Studie
Perspektiven für die Erreichbarkeit von Gewerbegebieten
Die Erreichbarkeit von Gewerbegebieten für Beschäftigte ist ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen. Die IHK Nord Westfalen hat in einer aktuellen Studie die Potenziale im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region untersucht.
Wie ist die Erreichbarkeit von Gewerbegebieten zu bewerten? Welche Einflussfaktoren sind dabei relevant, und welche Schlussfolgerungen sowie Handlungsfelder lassen sich daraus ableiten? Diese Fragen bildeten die Grundlage dieser Untersuchung, in der die 343 Gewerbegebiete im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region betrachtet worden sind.
Methodik
Die 343 Gewerbegebiete im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region wurden hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit mit den Verkehrsmitteln Pkw, Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad/Pedelec klassifiziert. Mit dieser Vorgehensweise wurden für jedes Gewerbegebiet Erreichbarkeitsindizes ermittelt, mit denen die Standortmerkmale im Hinblick auf die Erreichbarkeit mit verschiedenen Verkehrsmitteln dargestellt werden können. Dabei wurde deutlich, dass folgende Gebietstypen unterschieden werden können:
- Standorte mit hohen Erreichbarkeitsindizes im Hinblick auf alle Verkehrsmittel (bspw. häufig in der Emscher-Lippe-Region zu finden)
- Standorte mit niedrigen Erreichbarkeitsindizes (hohe Anteile in den Kreisen Borken und Warendorf)
- Standorte mit hohem Pkw-Erreichbarkeitsindex und gleichzeitig niedrigem Erreichbarkeitsindex mit anderen Verkehrsmitteln (häufig entlang von Autobahnen zu finden)
Fallbeispiele
In einem zweiten Schritt wurden drei hinsichtlich ihrer strukturellen Ausprägungen deutlich unterschiedliche Gewerbegebiete ausgewählt und ihre Standortmerkmale vertiefend analysiert. Ziel war es dabei, ein möglichst breites Spektrum an Erreichbarkeitsqualitäten abzubilden und belastbar auszuwerten sowie die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weitere Gewerbegebiete im IHK-Bezirk zu erhöhen.
Folgende Gewerbegebiete wurden als Modellstandorte ausgewählt:
- Das Gewerbegebiet Weseke auf dem Gebiet der Kreisstadt Borken:
Es handelt sich um ein kleineres Gewerbegebiet im typischen Münsterland, das weder direkt an Autobahnen oder kreuzungsfreie Bundesstraßen noch an das Schienennetz angebunden ist. - Das Gewerbegebiet Rheine-Nord im Norden der Stadt Rheine im Kreis Steinfurt:
Es handelt sich um ein größeres Gewerbegebiet, das direkt an der Autobahnabfahrt der A30 gelegen, aber mit Verkehrsmittelalternativen zum Pkw relativ schlecht erreichbar ist. - Das Gewerbegebiet Ellinghorst im Stadtgebiet von Gladbeck:
Es handelt sich um einen historisch gewachsenen Standort der Montanindustrie im nördlichen Ruhrgebiet, der mittlerweile umgenutzt worden ist und der an alle Verkehrsmittel vergleichsweise gut angebunden ist.
Zusammenfassung
In Regionen, in denen die Angebote des öffentlichen Verkehrs kaum oder nur in schlechter Bedienqualität vorhanden sind, sind Beschäftigte mit einem längeren Arbeitsweg auf den Pkw angewiesen. Für Beschäftigte, die im Nahbereich ihres Arbeitgebers wohnen, stehen indes Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter als Alternative zur Verfügung.
An Standorten mit ausreichend Kfz-Stellplätzen und einer direkten Anbindung an eine Autobahn oder kreuzungsfreie Bundesstraße sind alternative Verkehrsmittel für viele Beschäftigte unattraktiv, da sie Zeitnachteile in Kauf nehmen müssen. Im Nahbereich sind zwar auch hier Zweiräder eine attraktive Alternative. Öffentliche Verkehrsmittel haben hingegen nur dann realistische Chancen, wenn sie den Gewerbestandort direkt erschließen und ihre Taktung auf die Arbeitszeiten der Unternehmen und ihrer Beschäftigten abgestimmt ist. Bike and Ride sowie Park and Ride können die Potenziale des öffentlichen Verkehrs steigern, wenn die Haltepunkte des SPNV nicht allzu weit entfernt sind.
Gleiches gilt für Gewerbestandorte mit einer guten Anbindung an alle Verkehrsmittel. Auch hier überdeckt die gute Anbindung an die Straßeninfrastruktur die Umstiegsmöglichkeiten auf alternative Verkehrsmittel. Zwar dürften diese Standorte für Beschäftigte, die auf ihren Arbeitswegen keinen Pkw verfügbar haben (z. B. Auszubildende und Beschäftigte im Niedriglohnsektor), attraktiver sein als in Gewerbegebieten mit unattraktivem ö_entlichem Verkehr. Dennoch dürften die hier vorhandenen, größeren Umstiegspotenziale nur dann aktiviert werden können, wenn sich die alternativen Angebote in ihrer Attraktivität (Kosten und Zeit) als besser als der Pkw darstellen lassen.
Handlungsempfehlungen
Die Erreichbarkeit der Standorte als Attraktivitätskriterium wird für Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger. Alternative Mobilitätsangebote gewinnen an Bedeutung, um Gewerbegebiete insgesamt attraktiver zu machen. Sie eröffnen Beschäftigten ohne Zugriff auf einen Pkw bessere Zugangsmöglichkeiten. Die Kommunen können gemeinsam mit den Unternehmen neue, nachhaltigere Optionen zur Erreichbarkeit von Gewerbegebieten schaffen.
- Erste Orientierung: Standort analysieren und Erreichbarkeit mit den verschiedenen Verkehrsmitteln abschätzen.
- Unterstützung sichern: Lokale Kooperationspartner gewinnen, Fördermöglichkeiten in Erfahrung bringen.
- Unternehmen einbinden: Informationskampagnen und -veranstaltungen über die Optionen zur nachhaltigen Mobilitätsgestaltung anbieten.
- Verbesserungspotenziale erheben: Gemeinsam mit den Unternehmen betriebliche Erreichbarkeitsanalysen und Mobilitätsbefragungen durchführen.
- Konkret werden: Maßnahmenpläne erarbeiten und umsetzen.
- Partner und Unternehmen vernetzen: Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Gewerbegebiet verstetigen.
Die Studie stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung. Wenden Sie sich hierzu bitte an Nicolas Hendricks (Telefon: 0251 707-308, E-Mail: nicolas.hendricks@ihk-nordwestfalen.de).
