IHK-Auswertung zeigt: Beschäftigungswachstum verliert weiter an Dynamik Industrie baut Stellen ab, öffentlicher Sektor wächst weiter
Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt mittlerweile deutliche Spuren am regionalen Arbeitsmarkt. Nach Auswertung der aktuellen amtlichen Statistik durch die IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim waren zum Jahresende 2025 im IHK-Bezirk insgesamt rund 445.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Das waren rund 1.700 Beschäftigte mehr als ein Jahr zuvor und entspricht einem Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber Ende 2024.
Damit verliert das Beschäftigungswachstum weiter an Dynamik: Im Vorjahr hatte der Beschäftigungsaufbau noch rund 2.500 Personen betragen, ein Jahr zuvor sogar knapp 3.000 Personen. Trotz der schwachen Entwicklung liegt die Region damit weiterhin leicht über dem Landesdurchschnitt von Niedersachsen (+0,2 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt (-0,1 Prozent).
Besorgniserregend ist die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe. Dort sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Jahresende 2025 binnen Jahresfrist um 1,4 Prozent beziehungsweise rund 1.500 Personen. Damit setzt sich der Stellenabbau in der für die Region besonders wichtigen Industrie fort.
Gleichzeitig zeigt sich ein gegenläufiger Trend im öffentlichen Sektor: Allein dort entstanden im vergangenen Jahr mehr als 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze. „Stellenzuwachs gibt es mittlerweile vor allem noch im staatlichen Bereich, während die Unternehmen der privaten Wirtschaft unter den Folgen der anhaltenden Konjunkturschwäche leiden. Das ist eine ungesunde Entwicklung“, betont IHK-Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftspolitik Frank Hesse.
Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt unterschiedliche Herausforderungen. Den stärksten Rückgang verzeichnet erneut die Arbeitnehmerüberlassung, in der 17,6 Prozent weniger Menschen beschäftigt sind als ein Jahr zuvor. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen hat sich die Dynamik spürbar abgeschwächt. So konnten beispielsweise die Informations- und Kommunikationswirtschaft, die Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie die Immobilienwirtschaft nur noch geringe Beschäftigungszuwächse verbuchen. Einen Lichtblick stellt dagegen das Baugewerbe dar: Nach einem Beschäftigungsrückgang von 2,0 Prozent im Vorjahr wurde zuletzt immerhin wieder ein leichtes Plus von 0,4 Prozent erreicht.
„Die aktuellen Zahlen spiegeln die anhaltend schwache Konjunktur wider. Eine grundlegende Trendwende am Arbeitsmarkt ist derzeit nicht erkennbar. Für die kommenden Monate ist allenfalls mit einer verhalten positiven Beschäftigungsentwicklung zu rechnen“, so Hesse. Denn auch die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage deute auf eine zurückhaltende Personalplanung hin. Zudem sehen mittlerweile 61 Prozent der Unternehmen in den Arbeitskosten ein Geschäftsrisiko (Vorquartal: 57 Prozent). Gleichzeitig verliert der Fachkräftemangel weiter an Bedeutung. Er wird nur noch von 37 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt. „Der Fachkräftemangel bleibt zwar eine Herausforderung. Aktuell wird er jedoch von der schwachen Nachfrage, den hohen Kostenbelastungen und den wirtschaftlichen Unsicherheiten überlagert. Dass der Wert weiter zurückgeht, ist auch ein Zeichen dafür, dass viele Unternehmen derzeit deutlich zurückhaltender einstellen als noch vor einigen Jahren“, erklärt Hesse.