ECA-Absicherung vs. Akkreditiv

Umsatz steigern in unsicheren Zeiten? Aber sicher!

Diverse Faktoren erschweren es KMU derzeit, Umsatzziele zu erreichen. Eine Möglichkeit ist der Export. Unternehmen fragen sich, welche Länder „krisensicher“ sind, welche Zahlungsmittel in Krisen funktionieren und wie sich trotz Unsicherheit neue Märkte erschließen lassen.
Das Akkreditiv ist das meistgenutzte Zahlungssicherungsinstrument deutscher Exporteure. Durch zahlreiche Krisen ist es teurer geworden und birgt neben dem Dokumentenrisiko weitere Tücken: Können Originaldokumente nicht übergeben werden, geraten Liefer- und vor allem Zahlungsprozesse ins Stocken. Gibt es Alternativen?
Importeure wünschen sich neben Lieferungen gerade In unsicheren Zeiten zunehmend längere Zahlungsziele, oft über 360 Tage hinaus. Mit Akkreditiven ist das kein „Selbstläufer“, mit Exportfinanzierungen hingegen schon. Diese bieten Exporteuren Wettbewerbsvorteile, denn sie unterstützen den Verkauf durch Finanzierung und sichern als sicheres Zahlungsmittel auch in schwierigen Zeiten Umsatz.
Wie funktioniert das?
Neben privaten Exportversicherern (z. B. Coface) bietet Euler Hermes als Export Credit Agency (ECA) in Deutschland verschiedene Absicherungsmöglichkeiten. Der Exporteur deckt damit wirtschaftliche und politische Risiken ab, inklusive Nichtzahlung. Auf Basis dieser standardisierten Absicherung finanzieren Banken bis zu 85 % des Exportwertes (15 % Anzahlung durch den Importeur) plus Versicherungsprämie und tragen einen geringen Eigenanteil von 5 %.
Vereinfacht erklärt: Das Käuferrisiko wird durch die ECA-Absicherung in ein „Staatsrisiko“ umgewandelt, das Banken akzeptieren. So kann der Importeur entsprechend seinem Zahlungswunsch (z. B. über drei Jahre) finanzieren – meist zu besseren Konditionen als lokal.
Ergebnis: Der Exporteur liefert und erhält sofort Zahlung von der finanzierenden Bank. Bei Leistungsstörungen, etwa durch politische Ereignisse oder Nichtzahlung, entschädigt Euler Hermes (außer bei Transportschäden), sodass der Exporteur nicht beeinträchtigt wird.

ECA-abgesicherter Export
mit Finanzierung
Akkreditiv mit Forfaitierung
Zahlungssicherheit Sehr hoch hoch
Dokumentenrisiko keines hoch, zu Lasten Exporteur
Liquidität Exporteur sofort in Abhängigkeit von Dokumenten
Laufzeit Flexibel, außerhalb EU > 2 Jahre bis zu 2 Jahren mit Forfaitierung*
Marktgängig Marktgängig Marktgängig
Ca. Gesamtkosten (€) 130.000* 120.000 - 170.000*
Kosten (€) mittel mittel - bis hoch
Gebühren
Versicherungsprämie, Antrags-
gebühr, Zinsen für Finanzierung
(Kosten zahlt Importeur, werden
mitfinanziert),
Kosten und Produkt standarisiert,
zzgl. Finanzierungskosten in
Abhängigkeit von Banken *
Avisierungs-Gebühr
Abwicklungsprovision
Bestätigungsvermerk,
Handlingsfee
Diskontsatz (ggf. Kostenteilung)
+ zzgl. Kosten der
Importeursbank (!)
Kosten von Bank zu Bank
unterschiedlich *
Ein Vergleich zwischen Akkreditiv und ECA-Finanzierung zeigt: In manchen Fällen, etwa bei kurzen Laufzeiten unter zwei Jahren, Importeur sitzt in Europa, kann ein bestätigtes Akkreditiv vorteilhafter sein. Die optimale Lösung hängt von den Rahmenbedingungen ab.
Fazit: Akkreditive reduzieren das Zahlungsrisiko, verlagern jedoch Dokumentenrisiken auf den Exporteur. Staatlich abgesicherte Exportfinanzierungen minimieren wirtschaftliche und politische Risiken, ermöglichen längere Zahlungsziele für Importeure und sichern dem Exporteur sofortigen Umsatz – unabhängig von Dokumenten.
International nutzen Unternehmen, etwa in China, Japan und Korea (ca. 8%) sowie europäische Wettbewerber wie in Frankreich (ca. 4%), ECA-Finanzierungen strategisch zur Markterschließung. Deutsche Exporteure, überwiegend Großkonzerne sichern nur etwa 1 % ihrer Exporte so ab.
Abschließend: Sowohl Akkreditive als auch ECA-Absicherungen bieten vielfältige Varianten. Letztere ermöglichen zusätzlich Finanzierungen für Lieferanten und Importeure, decken weitere Risiken ab – von Fabrikationsrisiko während Spezialanfertigungen- und Projektrisiken bis hin zu ungerechtfertigten Ziehungen von Garantien („unfair calling“) und wiederkehrende Lieferungen – und bieten erhebliches Potenzial. Banken beraten hierzu meist nur Zielkunden; spezialisierte Financial-Services-Dienstleister beraten und helfen bei der praktischen Umsetzung.

Quelle: ANDRAE Project Finance GmbH