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KI-Power: Daten smart nutzen
Wer beim Wort „Supercomputer" an abgeschottete Forschungslabore und Millionenbudgets denkt, hat die Entwicklung der letzten Jahre verpasst. Was noch vor einem Jahrzehnt ausschließlich Großkonzernen und Universitäten vorbehalten war, steht heute auch kleinen und mittleren Unternehmen offen: unkompliziert, rechtskonform und teils kostenlos. Das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg hat gemeinsam mit dem digiZ Ostwürttemberg, Europe Direct Ostalb, der KI-Allianz Baden-Württemberg und CARS 2.0 bei seiner dritten Transformations-Exkursion genau diesen Beweis angetreten: mit einem Besuch bei HammerHAI und SICOS BW am Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS).
Was steckt hinter HammerHAI?
HammerHAI (kurz für Hybrid and Advanced Machine Learning Platform for Manufacturing, Engineering, and Research) ist Deutschlands neue KI-Infrastruktur für die Industrie. Das Herzstück ist ein KI-optimiertes Supercomputing-System, das am HLRS in Stuttgart gehostet wird und speziell für mittlere bis große KI-Workloads ausgelegt ist. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Hochleistungsrechnern: HammerHAI kombiniert enorme Rechenkapazität mit einer cloudähnlichen Benutzerfreundlichkeit. Unternehmen können bestehende Softwarelösungen nahtlos integrieren und bei Bedarf auf leistungsstarke KI-Ressourcen zugreifen ohne eigene Hardware-Investitionen.
Besonders relevant für Unternehmen in Deutschland und Europa: Alle Rechenkapazitäten von HammerHAI sind vollständig DSGVO-konform, entsprechen dem europäischen KI-Gesetz und allen weiteren geltenden EU-Rechtsvorschriften. Wer also sensible Produktions- oder Kundendaten verarbeiten möchte, muss keine Kompromisse bei Datenschutz und Rechtssicherheit eingehen. Der neue Supercomputer wird im Laufe des Jahres vollständig ausgeliefert, die Ressourcen und Lösungen stehen jedoch bereits heute zur Verfügung.
Erlebbar gemacht: Die CAVE als Fenster in die Zukunft
Ein besonderes Highlight der Exkursion war das Visualisierungslabor „CAVE”. Ein würfelförmiger Raum, in dem Teilnehmende mithilfe einer 3D-Brille vollständig in Virtual-Reality-Umgebungen eintauchen können. Was abstrakt klingt, wurde hier unmittelbar erfahrbar: Fertigungsanlagen, die noch nicht gebaut sind, lassen sich als begehbarer digitaler Zwilling simulieren. Strömungsberechnungen, die sonst auf einem Bildschirm kaum zu interpretieren sind, werden räumlich sichtbar. Produktionsprozesse können virtuell optimiert werden, bevor auch nur ein einziger Umbau stattfindet. Für viele Teilnehmende war genau das der Schlüsselmoment: Plötzlich wurde greifbar, dass Supercomputing keine abstrakte Zukunftstechnologie ist, sondern ein konkretes Werkzeug mit echtem industriellem Nutzen.
SICOS BW: Der neutrale Lotse durch den KI-Dschungel
Viele Unternehmen wissen, dass KI und Datenanalyse Potenzial haben, aber wo anfangen? Genau hier setzt SICOS BW an. Als kompetenter und neutraler Partner unterstützt SICOS BW Organisationen dabei herauszufinden, wo und wie Höchstleistungsrechnen, Data Analytics und Künstliche Intelligenz erfolgreich eingesetzt werden können. Das bedeutet: keine Produktempfehlungen im Eigeninteresse, sondern unabhängige Beratung von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Einführung im Unternehmen.
Was viele nicht wissen: Für kleine und mittlere Unternehmen ist diese Unterstützung vollständig kostenfrei, da die Arbeit von SICOS BW öffentlich gefördert wird. Ein Angebot, das bei der Exkursion auf großes Interesse stieß, denn die Hemmschwelle, sich professionelle Begleitung zu leisten, entfällt damit vollständig.
Der Rohstoff liegt im eigenen Betrieb – man muss ihn nur finden
Im Workshop „Daten als Rohstoff, KI als Werkzeug – Potenziale im eigenen Unternehmen erkennen" zeigte SICOS-Experte Andreas Wierse, wie Unternehmen systematisch vorgehen können. Der erste und wichtigste Schritt: verstehen, welche Daten im eigenen Betrieb überhaupt vorhanden sind. In vielen KMU schlummern ungenutzte Datenschätze in Maschinen, ERP-Systemen oder Qualitätsprotokollen, ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird.
Ein typisches Beispiel aus der Praxis: Ein Maschinenbauunternehmen erfasst seit Jahren Betriebsdaten seiner Fertigungsanlagen, wie beispielsweise Laufzeiten, Temperaturen, Fehlerprotokolle. Bisher wurden diese Daten kaum ausgewertet. Mit dem richtigen KI-Modell ließen sich daraus Muster erkennen, die auf drohende Maschinenausfälle hinweisen, bevor sie eintreten. Das Ergebnis: weniger Stillstandzeiten, geringere Wartungskosten, planbarere Produktion. Der Aufwand für den Einstieg ist dabei geringer als oft angenommen – vorausgesetzt, man weiß, welche Daten vorhanden sind und welche Frage man beantworten möchte.
Die Teilnehmenden berichteten, erstmals einen konkreten Fahrplan vor Augen zu haben: Welche Prozesse sich für KI-Unterstützung eignen, welche Daten dafür nötig wären und wie der Einstieg realistisch aussehen könnte. Die Erkenntnis, die den Workshop prägte: KI ist kein Selbstzweck. Sie entfaltet ihren Mehrwert dort, wo Unternehmen wissen, welche Frage sie beantworten wollen.
Mehr als Technik: KI als Führungsaufgabe
In der anschließenden Diskussion kristallisierte sich ein Thema heraus, das in der öffentlichen KI-Debatte oft zu kurz kommt: Changemanagement. Der erfolgreiche Einsatz von KI hängt nicht primär von der Technologie ab, sondern davon, ob Mitarbeitende mitgenommen werden. Dafür braucht es Freiräume, in denen sie sich strategisch mit ihren eigenen Prozessen auseinandersetzen können, konkrete Beispiele aus dem eigenen Umfeld und eine Führungskultur, die den Wandel aktiv begleitet. Aufklärung und Befähigung der Belegschaft sind dabei keine einmalige Maßnahme, sondern eine Daueraufgabe.
Die Exkursion hat gezeigt: Mit Partnern wie HammerHAI und SICOS BW stehen Unternehmen aus der Region Infrastruktur und Begleitung zur Verfügung, die andernorts Millionen kosten würden.
Kontakt
Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg
Ludwig-Erhard-Straße 1
89520 Heidenheim
Tel. 07321 324-0
Fax 07321 324-169
zentrale@ostwuerttemberg.ihk.mom
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