen und -Materialien mit.“
Hinzu kommt ein beträchtlicher Verwaltungsaufwand. Dieser umfasst neben der Bestellung des Bevollmächtigten insbesondere die Registrierung, die Meldung der Verpackungsmengen und die Kommunikation mit Behörden und Rücknahmesystemen. „Hinzu kommen Entsorgungsbeiträge, deren Höhe sich nach dem jeweiligen Land sowie nach Art und Menge der Verpackungen richtet“, ergänzt Elsner. „Praxistaugliche Ausnahmen für kleine und mittlere Unternehmen fehlen.“
Vor diesem Hintergrund ruft die IHK-Organisation Unternehmen zum gemeinsamen Handeln auf, eine bundesweite Kampagne läuft noch bis zum 15. September. Um den betroffenen Firmen in Brüssel direkt Gehör zu verschaffen und die zuständige EU-Kommissarin Jessika Roswall sowie die hessischen Europaparlamentarier für die erheblichen Zusatzbelastungen durch die PPWR zu sensibilisieren, bietet die IHK-Organisation Musterschreiben an. Unternehmen können diese durch ihre eigenen Belastungsbeispiele ergänzen und direkt an die EU-Kommissarin unter der E-Mail: Jessika.ROSWALL@ec.europa.eu) und die sechs hessischen Europaparlamentarier (hier finden Sie die Abgeordneten und ihre Kontaktdaten) senden. Der Versand der angepassten Musterschreiben durch die Unternehmen soll bis zum 15. September erfolgen. Die Musterschreiben stehen auf der IHK-Website zu diesem Thema zum Download bereit. Dort finden Sie auch weitere Informationen.
Um Fachkräfte für die Tätigkeit als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige zu gewinnen, hatten die vier hessischen IHKs Kassel-Marburg, Lahn-Dill, Gießen-Friedberg und Limburg zum gemeinsamen Sachverständigenbewerbertag nach Dillenburg eingeladen.
Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich über Voraussetzungen und Antragsverfahren, diskutierten mit Fachleuten aus Justiz und Praxis und nutzten beim anschließenden „Speed-Dating“ die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Gutachten von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen sind ein wichtiges Element in Gerichtsverfahren. Ihre besondere Expertise hilft dabei, komplexe Sachverhalte fachlich einzuordnen und verständlich aufzubereiten. Sachverständige sind dabei zu Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und besonderer fachlicher Sorgfalt verpflichtet.
Nach der Begrüßung durch Dr. Felix Heusler, Präsident der IHK Lahn-Dill, erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kompakte Informationen zu den Voraussetzungen für eine öffentliche Bestellung, zum Antragsverfahren und zu den Perspektiven im Sachverständigenwesen.
Einblicke aus Justiz, Praxis und Sachverständigenwesen
Einen Schwerpunkt der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen. Dr. Christian Auer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Verletzungsmechanik und Straßenverkehrsunfälle, Dr. Nathalie Klein von AQ Coaching, Johannes Landau, stellvertretender Amtsgerichtsdirektor des Amtsgerichts Dillenburg, Zweigstelle Herborn, Sabine Pfeffer aus dem Sachverständigenwesen der IHK Lahn-Dill sowie Dr. Gregor Srock, Richter am Amtsgericht Wetzlar, gaben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Sachverständigentätigkeit. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Herrn Tobias Witton. Dabei ging es unter anderem um die Anforderungen an angehende Sachverständige, die Zusammenarbeit mit Gerichten und Auftraggebern sowie um die Frage, welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit besonders wichtig sind.
Die Industrie- und Handelskammern bestellen Sachverständige auf zahlreichen Gebieten der gewerblichen Wirtschaft und Technik. Die öffentliche Bestellung und Vereidigung ist eine hoheitliche Aufgabe, die der Staat den Industrie- und Handelskammern übertragen hat. Bewerberinnen und Bewerber müssen neben einer besonderen fachlichen Qualifikation auch praktische Erfahrung sowie die Fähigkeit nachweisen, komplexe Sachverhalte nachvollziehbar und verständlich darzustellen.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion stand der direkte Austausch im Mittelpunkt. Beim „Speed-Dating“ konnten die Interessierten mit erfahrenen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen ins Gespräch kommen, persönliche Fragen stellen und sich über unterschiedliche Bestellungsgebiete sowie den Arbeitsalltag informieren.
