Wirtschaft in Ostwürttemberg
Nr. 7123682
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Präsident der IHK Ostwürttemberg

Im Gespräch mit Markus Maier

Die Wirtschaft in Ostwürttemberg wählt im Oktober 2026 ihr höchstes Gremium, die IHK-Vollversammlung, neu. Wahlberechtigt sind mehr als 30.000 Mitgliedsunternehmen aus der Region. IHK-Präsident Markus Maier spricht über die Aufgaben der IHK in der selbstverwalteten Wirtschaft – und er bilanziert die ablaufende Wahlperiode. Seit 2017 im Amt, tritt der 67-Jährige nicht erneut zur Wahl an. Er beschreibt im Interview, warum Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Stimme in der Vollversammlung erheben sollten. Und er appelliert an die Wahlberechtigten, bei der Wahl ihre Stimme abzugeben.
Herr Präsident Maier, warum ist eine meinungsstarke Vollversammlung wichtig? Wie ordnen Sie den Stellenwert der Wahl zur IHK-Vollversammlung ein?
Markus Maier: Die IHK vertritt die Interessen aller rund 30.000 Mitgliedsunternehmen – vom Kleinstgewerbe über Kleinbetriebe und mittelständische Familienunternehmen bis zum Konzern. Dies ist gleichermaßen wichtig wie herausfordernd, da bei unterschiedlichen Interessen naturgemäß immer abgewogen werden muss. Hier kommt der IHK-Vollversammlung eine zentrale Rolle zu, sie ist ein Spiegelbild dieser Vielfalt. Die IHK bündelt Meinungen und vertritt die Interessen der Mitgliedsunternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und der Öffentlichkeit. In der Vollversammlung werden dazu die Beschlüsse gefasst und die Eckpfeiler der Selbstverwaltung unserer regionalen Wirtschaft gesetzt. Dabei ist es wichtig, dass die gewählten Mitglieder der Vollversammlung ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen.
Was kann die Motivation für Unternehmerinnen und Unternehmer sein, sich im Ehrenamt bei der IHK zu engagieren?
Die IHK ist Teil unserer freien, pluralistischen Gesellschaft, sie lebt durch das Engagement der und des Einzelnen. Hierfür bedarf es Persönlichkeiten, die mit der Übernahme dieses Ehrenamtes bereit sind, Verantwortung für alle IHK-Mitglieder zu übernehmen.

Gerade in diesen herausfordernden Zeiten, in denen große Veränderungen auf der politischen Tagesordnung stehen, muss die Wirtschaft mit starker Stimme auftreten.

Als Mitglied unserer Vollversammlung können Sie daran mitwirken, wie die Zukunft in unserer Region gestaltet werden soll. Und weit darüber hinaus, in der Zusammenarbeit mit den 12 IHKen in Baden-Württemberg und der 79 bundesweit.

Ich freue mich, dass sich für die IHK-Wahl im Oktober zahlreiche Persönlichkeiten zur Kandidatur bereiterklärt haben. Dies stellt sicher, dass wir auch in Zukunft eine starke Stimme der Wirtschaft haben werden.
Wie sehen die Gestaltungsmöglichkeiten konkret aus? Geben Sie uns Einblicke in die zu Ende gehende Wahlperiode der Vollversammlung.
Neben den klassischen Wirtschaftsthemen war die letzte Wahlperiode von vielen internationalen Krisen und Ereignissen geprägt: Die Pandemie und ihre Folgen, der Angriffskrieg Russlands, in der Folge das Thema Energieversorgung und Energiewende.
Aus diesem Grund hat unsere IHK im Jahr 2021 eine umfassende Zukunftsoffensive gestartet. Die im Masterplan dieser Initiative festgeschriebenen Ziele wurden gemeinsam mit Politik und Wissenschaft angegangen, konkrete Projekte umgesetzt. Es entstand beispielsweise das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg, das vor allem der Automobilwirtschaft und dem Maschinenbau hilft, den strukturellen Wandel gut zu meistern.

Ein zentrales Handlungsfeld jeder IHK ist der Bildungsbereich. Die IHK hat hoheitliche Zuständigkeiten in der dualen Berufsausbildung und auch im Prüfungsbereich der Weiterbildung. Darüber hinaus ist unsere IHK seit Langem größter Anbieter in der berufsbegleitenden Weiterbildung.
Um die Qualität dieser Aufgabe langfristig sicherzustellen, hat die IHK-Vollversammlung Ende 2024 einstimmig den Beschluss getroffen, in Heidenheim einen Bildungsanbau zu realisieren, damit eben diese Aufgaben zukünftig in der IHK-Akademie zeitgemäß wahrgenommen werden können.

Erinnern möchte ich, dass wir für die duale Ausbildung seit Dezember 2017 unser IHK-Bildungszentrum in Aalen betreiben. Es hat sich für die überbetriebliche Ausbildung sowie zahlreiche Umschulungen, Weiterbildungen und Kurse hervorragend bewährt.

