Medien-Information

IHK und Energy Hub Wilhelmshaven stellen Schienenanalyse vor

2040 im Blick: Der Handlungsbedarf besteht jetzt

44/2026 vom 13. Mai 2026
Die Rede ist zwar von 2040, doch der Handlungsbedarf besteht schon jetzt. Der Schienenverkehr in der Region Weser-Ems wird in den kommenden Jahren steigen – sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Schon heute ist die Auslastung des Schienennetzes im Oldenburger Land hoch. Für die Wirtschaft ist fraglich, ob das vorhandene Netz zusätzlichen Verkehr bewältigen kann, ohne dass es zu Engpässen und Verspätungen kommt.
Das hat die Oldenburgische IHK bereits 2021 erkannt und erstmals eine Kapazitätsanalyse der Schieneninfrastruktur im gesamten Weser-EmsGebiet von Ostfriesland bis Bremen und Osnabrück erstellen lassen. Nun hat sie diese gemeinsam mit dem Energy Hub Wilhelmshaven aktualisieren lassen – damals wie heute durch das Verkehrswissenschaftliche Institut von Professor Dr. Nils Nießen von der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen. Bei der Aktualisierung des Gutachtens wurden auch die prognostizierten Verkehrsmengen, die sich zukünftig durch den Energy Hub Wilhelmshaven ergeben, berücksichtigt.
Das Ergebnis der Analyse, die am Mittwoch in Wilhelmshaven vorgestellt wurde: „Wir müssen uns dringend Gedanken über den Ausbau bestimmter Streckenabschnitte machen“, sagte Felix Jahn, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Verkehr. „Und wir müssen das jetzt an den richtigen Stellen adressieren.“ Denn: „Der Energy Hub Wilhelmshaven wird zusätzliche Verkehre erzeugen – das ist gewollt und notwendig. Entscheidend ist, dass die Netze darauf vorbereitet werden. Dabei ist nicht der Hafen die Grenze des Wachstums, sondern die Schiene dahinter“, machte Susann Schäfer
Biscan, Netzwerkmanagerin des Energy Hubs, deutlich. Die aktuelle Analyse untermauere den Handlungsbedarf für mehr Redundanz und Resilienz in der Hinterlandanbindung von Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen, so Jahn.
Dabei bietet die Strecke von Wilhelmshaven nach Oldenburg mit dem zweigleisigen Ausbau und der Elektrifizierung zwar schon jetzt ausreichende Kapazitäten, „aber in Sande braucht es einen weiteren Bahnsteig“, mahnte Jahn an. Zugleich müssen die Strecken von Oldenburg in Richtung Bremen und Osnabrück fit gemacht werden für die weitere Entwicklung Wilhelmshavens als Energy Hub, Containerhafen und größtem deutschen Militärstandort.
„Wir wissen alle, dass der Infrastrukturausbau lange dauert, vor diesem Hintergrund ist 2040 eigentlich schon morgen“, sagte Jahn und machte die Notwendigkeit deutlich, genau jetzt die entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten. Im Fokus stehen dabei der Neubau der Eisenbahnbrücke in Oldenburg inklusive neuem Stellewerk und neuer Pferdemarkbrücke sowie Überholmöglichkeiten für Ganzzüge zwischen Brake und Hude. Außerdem müssen der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke von Oldenburg nach Osnabrück als Flextrasse für den Personen- und Güterverkehr sowie Kapazitätserweiterungen auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen angegangen werden.
„Wir wissen heute schon ziemlich genau, was uns 2040 erwartet“, betonte auch Matthias Schrell, Geschäftsführer der Rhenus Midgard Wilhelmshaven GmbH & Co. KG. Da Wilhelmshaven keinen Binnenwasserstraßenanschluss habe, „gewinnt die Schiene noch einmal zusätzlich an Bedeutung. Der Flaschenhals liegt auf den Schienenverbindungen ins Hinterland – dort entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit des Standorts.“ Deshalb sollten die Erkenntnisse der Untersuchung die Basis für den neuen Bundesverkehrswegeplan sein, so Jahn.
Zum Glück stoße man bei der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn DB InfraGo bereits auf offene Ohren, sagte Yannis Fischer, Projektleiter beim Energy Hub. Doch die allein reicht nicht aus. Die Dringlichkeit des Streckenausbaus muss nun auch im Bundesverkehrsministerium erkannt, die Vorrangigkeit festgestellt werden. Jahn kündigte vor diesem Hintergrund, gemeinsam mit dem Energy Hub, Gespräche mit den zuständigen Stellen an.