Presse - Kommunikation
Nr. 7212360
Konjunkturumfrage

Konjunktur an Lahn und Dill hellt sich auf, die Trendwende steht aber noch aus

Dillenburg, 26. Oktober 2026. Die Konjunktur im IHK-Bezirk Lahn-Dill zeigt im Herbst erste Anzeichen einer Stabilisierung. Der Geschäftsklimaindex steigt gegenüber dem Frühsommer um zehn Punkte auf 92 Punkte. Damit hat er wieder den Stand vom Jahresbeginn 2026 erreicht. Die Wachstumsschwelle von 100 Punkten wird jedoch weiterhin verfehlt. Von einem tragfähigen Aufschwung kann deshalb noch nicht gesprochen werden.
Die aktuelle Entwicklung folgt auf ein wechselhaftes Jahr. Zum Jahresbeginn war der Klimaindex gestiegen. Im Frühsommer fiel er jedoch zurück, bevor er im Herbst nun wieder zulegt. Für die Industrie dagegen verbessert sich der Index auf 95 Punkte. Dies bedeutet jedoch nach wie vor kein Wachstum.
Auch die aktuelle Geschäftslage wird günstiger beurteilt. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen verbessert sich von minus sieben auf plus drei Punkte. Damit überwiegen erstmals seit sechs Umfragen wieder leicht die positiven Lageurteile. 26 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut, 51 Prozent als befriedigend und 23 Prozent als schlecht.
„Die Zahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, aber in den Betrieben ist von einem Aufschwung noch wenig zu spüren“, sagt Dr. Felix Heusler, Präsident der IHK Lahn-Dill. „Unternehmerinnen und Unternehmer investieren nur dann langfristig, wenn Kosten und politische Rahmenbedingungen verlässlich kalkulierbar sind. Für neues Wachstum brauchen die Betriebe wieder Vertrauen, Handlungsspielräume und den Mut, unternehmerische Entscheidungen am Standort zu treffen.“

Export wird zum stärksten Hoffnungsträger

Das deutlichste positive Signal kommt aus dem Auslandsgeschäft. Der Saldo der Exporterwartungen dreht von minus 16 auf plus 16 Punkte. 26 Prozent der exportierenden Unternehmen rechnen mit steigenden Ausfuhren, lediglich zehn Prozent erwarten einen Rückgang. Zum Jahresbeginn hatte der Saldo noch bei minus neun Punkten gelegen, im Frühsommer war er auf minus 16 Punkte gefallen.
Damit ist der Export der einzige Indikator, der sich gegenüber dem Frühsommer grundlegend gedreht hat. Allerdings bleibt das Auslandsgeschäft anfällig für geopolitische Spannungen, handelspolitische Eingriffe, Wechselkursschwankungen und eine nachlassende internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
„Der starke Anstieg der Exporterwartungen ist ein wichtiges Signal für unsere industriell geprägte und international vernetzte Region“, sagt Dietmar Persch, Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill. „Damit aus diesem Impuls ein breiter Aufschwung wird, muss er auch Investitionen, Beschäftigung und die Binnenwirtschaft erreichen. Die Unternehmen sind bereit, Chancen zu nutzen. Die Rahmenbedingungen müssen ihnen dafür den notwendigen Raum geben.“

Risiken verlagern sich, bleiben aber hoch

Auch die Geschäftsrisiken bewerten Unternehmerinnen und Unternehmer aktuell neu. Zu Jahresbeginn standen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 60 Prozent an erster Stelle, während Energie- und Rohstoffpreise von 50 Prozent genannt wurden. Im Frühsommer stiegen die Energie- und Rohstoffpreise mit 69 Prozent zum größten Risiko auf. Nun nennen sie 71 Prozent der Unternehmen.
Finanzierungsschwierigkeiten stehen mit 15 Prozent deutlich seltener im Vordergrund. Die Rückmeldungen zeigen damit, dass vor allem Kostenbelastungen, schwache Absatzperspektiven im Inland und fehlende Planungssicherheit die Unternehmen beschäftigen, während der Zugang zu Kapital kaum als Problem wahrgenommen wird.
„Geschäftslage und Erwartungen haben sich verbessert, während Investitionen und Beschäftigung nur geringfügig nachziehen“, erklärt Alexander Cunz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill. „Entscheidend wird sein, ob sich dieser Impuls verstetigt und auf weitere Bereiche der regionalen Wirtschaft überträgt. Genau solche Veränderungen macht unsere Konjunkturumfrage frühzeitig sichtbar.“

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Die Verbesserung erfasst die Branchen nicht gleichmäßig. Die unternehmensbezogenen Dienstleistungen erreichen so bspw. einen Klimaindex von 111 Punkten und liegen somit über der Wachstumsmarke. Für die Industrie dagegen verbessert sich der Index auf 95 Punkte, dies bedeutet jedoch nach wie vor kein Wachstum. Das Baugewerbe bleibt mit 88 Punkten deutlich unter der Wachstumsschwelle. Besonders schwierig ist die Situation im Handel: Der Einzelhandel erreicht 72 Punkte, der Großhandel 69 Punkte.
Während unternehmensbezogene Dienstleistungen und Industrie die Gesamtentwicklung stützen, belasten schwache Konsumnachfrage und gestiegene Kosten insbesondere den Handel. Im Großhandel hat sich das Geschäftsklima gegenüber dem Frühsommer sogar deutlich verschlechtert, obwohl sich das Gesamtbild der regionalen Wirtschaft verbessert hat.

Konjunkturumfrage gibt der regionalen Wirtschaft eine Stimme

Die IHK Lahn-Dill befragt dreimal jährlich Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen zu ihrer aktuellen Lage, ihren Erwartungen, Investitionen, Beschäftigungsplänen und Geschäftsrisiken. Die Ergebnisse fließen auch in die Konjunkturberichte der hessischen IHK-Organisation und der Deutschen Industrie- und Handelskammer ein.
Für die IHK Lahn-Dill ist die Umfrage ein zentraler Bestandteil ihrer wirtschaftspolitischen Arbeit. Sie schafft Transparenz über die Entwicklung im IHK-Bezirk Lahn-Dill, macht Unterschiede zwischen Branchen sichtbar und liefert eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Politik und Verwaltung. Die IHK nutzt die Ergebnisse, um wirtschaftliche Entwicklungen einzuordnen und die Interessen der regionalen Unternehmen in die politische Diskussion einzubringen.
Dr. Anna Weimer

Leitung Kommunikation und IHK-Pressesprecherin