Metropolraum Berlin-Brandenburg: Wirtschaft fordert mehr Tempo bei der Länderkooperation

Die IHKs in Berlin und Brandenburg haben ein gemeinsames Forderungspapier vorgelegt. Im Fokus stehen Fachkräfte, Flächenentwicklung, Infrastruktur und eine engere Zusammenarbeit der Länder.

Die Pressemitteilung

Die im Koalitionsvertrag der Brandenburger Landesregierung für dieses Jahr angekündigte Weiterentwicklung des Landesentwicklungsplans Hauptstadtregion bietet Anlass, zentrale Zukunftsfragen der Hauptstadtregion neu zu betrachten. Mit dem Forderungspapier der Metropolraumkonferenz 2026 bringen die Industrie- und Handelskammern in Berlin und Brandenburg hierzu die Perspektive der Wirtschaft ein.
Die neun wirtschaftspolitischen Kernforderungen wurden bei der IHK-Metropolraumkonferenz in Schönefeld gemeinsam mit rund 150 Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik erarbeitet. Im Fokus stehen Fachkräftesicherung, Gewerbeflächen, Infrastruktur und eine engere Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg.
„Ob ein Arbeitnehmer heute beim BER im brandenburgischen Schönefeld, oder wenige Kilometer entfernt im Berliner Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof eine Stelle antritt, macht für ihn kaum einen Unterschied. Pendlerinnen und Pendler, wie auch Unternehmen und deren Lieferketten orientieren sich nicht an Ländergrenzen. Die Wirtschafts- und Lebensräume der Hauptstadtregion sind längst zusammengewachsen. Umso wichtiger ist es, dass auch die Politik viel stärker gemeinsam handelt. Wir brauchen eine gemeinsame Strategie bei Fachkräften, Flächenentwicklung und Infrastruktur“, sagt André Fritsche, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Brandenburger Industrie- und Handelskammern sowie Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus.
Zu den zentralen Forderungen zählen eine gemeinsame Fachkräfte- und Arbeitsmarktstrategie, eine koordinierte Flächenpolitik, der beschleunigte Ausbau der Energieinfrastruktur sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Zudem spricht sich die Wirtschaft für eine stärkere Unterstützung von Großprojekten wie der Expo 2035 aus.
„Berlin und Brandenburg können ihre Standortvorteile nur dann voll ausschöpfen, wenn sie konsequent als gemeinsamer Wirtschaftsraum gedacht werden. Die jüngst vorgestellte Innovationsstrategie Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg 2035 zeigt, dass beide Länder gemeinsame Antworten auf Zukunftsfragen entwickeln können. Nun gilt es, diesen Anspruch auch bei zentralen Zukunftsprojekten einzulösen. Großereignisse wie die Expo 2035 oder Olympische Spiele bieten die Chance, Wachstum, Investitionen und internationale Sichtbarkeit der Region nachhaltig zu stärken“, ergänzt Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin.
Mit dem Forderungspapier richtet die Wirtschaft einen klaren Handlungsauftrag an die Politik beider Länder, um die Wettbewerbsfähigkeit der Hauptstadtregion langfristig zu stärken.

Die Forderungen

aus dem FORDERUNGSPAPIER Metropolraum Berlin-Brandenburg
Die Metropolregion Berlin-Brandenburg hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem eng verflochtenen Wirtschafts- und Lebensraum mit beachtlicher Dynamik entwickelt. Was lange zusammengewachsen ist, steht nun an einem Punkt, an dem eine neue Qualität der Zusammenarbeit möglich wird: Millionen Erwerbstätige, zahlreiche Unternehmen und intensive Pendlerverflechtungen zeigen bereits heute, dass Berlin und Brandenburg faktisch einen gemein-samen Arbeitsmarkt bilden.
Um zentrale Zukunftsaufgaben – insbesondere Fachkräftesicherung, Flächenentwicklung, Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit – zu bewältigen, haben rund 200 Akteure aus Wirtschaft und Politik auf der Metropolraumkonferenz der Industrie- und Handelskammern 2026 gemeinsame Forderungen erarbeitet. Wenn Partnerschaftlichkeit weitergedacht wird, Einspar- und Effizienzpotenziale gemeinsam genutzt und Kooperation auf eine neue Ebene gehoben werden, kann aus dieser gewachsenen Verflechtung ein noch stärkerer Zukunftsraum entstehen mit der Kraft, Großes für Wirtschaft, Beschäftigung und Lebensqualität in der Metropolregion zu schaffen.