Damit bot der Sachverständigenbewerbertag erneut die Gelegenheit, sich aus erster Hand über die Tätigkeit, das Bestellungsverfahren und die beruflichen Perspektiven zu informieren. Zugleich wollten die beteiligten IHKs Fachleute dazu ermutigen, ihr Wissen und ihre Erfahrung künftig auch als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige einzubringen.
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Der Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen nimmt deutlich zu. Das geht aus einer aktuellen Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an der sich bundesweit mehr als 1.300 Unternehmen beteiligt haben.
In Hessen berichten 73 Prozent der antwortenden Unternehmen von wachsender Konkurrenz aus China. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 67 Prozent. „Der chinesische Exportdruck ist längst auch auf dem deutschen und hessischen Markt angekommen.”, sagt die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, Désirée Derin-Holzapfel. „Problematisch ist vor allem, dass chinesische Unternehmen in vielen Bereichen von erheblicher staatlicher Unterstützung und Subventionierung profitieren – von Rohstoffen über Strompreise bis hin zu direkten staatlichen Zuschüssen. Wo der Staat massiv in den Wettbewerb eingreift, herrschen keine vergleichbaren marktwirtschaftlichen Bedingungen mehr. Dies sage ich durchaus ebenso mit Blick darauf, dass Politik auch in Europa wieder stärker ordnungspolitischen Grundsätzen folgen sollte.“
Auch bezüglich der Reaktionen auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck zeigt sich in Hessen ein klares Bild: 69 Prozent der Unternehmen setzen auf Produktinnovationen, 58 Prozent auf Kostensenkungen und 45 Prozent auf die Erschließung neuer Absatzmärkte. Bundesweit nennen 60 Prozent der Unternehmen Produktinnovationen und 50 Prozent Kostensenkungen als zentrale Maßnahmen. „Unsere Unternehmen reagieren mit Innovation, Effizienz und neuen Märkten – nicht mit Rückzug“, betont Derin-Holzapfel. „Aber sie können nicht dauerhaft gleichzeitig gegen staatlich subventionierte chinesische Wettbewerber und gegen hausgemachte Wettbewerbsnachteile wie hohe Energiepreise, Bürokratie und langwierige Verfahren antreten.“
Von der Europäischen Union erwarten die Unternehmen vor allem ein geschlossenes und selbstbewusstes außenwirtschaftspolitisches Auftreten gegenüber China. In Hessen sprechen sich 70 Prozent dafür aus, bundesweit sind es 67 Prozent. Zugleich zeigt die Befragung, dass die Wirtschaft keine pauschale Abschottung wünscht: Bundesweit befürworten weniger als ein Drittel stärkere Handelsschutzmaßnahmen. In Hessen liegt die Zustimmung zu stärkeren Zollmaßnahmen bei 35 Prozent.
„Wer von Marktwirtschaft spricht, darf von fairen Spielregeln nicht schweigen.“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „Neue Zölle allein lösen das Problem nicht. Entscheidend ist, dass Deutschland seine eigene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnt – mit angemessenen Energiepreisen, weniger Bürokratie, schnelleren Verfahren und besseren Investitionsbedingungen. Gerade der innovative Mittelstand ist eine besondere Stärke unseres Wirtschaftsstandortes. Damit er diese Stärke auch im internationalen Wettbewerb ausspielen kann, braucht er Freiräume statt zusätzlicher Regulierung.“
Auch bei der grundsätzlichen Haltung zu einer härteren Handelspolitik liegen Hessen und der Bund nahezu gleichauf: Knapp 56 Prozent der hessischen Unternehmen würden stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China unterstützen, selbst wenn daraus Nachteile für das eigene Unternehmen entstehen könnten. Bundesweit sind es 55 Prozent. Derin-Holzapfel sagt dazu: „Der Wettbewerb mit China wird weiter zunehmen. Europa muss seine wirtschaftlichen Interessen selbstbewusst und konsequent vertreten. Die stärkste Antwort bleibt aber ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort, an dem Unternehmen investieren, produzieren und innovativ sein können.”
Hintergrund: An der DIHK-Sonderumfrage zum Wettbewerb mit China beteiligten sich bundesweit mehr als 1.300 Unternehmen, darunter 101 Unternehmen aus Hessen.