Wir sind bestens aufgestellt, die Zukunft kann kommen!

Eigentlich ist sie ja schon da. Die digitale Welt bestimmt den Takt in Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb haben wir vor Kurzem den neuen Standort des digiZ in Aalen im Digital Innovation Space bezogen. Dies in nächster Nähe zum Hochschulcampus, schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass wir Synergien heben können.

Daneben werden die politischen Gespräche mit Vertretern aus Europa, Bund, Land sowie wichtiger Institutionen wie der Deutschen Bahn, der Arbeitsagentur und vielen, weiteren Organisationen intensiviert. Und bei allem suchen wir, wo möglich Partner, um unsere argumentative Schlagkraft zu erhöhen.
Die Interessenvertretung wurde in den vergangenen fünf Jahren gestärkt – Stichwort Offensive „Zukunft Ostwürttemberg“.
Ja, die Offensive trägt dazu bei, dass sich die Region Gehör verschafft – sei es in Stuttgart nun bei der neuen Landesregierung, in Berlin bei der Präsentation erster Ergebnisse in der Landesvertretung Baden-Württemberg Ende 2024 oder wie jüngst im März 2026 bei der Delegationsreise nach Brüssel.
Die Region Ostwürttemberg zeichnet der enge Schulterschluss der verantwortlichen Akteure in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft aus.
Als Unternehmerin und Unternehmer lohnt sich also ein aktives Einbringen in die IHK?
Ja, in vielerlei Hinsicht. Die Finanzen, die Leitlinien und Grundsätze der IHK-Arbeit werden durch die Vollversammlung, und damit durch die regionale Wirtschaft selbst, bestimmt. Davon profitieren die Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich engagieren, ganz konkret auch selbst. Bedürfnisse und Notwendigkeiten der unternehmerischen Praxis können direkt in politische Entscheidungsprozesse eingebracht und in Netzwerken diskutiert werden.
Warum ist ein Engagement gerade 2026 besonders angezeigt?
Die geopolitische Lage ist unsicher, die wirtschaftliche Situation in Deutschland, Baden-Württemberg und hier in Ostwürttemberg ist seit Jahren angespannt. Angesichts eines rasant verlaufenden Transformationsprozesses ist Zeit zum Erfolgsfaktor geworden. Wenn ich die neun Jahre meiner IHK-Präsidentschaft betrachte, hat sich eine enorme Dynamik und Vervielfachung an Handlungsfeldern und komplexen Fragestellungen ergeben. Als Unternehmer ist es hilfreich, im Schulterschluss mit Gleichgesinnten, Wissen und Überblick über Trends und Entwicklungsstränge zu besitzen. Die IHK vereint in hohem Maß dieses Wissen. Wirtschaft muss in unserer Gesellschaft wahrnehmbar und präsent sein. Dazu trägt die IHK-Wahl im Oktober bei, für die ich alle Unternehmerinnen und Unternehmer zur Teilnahme aufrufe. Bitte stärken Sie mit Ihrer Stimmabgabe Ihre Kandidatinnen und Kandidaten, die in den nächsten fünf Jahren die Leitlinien für das Handeln unserer IHK bestimmen.

Markus Maier, Jahrgang 1958, ist DiplomIngenieur und prägt seit Jahren als Unternehmerpersönlichkeit Ostwürttemberg mit. 1987 trat er in die Geschäftsleitung der C. F. Maier-Firmengruppe in Königsbronn ein. 1996 übernahm er als geschäftsführender Gesellschafter die Verantwortung für die international tätige Unternehmensgruppe, die er über Jahrzehnte hinweg zu einem Verbund mehrerer Firmen in verschiedenen Ländern mit rund 1.000 Mitarbeitenden weiterentwickelte. Zum 1. Juli 2023 zog er sich aus der operativen Geschäftsführung zurück und wechselte in den Verwaltungsrat des Unternehmens.

Parallel zur unternehmerischen Tätigkeit engagiert er sich in der wirtschaftlichen Selbstverwaltung: 1998 war er Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Ostwürttemberg, seit 2000 gehört er der Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg an. 2015 wurde er zum IHK-Vizepräsidenten gewählt, bevor er im September 2017 das Amt des Präsidenten von Carl Trinkl übernahm. In dieser Funktion vertritt er die Interessen der regionalen Wirtschaft auch auf Landes- und Bundesebene.

Darüber hinaus war und ist Markus Maier in zahlreichen Gremien und Institutionen aktiv, unter anderem als Arbeitgebervertreter im Bezirksrat der AOK Ostwürttemberg, seit 2004 im Aufsichtsrat der Heidenheimer Volksbank (seit 2011 als stellvertretender und seit 2024 als Vorsitzender) sowie in den Kuratorien der Hochschule Aalen, den Opernfestspielen Heidenheim sowie der Königsbronner Bürgerstiftung.
Maier



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