Fachkräfte

Der Fach- und Arbeitskräftemangel stellt für die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg eine zentrale Herausforderung dar, wird jedoch bislang weitgehend getrennt adressiert. Angesichts enger wirtschaftlicher Verflechtungen und großer Pendlerströme ist eine isolierte Strategie nicht zeitgemäß und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Metropolregionen. Beide Länder müssen daher eine gemeinsame, integrierte Fachkräfte- und Arbeitsmarktstrategie entwickeln, die regionale Disparitäten berücksichtigt und eine ausgewogene Entwicklung des gesamten Wirtschaftsraums sicherstellt.
Die bestehenden Strukturen der Fachkräftegewinnung und -vermittlung enden häufig an Landesgrenzen, obwohl Arbeitsmärkte und Unternehmen längst eng miteinander verflochten sind. Dies führt zu Ineffizienzen und bleibt hinter den tatsächlichen Bedarfen der Wirtschaft zurück, während die internationale Konkurrenz eine abgestimmte Positionierung erfordert. Behörden müssen daher enger und verbindlicher zusammenarbeiten und die Vermittlung in Ausbildung und Arbeit systematisch über Landesgrenzen hinweg organisieren. Zudem braucht es gemeinsame Anwerbestrategien, um die Metropolregion als zusammenhängenden und zugleich vielfältigen Arbeits- und Lebensraum sichtbarer und attraktiver für internationale Fachkräfte zu machen.
Die langfristige Bindung von Fachkräften hängt nicht allein von unternehmerischen Faktoren ab, sondern von der Attraktivität des gesamten Standorts. Entscheidend sind dabei bedarfsorientierte Arbeitsbedingungen, bezahlbarer Wohnraum und eine leistungsfähige Infrastruktur Dafür braucht es eine abgestimmte Infrastrukturplanung, ausreichend Wohnangebote sowie die Förderung flexibler und moderner Arbeitsmodelle. Nur wenn Mobilität, Wohnen und Arbeitsqualität im gesamten Metropolraum zusammen gedacht und gestaltet werden, kann Fachkräftebindung nachhaltig erfolgreich gelingen.

Gewerbeflächen im Wandel

Für eine wettbewerbsfähige Hauptstadtregion bedarf es einer koordinierten länderübergreifenden Planung, Entwicklung und Vermarktung von Industrie- und Gewerbeflächen. Berlin und Brandenburg müssen hierfür gemeinsame Strategien entwickeln und finanzieren, um Engpässe zu reduzieren, Abwanderung zu vermeiden und Wachstum zu sichern.
Eine leistungsfähige, verlässliche und bezahlbare Energieversorgung entwickelt sich zunehmend zum zentralen Wettbewerbsfaktor für die erfolgreiche Entwicklung neuer Industrie- und Gewerbegebiete. Voraussetzung hierfür ist ein gezielter und beschleunigter Ausbau der Energieinfrastruktur – sowohl für die Integration erneuerbarer Energien als auch für die Sicherstellung ausreichender Kapazitäten insgesamt. Dafür bedarf es eines investitionsfreundlichen Rechtsrahmens sowie deutlich effizienterer Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Der Metropolraum Berlin-Brandenburg braucht beides - verlässliche Flächen für Unternehmen, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze erhalten bleiben und auch weiterentwickelt bzw. neu geschaffen werden können, aber auch ausreichend Wohnraum für Beschäftigte. Daher müssen Gewerbe und Wohnraum gleichrangig betrachtet und länderübergreifend geplant werden. Gewerbeflächen sind konsequent zu sichern, zu entwickeln und zu schützen. Nur so kann die Metropolregion wirtschaftlich stark, lebenswert und zukunftsfähig bleiben.

Großveranstaltungen

Die Ausrichtung von Großveranstaltungen muss stärker strategisch als Motor für Wachstum, Innovation und internationale Sichtbarkeit der Hauptstadtregion verstanden und umgesetzt werden. Für aktuelle Projekte, wie die Expo 2035 sowie Olympische und Paralympische Spiele 2040/2044 gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass erhebliche Potenziale für Investitionen in Infrastruktur, Tourismus, Fachkräftegewinnung und nachhaltige Stadtentwicklung bestehen. Insbesondere kann die internationale Anbindung auf ein neues Level gehoben werden: Mit mehr Langstreckenverbindungen am BER wird die Attraktivität der Gesamtregion für Unternehmen, Fachkräfte, Investoren und Gäste erhöht.
Wir appellieren an die Länder Berlin und Brandenburg, gemeinsame Vorhaben jetzt entschlossen voranzutreiben, Kräfte zu bündeln und klare politische Signale für eine abgestimmte Bewerbung zu setzen. Die Wirtschaft fordert insbesondere jetzt ein klares „JA!“ und die Unterstützung für die Expo 2035. Nur im Schulterschluss kann die Region ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Standortvergleich stärken.
Für die Zukunft braucht es verlässliche und effizientere Strukturen für die länderübergreifende Zusammenarbeit: gemeinsame Steuerungs- und Entscheidungsformate, schnelle Abstimmungswege sowie verbindliche Zuständigkeiten. Kooperative Formate, wie gemeinsame Kabinettsitzungen und die Parlamentarische Konferenz der Länder sowie die Kommunalen Nachbarschaftsforen müssen auch diese Vorhaben stärker in den Fokus nehmen. So lassen sich auch zukünftig Großprojekte besser planen, koordinieren und umsetzen.

Ausblick

Um Wachstum zu sichern, Innovationskraft zu stärken und die Lebensqualität in der gesamten Region zu erhalten, braucht die Metropolregion ein neues Niveau verbindlicher Zusammenarbeit. Die Hauptstadtregion kann ihre Potenziale nur dann voll entfalten, wenn sie konsequent als gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum gedacht und gestaltet wird.

Die vorliegenden Forderungen formulieren zentrale Erwartungen der Wirtschaft an die Politik und markieren einen gemeinsamen Handlungsrahmen für die weitere Entwicklung der Metropolregion. Gleichzeitig ist die Wirtschaft bereit, die Umsetzung aktiv zu begleiten und ihren Beitrag zu leisten, um die identifizierten Zukunftsaufgaben gemeinsam und wirkungsvoll voranzubringen