Wirtschaftsspiegel
Nr. 7126498
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Junge Frau im Modegeschäft
Unternehmen & Märkte

„Wenige wissen, wie emotional unser Alltag ist“

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Unternehmerinnen und Unternehmer in Nord-Westfalen beantworten zwölf Fragen und geben so persönliche Einblicke. Das dritte Interview in dieser Reihe gibt Julia van Buer, Geschäftsführerin beim Modehaus van Buer in Haltern am See.
Wie beginnt Ihr typischer Arbeitstag?
Julia van Buer: Die Ladentüren öffnen zwar erst um 10 Uhr, aber unser Arbeitstag beginnt meistens schon gegen 8 Uhr – mit der ersten Tasse Kaffee am Schreibtisch. Oder wir sitzen bereits im Auto auf dem Weg nach Düsseldorf.
Worauf sind Sie in Ihrem Berufsleben besonders stolz?
van Buer: Ich bin froh, dass ich meinen beruflichen Weg so gehen konnte. Mode hat mir schon immer viel Freude bereitet. Bereits im Teenageralter durfte ich meinen Onkel und meine Tante nach Düsseldorf begleiten, um Ware einzukaufen. Später war ich über 15 Jahre bei Christoph Berger im Modehaus ebbers in Warendorf tätig, zuletzt als Geschäftsführerin. Mein Onkel hat schon früh gesagt, dass er sich mich als seine Nachfolgerin vorstellen kann. Den Schritt in die Selbstständigkeit hätte ich allerdings nicht ohne meinen Bruder gemacht. Es war mir wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, der die Verantwortung für unser Unternehmen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Stadt Haltern genauso mitträgt wie ich.
Modehaus mit Familiengeschichte:
Julia van Buer und ihr Bruder Jan übernahmen vor einem Jahr das Modehaus Van Buer sowie den Konzept-Store „mittendrin“ in Haltern am See. Das Modehaus, heute mit 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wurde im Jahre 1955 gegründet von Cäcilia und Heinz van Buer, der Tante und dem Onkel der beiden jetzigen Geschäftsführer.
Was ist Ihre Lieblingsaufgabe, und auf was könnten Sie verzichten?
van Buer: Ich liebe eigentlich den gesamten Prozess: vom Wareneinkauf über die Auswahl neuer Kollektionen bis hin zum Verkauf und den Begegnungen mit unseren Kundinnen und Kunden. Ich verkaufe leidenschaftlich gern. Wir beraten Bräutigame vor ihrer Hochzeit, begleiten Frauen bei einem Neuanfang, helfen Menschen, nach Schicksalsschlägen neues Selbstvertrauen zu finden. Dabei wird oft gelacht, manchmal auch geweint - genau das macht unseren Beruf aus.
Verzichten könnte ich auf den Bürokratieaufwand. Die Umwandlung unserer Rechtsform von e.K. in die OHG und die Eintragung ins Handelsregister haben Monate gedauert - eine anstrengende Zeit.
Junge Frau im Modegeschäft
Ihr Onkel hatte Julia van Buer schon früh als Nachfolgerin im Blick. Der Zeitpunkt war günstig, als ihr Bruder mit ihr zusammen die Verantwortung übernehmen konnte. © Morsey/IHK
Gibt es in Ihrem Unternehmen etwas, das die meisten Leute überraschen würde?

van Buer: Wie emotional unser Alltag ist. Und wie oft wir wertschätzendes Feedback von unseren Kundinnen und Kunden bekommen.

Was war die bisher größte Herausforderung in Ihrer Laufbahn?
van Buer: Zu verstehen, dass Verantwortung nicht nur eine Aufgabe ist, sondern ein Gefühl. Gerade in schwierigen Zeiten habe ich erlebt, wie wertvoll Zusammenhalt ist - in unserer Familie, in der Partnerschaft mit meinem Bruder Jan und im Team.
Wenn Sie einem Gründer oder einer Gründerin in der Region einen Rat geben könnten, welcher wäre das?
Der wichtigste Rat ist: Gründen Sie nicht nur mit einem Geschäftsmodell, gründen Sie mit einer Überzeugung. Menschen folgen keiner Excel-Tabelle. Menschen folgen Menschen.
Wie würden Kolleginnen und Kollegen Sie in drei Worten beschreiben?
van Buer: Verlässlich. Ehrgeizig. Leidenschaftlich.
Wenn Sie einen Tag lang die Wirtschaftspolitik Ihrer Stadt bestimmen könnten. Was würden Sie ändern?
van Buer: Ich würde alles dafür tun, Begegnungen zu ermöglichen. Eine Innenstadt darf nicht nur ein Ort zum Einkaufen sein. Sie muss ein Ort sein, an dem Menschen sich treffen, austauschen und Gemeinschaft erleben. Gerade in einer digitalen Welt werden echte Begegnungen immer wertvoller.
Zudem würde ich eine einheitliche Regelung der Öffnungszeiten vorgeben. Und dafür sorgen, dass für leerstehende Ladenlokale vorrangig nach Mietern mit inhabergeführten Unternehmen gesucht wird.

Was schätzen Sie besonders am diesem Wirtschaftsstandort?
van Buer: Die Menschen. Hier zählt Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Unsere Kundschaft hier in Haltern feilscht nicht um den Preis, sondern bringt der Dienstleistung, die wir erbringen, Wertschätzung entgegen.
Ohne was könnten Sie nicht arbeiten?
van Buer: Ohne Menschen: Mein Team, meinen Zwillingsbruder Jan, die Kundinnen und Kunden, und meine Familie. Mein Onkel und meine Tante unterstützen uns bis heute. Meine Mutter ist für meine Kinder da, wenn sie aus dem Kindergarten kommen. Ohne sie wäre das alles nicht möglich, das ist ein Privileg. Zu meinem Leben und zu meinem Glück gehören Kinder und Arbeit gleichermaßen. Und ich möchte, dass meine Kinder mich als Mutter sehen und als Unternehmerin erfahren.
Welches Buch, Zitat oder Vorbild inspiriert Sie?
van Buer: Mein größtes Vorbild ist tatsächlich meine Familie. Ich durfte erleben, wie man ein Unternehmen führt, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Wie entspannen Sie nach einem langen Arbeitstag?
van Buer: Dann genieße ich die Zeit mit meiner Familie und meinen Mädels ganz bewusst. Es wird zusammen zu Abend gegessen und vom Tag erzählt, dann kuscheln wir uns ein und ich lese etwas vor. Hier kann ich am besten abschalten.