Medien-Information
IHK-Blitzumfrage zu Stromnetz-Anschlüssen
Engpässe bremsen die Energiewende im Oldenburger Land aus
46/2026 vom 20. Mai 2026
Die wirtschaftliche Entwicklung im Oldenburger Land wird zunehmend durch fehlende Stromnetzanschlüsse ausgebremst. Das zeigt eine aktuelle Blitzumfrage der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) unter Unternehmen der Region. Die Ergebnisse machen deutlich: Viele Betriebe benötigen kurzfristig zusätzliche Netzkapazitäten, erhalten diese jedoch nicht oder erst nach mehreren Jahren. Betroffen sind sowohl bestehende Unternehmen, die investieren und klimafreundlicher produzieren wollen, als auch neue Ansiedlungsvorhaben.
„Die Lage ist ernst. Fehlende Netzanschlüsse gefährden Investitionen, Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts“, betont IHK-Präsident Jan Müller. „Wenn Unternehmen ihre Produktion nicht erweitern, Ladeinfrastruktur nicht aufbauen oder Prozesse nicht elektrifizieren können, geraten nicht nur Energiewende und Transformation ins Stocken. Auch die Resilienz unserer Region leidet.“
An der Umfrage beteiligten sich 128 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk. 41 berichten von akuten Einschränkungen beim Netzanschluss. Besonders problematisch ist dabei die mangelnde Planbarkeit: 86 Prozent der Betroffenen wissen nicht, wann überhaupt ein Anschluss zur Verfügung stehen könnte. „Der Handlungsdruck ist hoch. Mehr als die Hälfte der Unternehmen benötigt zusätzliche Anschlussleistung sofort oder innerhalb eines Jahres“, sagt Björn Schaeper, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Umwelt. „Gleichzeitig stehen erhebliche Investitionen auf dem Spiel: Bei fast drei Viertel der betroffenen Betriebe geht es um Investitionsvolumina von mehr als einer Million Euro, teilweise sogar um Summen von über zehn Millionen.“
Die Unternehmen benötigen zusätzliche Netzkapazitäten für den Aufbau von Ladeinfrastruktur, Produktionserweiterungen, die Elektrifizierung von Prozessen sowie den Aufbau einer eigenen Stromerzeugung. Die Folgen fehlender Anschlüsse reichen von Verzögerungen bei Digitalisierung und Dekarbonisierung bis hin zur Gefährdung von Arbeitsplätzen.
Der Ausbau der Stromnetze ist aus IHK-Sicht inzwischen ein zentraler Standortfaktor. Für 64 Prozent der Unternehmen beeinflusst die Netzverfügbarkeit zukünftige Standortentscheidungen. Die aktuellen Engpässe entstehen oft nicht in den regionalen Verteilnetzen, sondern auf den darüberliegenden Hochspannungsebenen. Die Ursachen sind vielfältig. Neben Verzögerungen beim Netzausbau und langen Planungs- und Genehmigungsverfahren kritisieren Unternehmen die teilweise spekulative Reservierung von Netzkapazitäten. Dadurch würden verfügbare Anschlussmöglichkeiten blockiert, ohne dass konkrete Projekte zeitnah umgesetzt werden.
Die IHK fordert ein Bündel kurzfristiger und langfristiger Maßnahmen. „Das bisherige Windhundprinzip stößt an seine Grenzen“, meint Schaeper. „Entscheidend müssen künftig Kriterien wie Umsetzungsreife, Wertschöpfung und Arbeitsplatzwirkung sein.“ Zudem seien erhebliche Beschleunigungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig. Gleichzeitig müssten Netzbetreiber und Politik kurzfristig alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Engpässe zu entschärfen. Etwa durch flexible Anschlussvereinbarungen oder eine bessere regionale Priorisierung.
Die IHK will sich stärker zwischen Unternehmen, Kommunen und Netzbetreibern einbringen. Geplant ist auch eine Online-Meldestelle, über die Unternehmen ihre Fälle melden und Ansprechpartner finden können. „Der Ausbau der Stromnetze entscheidet mit darüber, ob Transformation, Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum im Oldenburger Land gelingen“, betont Müller. „Jetzt kommt es darauf an, pragmatisch, schnell und gemeinsam zu handeln.“
Hier (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 276 KB) finden Sie die ausführlichen Umfrageergebnisse.