Energiewendebarometer 2026
Viele Unternehmen sehen in der Energiewende weiterhin vor allem Belastungen. Die Einschätzung der Unternehmen zur Energiewende hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar weiter verschlechtert. Das geht aus dem aktuellen “Energiewende-Barometer 2026” der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, an dem sich mehr als 3.000 Unternehmen beteiligt haben, davon 627 aus Nordrhein-Westfalen. Das Barometer bildet die Stimmung der Unternehmen vor Ort zur Energiewende und ihren wirtschaftlichen Auswirkungen ab.
Barometer gefallen
Bundesweit ist der Barometerwert von -8,3 auf -11,5 gefallen. In NRW fiel das Ergebnis noch pessimistischer aus: Hier sank der Wert von -14,8 im Vorjahr auf -18,1. Die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit werden von den Branchen sehr unterschiedlich empfunden. Der Barometerwert fällt in der Industrie regelmäßig vergleichsweise niedrig aus (Bund: -22,4, NRW: -29,8). Ähnlich schlechte Werte werden in diesem Jahr im Handel gemessen (Bund: -21,8, NRW: -18,8).
43 Prozent der Unternehmen bewerten bundesweit die Auswirkungen der Energiewende auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit negativ (NRW: 44 Prozent). Dies gilt insbesondere für Industrieunternehmen (Bund: 62 Prozent, NRW: 68 Prozent). 23 Prozent verbinden mit der Energiewende eher Vorteile (NRW: 18 Prozent).
Im Norden Deutschlands sind erneuerbare Energien für viele Unternehmen inzwischen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Geschäftsbereich. Entsprechend werden die Chancen der Energiewende dort stärker wahrgenommen. In den industriell geprägten Regionen West- und Süddeutschlands stehen dagegen die Herausforderungen der Transformation sowie die steigenden Kosten der Energieversorgung stärker im Vordergrund.
Energiekosten gestiegen
Bei jedem zweiten Unternehmen ist der Strompreis in diesem Jahr weiter gestiegen (49 Prozent). Daraus ergibt sich eine eindeutige Forderung: 77,8 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer wünschen sich eine Senkung des Strompreises. Die Kosten für Wärme (Gas, Fernwärme, Heizöl) haben sich sogar für zwei Drittel (67 Prozent) erhöht.
Verlagerungstendenz weiter steigend
Die Einschränkung wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland aufgrund der energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen setzt sich fort und erreicht weiterhin besorgniserregend hohe Werte. Viele Unternehmen befinden sich nicht mehr in einer Prüf- oder Planungsphase, sondern setzen bereits konkrete Schritte um. Unter den großen Industrieunternehmen gibt etwa ein Drittel an, Verlagerungsmaßnahmen bereits zu realisieren.
Investitionen rückläufig
Unternehmen stellen Investitionen aufgrund hoher Energiekosten zunehmend zurück: Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in ihre Kernprozesse, weil hohe Energiekosten die finanziellen Spielräume einschränken. Die hohen Energiekosten wirken sich zudem unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus.
Klimaschutz weiter wichtig
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage halten viele Unternehmen an ihren Klimaschutzzielen fest. Über 50 Prozent der Unternehmen geben konkrete Ziele an oder wirtschaften bereits klimaneutral:
| Bund | NRW | |
| bereits klimaneutral | 6,1 % | 4,8 % |
| klimaneutral bis 2030 | 16,4 % | 17,5 % |
| klimaneutral bis 2040 | 15,1 % | 16,2 % |
| klimaneutral bis 2045 | 8,3 % | 9,2 % |
| klimaneutral bis 2050 | 5,4 % | 6,3 % |
| bisher kein Ziel gesetzt | 48,7 % | 46,1 % |
Konkrete Forderungen
Fast 80 Prozent der Befragten erwarten von der Bundesregierung eine weitere Absenkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis sowie eine klare Strategie zum Ausbau der Energieinfrastruktur. Mehr staatliche Investitionen in die erforderliche Infrastruktur für die Energiewende verlangen gut 70 Prozent der befragten Unternehmen.
Die Ergebnisse sind nach Einschätzung der IHK Lippe ein deutliches Warnsignal. Gemeinsam mit IHK NRW fordert die IHK Lippe einen konsequenten Kurswechsel in der Politik, damit die Energiewende gelingt, ohne den Unternehmensstandort Deutschland, Arbeitsplätze und Wohlstand weiter zu gefährden. Die Politik ist angehalten, gemeinsam mit der Wirtschaft tragfähige Lösungen zu entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.
"Die Unternehmerinnen und Unternehmer in Lippe unterstützen den Klimaschutz, erwarten dabei aber Augenmaß und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik ist jetzt gefordert, die wachsende Belastung für die Unternehmen endlich ernst zu nehmen und entschlossen gegenzusteuern”, so die IHK.
Komplette Ergebnisse der Umfrage
3.100 Unternehmen haben sich an der Umfrage der IHK-Organisation beteiligt (Branchenanteile: Dienstleistungsbranche 56 Prozent, Industrie 23 Prozent, Handel 14 Prozent, Bauwirtschaft 6 Prozent).
(Quelle DIHK, IHK NRW)
