IHK-Exportbarometer

Außenhandel 2023

International tätige Unternehmen durchleben eine turbulente Zeit. Der Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs zeigt gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Nach unterbrochenen Lieferketten während der Corona-Pandemie standen das Jahr 2021 und der Beginn 2022 im Zeichen der Erholung und die meisten Unternehmen konnten an das vorpandemische Wachstum anknüpfen. Für das Exportbarometer wurden die Aussagen von 299 ostwestfälischen Industrieunternehmen mit insgesamt 64.637 Beschäftigten herangezogen.

Aktuelle und erwartete Geschäftsbeziehungen

Auch wenn die Zahlen zum Vorjahr allgemein schlechter ausfallen, steht die Europäische Union weiter im Fokus der Unternehmen. Den Erwartungen von 2022 entsprechend und entgegen dem allgemeinen Trend werden die aktuellen Geschäftsbeziehungen zu den USA überdurchschnittlich positiv bewertet. Auch die Wirtschaftsbeziehungen mit Asien haben sich positiv entwickelt. Kriegs- und sanktionsbedingt fallen die Geschäfte mit Russland ab. Afrika verliert stark.
Die Unternehmen rechnen mit einem schwierigen Jahr. Die Zahlen der erwarteten Geschäftsbeziehungen sind allgemein rückläufig. Einzig Saudi-Arabien bzw. Nah-/Mittelost übertreffen alle Erwartungen und liegen auf Platz drei und vier hinter den USA und China. Auch Vietnam kann sich aufgrund der „China-Plus-One“-Strategie behaupten. Die Erwartungen für Russland, Großbritannien, Tschechien und der Türkei sind überaus negativ.
Einschätzungen aktueller und erwarteter Geschäftsbeziehungen zu USA, China und Nah-/Mittelost.

Entwicklung der Auslandsumsätze

Der Anteil der Unternehmen, die fallende Auslandsumsätze erwarten, erreicht den höchsten Wert seit 2010 und liegt bei 23 Prozent. Gleichzeitig geht der Anteil der Unternehmen, die steigende Auslandsumsätze erwarten, um 15 Prozentpunkte auf 54 Prozent zurück.
Erwartungen der Unternehmen zu steigenden, gleichbleibenden oder fallenden Auslandsumsätzen.

Zielregionen der Auslandsinvestitionen

Der Anteil der im Ausland investierenden Unternehmen nimmt im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab. Während die EU, Schweiz, Norwegen und auch Süd- und Mittelamerika leichte Zunahmen verbuchen, nimmt der Anteil der investierenden Unternehmen in allen anderen abgefragten Ländern deutlich ab. Die Länder der Eurozone bleiben Spitzenreiter als Zielland für Auslandsinvestitionen mit einem Anteil von 71 Prozent der Unternehmen.
Balkendiagramm zu Zielländern der Auslandsinvestitionen 2022 und 2023 im Unternehmensvergleich.

Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung

m Jahr 2023 stellen vor allem die Inlandsnachfrage (69,2 Prozent) und die Energiepreise (67,8 Prozent) die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmen dar. Des Weiteren sind die Rahmenbedingungen für die Unternehmen insgesamt nicht einfacher geworden. Waren es in den Vorjahren drei bis vier Risiken von mehr als 45 Prozent sind es nun acht. Neben der Auslandsnachfrage werden auch gestörte Lieferketten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen kritisch betrachtet.
Balkendiagramm zu wahrgenommenen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, z. B. Energiepreise.

Auslandsumsätze in Ostwestfalen im Vergleich

Paderborn zeigt das stärkste langfristige Wachstum der Auslandsumsätze. Mit einem Anstieg in Höhe von 62 Prozent seit 2016 liegt Paderborn deutlich vor den Kreisen Höxter (39 Prozent), Gütersloh (38 Prozent) und Herford (36 Prozent). Die Stadt Bielefeld (23 Prozent) und der Kreis Minden-Lübbecke (22 Prozent) liegen im Wachstum der Auslandsumsätze seit 2016 an hinterer Stelle.
Liniendiagramm zur Entwicklung der Auslands- und Inlandsumsätze des verarbeitenden Gewerbes in Ostwestfalen von 2006 bis 2022.

Entwicklung der Auslands- und Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes in Ostwestfalen

Die Inlands- und Auslandsumsätze Ostwestfalens nähern sich immer weiter an. Zwar sind die Inlandsumsätze (31,2 Mrd. Euro) im Jahr 2022 nach wie vor höher als die im Ausland erwirtschafteten Umsätze (20,7 Mrd. Euro), ihre Differenz wird jedoch immer kleiner. Während Ostwestfalens Unternehmen ihre Auslandsumsätze im Vergleich zu 2006 um 79 Prozent steigern konnten, legten die Inlandsumsätze lediglich um 40 Prozent zu.
Liniendiagramm zur Entwicklung der Auslands- und Inlandsumsätze des verarbeitenden Gewerbes in Ostwestfalen von 2006 bis 2022.

Exportquoten und Auslandsumsätze für Bund, NRW und Ostwestfalen

Zwar geht die Exportquote Ostwestfalens leicht um 0,1 Prozentpunkte zurück, bleibt mit einem Wert von 39,9 Prozent jedoch historisch hoch. Trotzdem liegt diese weiter unter dem Exportanteil in NRW und des Bundes.
3D-Balken zu Exportquoten und Auslandsumsätzen für Deutschland, NRW und Ostwestfalen im Vorjahresvergleich.

Maschinenbau bleibt Spitzenreiter

Der Maschinenbau und die elektrische Ausrüstung verbuchen leichte Steigerungen ihrer Anteile am gesamten Auslandsumsatz und führen die Liste der exportstärksten Branchen weiter an. Als Branchen mit dem größten Wachstum der Auslandsumsätze konnten sich im Jahr 2022 vor allem die Gummi- und Kunststoffwaren (39,0 Prozent), die Metallerzeugung und -bearbeitung (33,5 Prozent) und die pharmazeutischen Erzeugnisse (29,7 Prozent) durchsetzen.
Balkendiagramme: Links Anteil exportstarker Branchen am Auslandsumsatz 2022, rechts Branchen mit größtem Wachstum.