Verkehr und Mobilität

Güterverkehr 2025 zeigt die Lage der deutschen Wirtschaft

Die aktuelle Marktbeobachtung Güterverkehr – Jahresbericht 2025 des Bundesamtes für Logistik und Mobilität (BALM) liefert wichtige Hinweise für Industrie, Handel, Bauwirtschaft und Logistik. Trotz eines leichten Wirtschaftswachstums blieb die Güterverkehrsnachfrage insgesamt schwach. Besonders die Industrie- und Baukonjunktur spiegelt sich deutlich in den Transportzahlen wider.

Industrie und Bau bleiben Belastungsfaktoren

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt legte 2025 zwar leicht um 0,2 Prozent zu. Gleichzeitig gingen die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe um 1,0 Prozent und im Baugewerbe um 2,9 Prozent zurück. Die schwache Entwicklung wichtiger Branchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie und Chemie wirkt sich unmittelbar auf Transportnachfrage und Lieferketten aus.
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in den Transporten von Chemieprodukten, Metallen sowie Baustoffen. Diese Gütergruppen verzeichneten im Straßen-, Schienen- und Binnenschiffsverkehr überwiegend Rückgänge.

Außenhandel: Mehr Importe, schwächere Exporte

Die Importe Deutschlands stiegen 2025 wertmäßig um 4,3 Prozent, die Exporte lediglich um 0,9 Prozent. Mengenmäßig entwickelten sich die Importe sogar deutlich stärker (+4,2 Prozent), während die Exportmengen um knapp 2 Prozent sanken. Besonders die Ausfuhren in die USA gingen vor dem Hintergrund der US-Handelspolitik zurück.
Für exportorientierte Unternehmen bedeutet dies weiterhin ein anspruchsvolles Marktumfeld.

Straßengüterverkehr bleibt Rückgrat der Logistik

Der Straßengüterverkehr konnte seine Beförderungsmenge 2025 um 0,9 Prozent steigern. Getragen wurde dies insbesondere durch höhere Transportmengen im Nah- und Regionalverkehr. Gleichzeitig sank die Verkehrsleistung um 0,9 Prozent, weil längere Transporte im Fernverkehr zurückgingen.
Besonders dynamisch entwickelten sich Transporte von Sammelgut (+6,6 Prozent), Fahrzeugen (+3,8 Prozent), sonstigen Mineralerzeugnissen (+3,1 Prozent) und Nahrungs- und Genussmitteln (+1,3 Prozent).

Logistikbranche unter erheblichem Druck

Die wirtschaftliche Lage vieler Transportunternehmen bleibt angespannt. Zwar stiegen die Umsätze im Straßengüterverkehr nominell um 2,4 Prozent, gleichzeitig erhöhten sich aber Kosten für Personal, Versicherungen und Fahrzeugunterhalt. Viele Unternehmen konnten diese Belastungen nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben.
Die Zahl der Insolvenzverfahren im Straßengüterverkehr erreichte 2025 mit 566 Fällen den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Viele Unternehmen bauen Kapazitäten ab und erwarten eine weitere Marktkonsolidierung.

Investitionen bleiben verhalten

Unsichere Konjunkturaussichten, hohe Finanzierungskosten, die gestiegene Lkw-Maut sowie fehlende Planungssicherheit bei zukünftigen Antriebstechnologien bremsen Investitionen. Ersatzinvestitionen dominieren, während Neuanschaffungen zurückgestellt werden. Die Neuzulassungen schwerer Lkw gingen um 16,9 Prozent zurück, die von Sattelzugmaschinen um 9,8 Prozent.
Positiv entwickelt sich jedoch die Elektrifizierung: Der Anteil alternativ angetriebener Sattelzugmaschinen stieg auf 4,4 Prozent. Elektro-Sattelzugmaschinen waren erstmals die wichtigste alternative Antriebsart.

Schiene verliert weiter Marktanteile

Der Schienengüterverkehr verzeichnete Rückgänge bei Beförderungsmenge (-2,8 Prozent) und Verkehrsleistung (-2,2 Prozent). Besonders betroffen waren Transporte von Kohle, Chemieprodukten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Gleichzeitig belasten Baustellen, Netzengpässe und Qualitätsprobleme weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers.

Leichte Erholung 2026 erwartet

Für 2026 prognostiziert das BALM eine leichte Belebung des Güterverkehrs. Die Verkehrsleistung soll gesamtmodal um rund 0,2 Prozent und die Transportmenge um 0,7 Prozent steigen. Mittelfristig werden vor allem für den Straßengüterverkehr und den Kombinierten Verkehr aus Straße und Schiene moderat positive Wachstumsraten erwartet. Der Güterverkehr bestätigt die anhaltende Schwäche wichtiger Industrie- und Bausektoren. Gleichzeitig zeigen sich erste Stabilisierungstendenzen im Binnenmarkt. Für Unternehmen bleiben Wettbewerbsfähigkeit, verlässliche Infrastruktur und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen entscheidende Voraussetzungen für eine nachhaltige Erholung.